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Mönchengladbach
Wie NRW-Arbeitsminister Laumann die Sozialpolitik im Blick behält

Mönchengladbach. Ungleiches müsse ungleich behandelt werden: Beim Arbeitnehmerempfang der CDU forderte Laumann unterschiedliche Lebensarbeitszeit-Modelle. Von Dieter Weber

Arbeitnehmerempfang: Wer zu den Älteren gehört, erinnert sich an Treffen mit Frauen und Männern, die einen festen, mitunter harten Händedruck hatten. Diese Menschen waren oft stark gewerkschaftlich geprägt. Der jüngste Arbeitnehmerempfang der CDU war anders. Das liegt daran, dass die Arbeitnehmer-Generationen früherer Jahre häufiger aus dem industriellen Bereich kamen. Das hat aber auch damit zu tun, dass Gladbachs Christdemokraten bewusst ihren Empfang zu einem Treffen unterschiedlichster Gliederungen ihrer Partei machen: Die Gladbacher CDA-Vorsitzende Doris Jansen gibt zwar den Ton an, aber auch Dieter Breymann als Chef der CDU-Mittelständler mischt sich unter die Gästeschar.

Dass der jüngste Empfang im Gasthaus am Schmölderpark den Charakter als Arbeitnehmer-Begegnung dennoch behielt, hatte viel mit einem besonderen Gast zu tun. Denn wie derzeit kein anderer in der christdemokratischen Partei vertritt er die Interessen von Werktätigen: Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Bundesvorsitzender der christdemokratischen Arbeitnehmer. Laumann ist originell und repräsentiert in seiner herzhaften, etwas knorrigen Art den Typus Politiker, der sich nicht glätten lässt. Sein Einstieg "An euer Bier muss man sich als Westfale erst gewöhnen" stand dafür.

Laumann ist ein versierter Arbeitspolitiker, der weiß, von was das Wohl und Wehe der Werktätigen abhängt. Zum Beispiel von einem starken Europa und einem freien Welthandel, weil davon Wirtschaft und Arbeitnehmer profitieren. Oder von der Digitalisierung, die das Leben von Beschäftigten in einem dermaßen hohen Tempo umkrempelt, dass so mancher diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen ist. Schnelles Internet sei wichtig, aber man müsse Arbeitnehmer in diesem Prozess begleiten. Eine Frühverrentung von Menschen, die da nicht mithalten, sei das falsche Signal. "Das können wir uns aufgrund der Demografie nicht mehr leisten", sagte Laumann.

Das immer noch oft praktizierte Mittel, Frauen und Männer früher aus dem Erwerbsleben zu nehmen, ist für ihn auch mit Blick auf die Rente kein Allheilmittel. Laumann prangerte an, dass Arbeitgeber dieses Mittel einsetzen, gleichzeitig aber, wenn sie unter sich sind, lautstark den Renteneinstieg mit 70 Jahren fordern. Es könne nicht angehen, dass Menschen, die es nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter schaffen und mit 63 Jahren aufhören müssen, dann in Hartz IV abrutschten. Es müsse unterschiedliche Lebensarbeitszeit-Modelle geben, etwa für die Krankenschwester oder den Schichtarbeiter. Laumanns Appell: "Ungleiches muss auch ungleich behandelt werden."

Und am Schluss seiner Ausführungen gab es noch einen typischen Laumann-Spruch. Die FDP habe er in den vergangenen vier Jahren im Bund nicht vermisst, sagte er, und fuhr fort: "Aber jetzt in NRW ist es ganz schön, dass sie da ist."

Quelle: RP
 
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