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Aktion Fit Für 21
Wie Profis: Was Blut über die Fitness verrät

Aktion Fit Für 21: Wie Profis: Was Blut über die Fitness verrät
Drei Runden laufen, dann erfolgte ein Bluttest. Und das mehrfach hintereinander. Mehr als 70 Frauen und Männer, die beim Santander-Marathon 42 oder 21 Kilometer laufen, machten einen Laktattest. Anschließend wurde ihre Beweglichkeit getestet. Angela Schubotz (r.) machte dabei eine gute Figur. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Ein langes "Tuuuuut" lenkte ihre Schritte: Teilnehmer des Santander-Marathons machten einen Laktattest und eine Bewegungsanalyse. Von Dieter Weber

Es ist ein unscheinbarer Kasten, abseits platziert am Rand der Laufbahn des Rheydter Grenzlandstadions. Nur manchmal scheint er aus seiner Lethargie zu erwachen, und ein langgezogenes "Tuuuuut" ertönt. Es kommt regelmäßig, variiert aber im Tempo.

Für die Frauen und Männer, die auf der Kunststoffbahn ihre Runden drehen, ist das Signal bedeutsam: Es lenkt ihre Schritte, macht deutlich, wenn sie zu langsam oder zu schnell unterwegs sind. Das "Tuuuuut" teilt auch mit, wann eine Einheit beendet ist und ein paar Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen abgezwackt werden. "Anhand der ermittelten Blutwerte können wir sagen, wie fit Sie sind und wie Sie ihr Training individuell steuern können", sagt Dr. Oliver Heine.

Er ist Arzt am Olympiastützpunkt Rheinland und betreut im wesentlichen Profisportler. Jetzt war er mit einem Team von Leistungsdiagnostikern in Rheydt. Ihre Zielgruppe waren mehr als 70 Ausdauerläufer, die am 4. Juni beim Santander-Marathon über 42,195 oder 21,1 Kilometer starten. Diese machten das, was für Profisportler üblich ist: einen Laktattest. Organisiert haben ihn Marathon-Organisator NeoMove und Heilsa - Diagnostik, Therapie & Training. Und nach dem Leistungstest auf der Laufbahn ging's für die Teilnehmer noch in eine weitere separate Runde: Edda Karlsson, Bundesliga-Judoka und Inhaberin von Heilsa, machte mit ihnen noch eine Bewegungsanalyse, um mithilfe von sieben Übungen individuelle körperliche Defizite aufzuzeigen.

FOTO: Raupold, Isabella (ikr)

Mit dabei: Angela Schubotz. Die 49-Jährige hat über das Laufstartprogramm "Fit für 10" zum Sport gefunden und will am 4. Juni einen Halbmarathon laufen. Ihre größte Sorge: "Hoffentlich wird's heute am Ende nicht zu hart." Doch diese Angst nimmt ihr Leistungsdiagnostiker Heine sofort: "Sie müssen nicht an ihre Leistungsgrenze gehen. Sie steigen aus, wenn Sie nicht mehr können oder das Tempo nicht mehr halten können." Die ersten 1200 Meter des Stufentests sind für Schubotz und ihre Mitstreiter läppisch: Mit einem Durchschnittstempo von 8:20 Minuten pro Kilometer zockeln sie über die Laufbahn, müssen strikte Tempodisziplin wahren und bekommen danach Blut abgezapft. "Ich war neugierig, wie das mit den Laktatwerten funktioniert und welche Erkenntnisse daraus für das Training gezogen werden", sagt Schubotz.

Als "Muttermilch der Sportmedizin" bezeichnen Leistungsdiagnostiker das Laktat. Es entsteht im Muskel während ansteigender Belastung und Sauerstoffmangel. Die Laktatwerte lassen auf den Grad der Arbeitsbelastung der Muskeln schließen. Entscheidend ist, ob es durch die Belastung zur Sauerstoffschuld kommt - der Laktat-Spiegel steigt dann, die Energiebereitstellung wird blockiert, der Muskel macht zu. Auf Grundlage des Kurvenverlaufs der Werte kann der Sportarzt einen Trainingsplan erstellen und die Leistungsentwicklung des Sportlers beurteilen.

Das ist die Theorie. Die Praxis sieht weitere Laufrunden vor. Auch die nächste Einheit wird noch gemütlich. Der akustische Taktgeber signalisiert mit dem langgezogenen "Tuuuuut", wann die Teilnehmer bei den in 50 Meter Abständen liegenden blauen Pylonen sein müssen. Alles klappt reibungslos, Heine lobt: "Sie halten gut das Tempo. Locker bleiben." Der dritte Durchgang - Tempo 6:12 Minuten/Kilometer - lässt die Ersten abfallen. Auch Angela Schubotz hat Mühe. "Bleiben Sie dran!", ruft Heine ihr zu. Nach dieser Einheit und der erfolgten Blutentnahme läuft Schubotz aus. Ihre Mitstreiter machen einen vierten und einen fünften Durchgang, haben dabei ein Tempo von deutlich unter fünf Minuten pro Kilometer. Dann ist für sie Schluss. "Die Werte reichen uns", sagt Heine.

Ortswechsel. Von der Laufbahn geht's in einen Trainingsraum. Edda Karlsson überprüft die Beweglichkeit der Probanden. Angela Schubotz ist als Erste an der Reihe. Die Aufgabe erscheint simpel. Sie reckt einen Stab in die Höhe und soll drei Kniebeugen machen. Ihre Rumpfstabilität wird so getestet. Karlsson vergibt bis zu drei Punkte für den Bewegungsablauf. Schubotz bekommt einen. Das bedeutet: Es gibt ein Defizit. Bei den folgenden sechs Übungen schneidet sie besser ab - bei der Beweglichkeit von Hüfte und Schulter etwa, beim Ein-Bein-Stand. 21 Punkte können maximal vergeben werden, aber die erreicht kaum jemand. "Die Gruppe macht einen guten Eindruck, ist sehr motiviert. Aber man konnte sehen, dass es Defizite bei Einzelnen gibt und es bei ihnen zu Fehlbelastungen kommt", urteilt die Diplom-Sportwissenschaftlerin Karlsson.

Das ist nur ein erster Eindruck. Wenn die Ergebnisse ausgewertet sind, bekommt jeder Teilnehmer einen Besprechungstermin. Dann geht's ans Eingemachte: Es gibt Empfehlungen - für die Laufstrecke und für die Gymnastik. Ob und wie sie das umsetzen, entscheiden die Teilnehmer selbst. Das steuert dann kein Kasten mit einem "Tuuuuut".

Quelle: RP
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