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Mönchengladbach
Wie sieht das neue Rheindahlen aus?

Mönchengladbach: Wie sieht das neue Rheindahlen aus?
Diese Visualisierung zeigt, wie das neue Zentrum Rheindahlens einmal aussehen kann. Der große Mühlentorplatz wird durch eine ansprechende Architektur unterteilt, vor der Kirche entsteht ein neuer Marktplatz, und ein Teil der Plektrudisstraße wird fußläufig. FOTO: Büro Schumacher
Mönchengladbach. Stadtplanung geht heute anders als vor Jahrzehnten. Die Idee der autofreundlichen Stadt hat ausgedient. Heute geht es um Verweilqualität, Relationen, Sichtachsen und Grün. In Rheindahlen wird neu über den Marktplatz nachgedacht. Von Inge Schnettler

In den 1960er Jahren ist Rheindahlen autofreundlich hergerichtet worden. Das war damals so üblich. Alles, was im Weg stand, musste einem riesigen Parkplatz weichen. Seitdem dominiert eine immerwährende Blechlawine das Zentrum des Stadtteils. 20 Jahre nach dem Kahlschlag versuchten die Kommunalpolitiker, den Mühlentorplatz zu retten. 1985 starteten sie einen Ideenwettbewerb. Für die besten Ansätze gab es Preise. Der ortsansässige Künstler Gert Paulussen war der Sieger. Sein Entwurf sah mehr Blumenschmuck und gefällige Sitzecken auf dem Marktplatz vor. Die weiteren Preise gingen an Schülergruppen des Gymnasiums Rheindahlen. Die eine schlug vor, den Platz mit Zeltdächern zu gestalten, außerdem wurde Verkehrsberuhigung für den Ortskern gefordert. Eine andere Schülergruppe wollte mehr Pflanzen und einen anderen Brunnen, eine weitere hatte die Vorstellung, dass der Platz überbaut wird. Auf der ersten Etage sollte eine Art Stadtgarten mit Bistro und Café gebaut werden.

Der letzte Vorschlag war für seine Zeit visionär. Die Schüler ersannen damals einen Ortskern, der von den Stadtplanern und Architekten heute durchaus so gestaltet wird. Denn in der modernen Stadtplanung hat ein Umdenken stattgefunden. Epochenwechsel - so nennt das der Londoner Stararchitekt Sir Norman Foster. Das Ideal der autogerechten Stadt gibt es nicht mehr. "Es geht um Qualität", sagt Planungsdezernent Gregor Bonin. "Bespielbare Plätze, Verweilqualität, Grün - das sind die Stichworte. Das Diktat des Autos ist nicht die Zukunft." Der Verkehr solle nicht verbannt, aber verringert werden. "Das Zentrum muss gut erreichbar bleiben - auch für den Fahrradfahrer und den Fußgänger, ob alt oder jung." Die neuerliche Diskussion über die städtebauliche Entwicklung Rheindahlens begrüßt der Dezernent. "Es kommt dort zu einem offenen Prozess, an dem sich die Bürger beteiligen werden."

Viele Rheindahlener waren zur letzten Sitzung der Bezirksvertretung gekommen, weil sie von Anfang an dabei sein wollen, wenn es um das neue Rheindahlen geht. Der Mönchengladbacher Architekt Stefan Schumacher stellte seine städtebauliche Idee für den Ortkern vor. Er war vor 15 Jahren Sieger eines entsprechenden Realisierungswettbewerbs gewesen. 2001 wurde ein Bebauungsplanverfahren angestoßen, aber nach großem Protest aus der Rheindahlener Bevölkerung wieder aufgegeben. Ein gemeinsamer Antrag von CDU und SPD soll das Verfahren nun erneut anstoßen. Und möglicherweise hat der Plan dieses Mal tatsächlich eine echte Chance. Denn im Zentrum Rheindahlens wurde zwar neuer, schicker Wohnraum gebaut, gleichzeitig machte sich aber in den Läden gähnender Leerstand breit, die Tristesse rund um die Kirche ist verheerend. Lediglich der Helenaplatz mit seinen Bänken und Platanen wirkt anheimelnd. Aber auch, wer dort verweilt, schaut auf Blech.

"Der Platz hat, so wie er ist, nicht heimelig", sagte Stefan Schumacher. Er stellte seine Idee vor, ihn zu bebauen. Dadurch entsteht ein neuer Marktplatz vor der Kirche, von den bisherigen etwa 60 Parkplatzen fallen 20 weg. Der Vorteil: Die 40 verbliebenen stehen auch an Freitagen zur Verfügung, wenn der Markt vor die Kirche verlegt wird. "Ein zukünftiger Investor kann natürlich auch die Tiefgarage unter dem Platz erweitern." Die Beecker Straße als Fußgängerzone soll ein Pendant bekommen in der Plektrudisstraße, die bis zur Einmündung zum Wickrather Tor ebenfalls fußläufig werden soll. Gastronomie soll das neue Zentrum beleben. "Auch das Einkaufsverhalten hat sich gewandelt", sagte Stefan Schumacher. "Die Menschen wollen nicht nur ihre Einkaufszettel abarbeiten, sie möchten sich wohlfühlen und eine Tasse Kaffee zu sich nehmen."

Die Bezirksvertretung hat die Verwaltung beauftragt, die Pläne zu prüfen.

Quelle: RP
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