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Per Gessle im Interview
Wir haben uns nie angepasst

Per Gessle im Interview: Wir haben uns nie angepasst
Marie Fredriksson und Per Gessle haben als Roxette seit 1986 insgesamt mehr als 75 Millionen Alben verkauft. FOTO: Fredrik Etoall
Mönchengladbach. Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber des Popduos Roxette spricht über die Tour zum 30-jährigen Bestehen, über das neue Album - und darüber, warum es etwas Besonderes ist, erstmals in Mönchengladbach aufzutreten. Von Jan Schnettler

Roxette ist eine jener Bands, von denen man meint, bestenfalls ein paar Lieder zu kennen. Doch in Wirklichkeit kann man sämtliche ihrer Hits mitsummen, wenn nicht sogar mitsingen - sei es "Spending my time", "How do you do", "Fading like a flower", "Listen to your heart", "Joyride", "Sleeping in my car" oder "The look". 2016 besteht die Band seit 30 Jahren und bringt ein neues Album heraus. Ihre Jubiläumstournee führt sie auch nach Mönchengladbach. Wir sprachen mit Sänger, Gitarrist und Songwriter Per Gessle.

Ist es nach 30 Jahren noch etwas Besonderes, in einer Stadt zu spielen, wo Roxette vorher noch nicht war?

Per Gessle Ja. Es ist sogar so, dass wir Thomas Johansson von Live Nation, der unsere Tourneen bucht, gezielt darum bitten, eine gewisse Anzahl von Spielstätten auszusuchen, die wir noch nie besucht haben. Es ist immer schön, neue Städte und Locations kennenzulernen.

Sagt Ihnen Mönchengladbach etwas? Vielleicht, weil die schwedischen Fußballnationalspieler Oscar Wendt und Branimir Hrgota für Borussia spielen?

Gessle Ja! Und es gab ja auch früher schon den einen oder anderen Schweden, der dort gespielt hat, oder? Weiße Trikots, soweit ich weiß?!

Genau. Roxette kommt übrigens zwei Monate nach Königin Silvia nach Mönchengladbach, die hier den Benediktpreis erhält, unter anderem für ihr karitatives Engagement. Stimmt es eigentlich, dass Sie mit der Königsfamilie befreundet sind?

Gessle Nun ja, nicht wirklich mit dem König oder der Königin. Aber meine Frau und ich kennen Prinz Daniel und Kronprinzessin Victoria. Wir waren zum Beispiel auch auf ihrer Hochzeit.

Nachdem Marie vor über zehn Jahren ihren Hirntumor überwunden hatte, kehrte Roxette auf beeindruckende Art und Weise zurück. Gibt es eigentlich immer noch Augenblicke, wo es sich ein wenig unglaublich anfühlt, dass Sie weiterhin zusammen Musik machen können?

Gessle Das tut es sogar die ganze Zeit - und man sollte den Erfolg nicht für selbstverständlich halten. Besonders in der Musikbranche nicht. Es ist wunderbar, dass unsere Musik weiterlebt und dass unsere tollen Fans auf der ganzen Welt zu unseren Konzerten kommen. Und dass Marie so zurückkommen konnte, das ist natürlich ganz und gar fantastisch. Seit ihrem Comeback haben wir übrigens schon wieder mehr als 280 Auftritte zusammen absolviert!

Roxette feiert 2016 das 30-jährige Bestehen. Haben Sie sich schon entschieden, ob - und wenn ja, wie lange - sie nach der Jubiläumstournee noch weitermachen wollen?

Gessle Nein, haben wir nicht - und es liegt einzig und allein an Marie, diese Entscheidung zu fällen. Ich habe genug mit anderen Projekten zu tun - aber natürlich hat Roxette auch für mich oberste Priorität.

Es ist eine Greatest-Hits-Tournee, mit der Sie nun auch nach Deutschland kommen. Werden Sie in Mönchengladbach ausschließlich die großen Kracher spielen oder auch Lieder vom neuen Album? Und wann erscheint das überhaupt?

Gessle Am 3. Juni wird es erscheinen. Wissen Sie, tatsächlich ist es so, dass wir uns noch gar nicht entschieden haben, was wir im Sommer spielen werden. Aber da es eine Greatest-Hits-Tournee ist, wird der Fokus natürlich auf den Hits liegen.

Dieses Album soll ein wenig anders klingen als die bisherigen neun von Roxette. Was heißt das konkret? Worauf müssen die Fans sich einstellen?

Gessle Wir haben im Studio teilweise mit anderen Menschen zusammengearbeitet als früher, und wir haben die Platte auch von einem anderen Ausgangspunkt aus produziert. Das Ziel war, es wie ein klassisches Roxette-Album klingen zu lassen, aber eben mit einem modernen Anstrich. Und das fühlt sich gut an und klingt auch so.

Was sind Ihre drei persönlichen Lieblingslieder von Roxette?

Gessle Oha, das ist schwer. "What's she like?", "Opportunity Nox" oder "(Do you get) Excited?" sind ganz vorne mit dabei. Aber das sind auch noch etliche andere!

Die Musikszene hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert - aber Roxette ist immer Roxette geblieben. Ist das vielleicht sogar Ihr Erfolgsrezept?

Gessle Ich glaube ganz einfach, das Geheimnis des Erfolgs ist, dass wir kein Geheimnis haben. Wir haben immer mit unserem Team aus schwedischen Musikern zusammengespielt, anstatt uns beispielsweise an die USA oder England beziehungsweise deren Vorlieben anzupassen. Und: Wir haben immer mit unserem eigenen, selbst geschriebenen Song-Material gearbeitet, was im Umkehrschluss dazu führt, dass wir klingen wie niemand sonst. Wir sind sozusagen "homegrown", also Eigengewächse - und gerade deswegen stechen wir aus der Menge heraus.

Roxette ist in Amerika längst größer, als ABBA es jemals gewesen ist. Gibt es eigentlich noch Ziele, die Sie mit der Band bisher noch nicht erreicht haben?

Gessle Keine direkten kommerziellen. Wir hoffen einfach, dass wir mit dem weitermachen können, was wir lieben, also mit der Musik, und machen ansonsten eines nach dem anderen. So ist es nämlich auch am spannendsten!

Letzte Frage: Falls es je eine Fortsetzung von "Pretty woman" geben sollte - würden Sie wieder ein Lied für den Soundtrack schreiben, wie seinerzeit "It must have been love"?

Gessle Absolut! Da wäre ich sofort mit dabei.

Quelle: RP
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