| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Wir sehen alle denselben Mond

Mönchengladbach: Wir sehen alle denselben Mond
Biggi Mestmäcker und Übersetzer Hazem Hadidi zeigen das Buch, das sie über die Familienzusammenführung geschrieben hat. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Eine syrische Familie ist wiedervereint - dank des großen Einsatzes einer deutschen Patin. Sie schildert die Geschichte in einem Buch. Von Angela Rietdorf

Würde sie es wieder tun? "Ja", sagt Biggi Mestmäcker. "Noch nie hat mich etwas so belastet, aber es war jede Mühe wert." Denn die abenteuerliche Geschichte einer Familienzusammenführung hat ein Happy End. Elias, 2015 aus Syrien geflüchtet, konnte seine Frau und seinen Sohn nach vielen Monaten wieder in die Arme schließen. Ohne das unermüdliche Engagement ihrer deutschen Helferin und Freundin Biggi Mestmäcker hätte das nicht geschehen können. Die Hindernisse schienen schier unüberwindlich. Aber große Beharrlichkeit, viele freundliche Menschen und ein bisschen Glück führten zum Ziel. Biggi Mestmäcker hat die Geschichte in einem deutsch-arabischen Buch zusammengefasst.

Kennengelernt hat Mestmäcker, die in Gladbach ein Büro für Kommunikation und Marketing betreibt, Elias, den Flüchtling aus Syrien, bei einem Kochprojekt für Flüchtlinge. Er ist erst eine Woche da und spricht noch kein Deutsch. Sie hilft ihm beim Deutschlernen, er bringt ihr ein wenig Arabisch bei. Als sie und ihr Mann bald darauf in Urlaub fahren, hütet Elias das Haus, füttert die Katze und gießt die Blumen. Später zieht er aus der überfüllten Flüchtlingsunterkunft in ihr Gästezimmer. "Wir wurden eine WG", sagt Mestmäcker, "und ich merkte immer mehr, wie viel Angst er um seine Familie hatte, die in Damaskus geblieben war." Als er nach langem Warten als Flüchtling anerkannt wird, will er sofort Frau und Kind nachholen. Das Recht hat er, in der Praxis aber ist es schwer bis unmöglich, auch nur einen Termin für ein Visum in einer deutschen Botschaft zu bekommen. "In Damaskus gibt es keine mehr, in Beirut muss man zwei Jahre auf einen Termin warten", erklärt Elias´ deutsche Freundin, die sich der Sache annahm. Also vergrößert sie den Radius, fragt alle Botschaften im Umkreis Syriens an, dann in Armenien, in Indien, schließlich in Indonesien.

Hier schließlich gelingt es ihr in letzter Minute, bevor auch hier die Voraussetzungen geändert werden, einen Termin in der deutschen Botschaft in Djakarta zu bekommen. Aber jetzt brauchen Frau und Kind eine Einladung, um nach Indonesien einreisen zu dürfen. Mestmäcker lässt alle Beziehungen spielen, verbringt Stunden um Stunden im Internet und findet schließlich eine junge Frau auf Bali, die Elias' Frau Mari und deren Sohn einlädt und sogar noch einen Helfer in der indonesischen Hauptstadt vermittelt. Dennoch türmen sich in Djakarta die Probleme, die indonesischen Sachbearbeiter in der deutschen Botschaft benachteiligen die syrische Christin gegenüber den muslimischen Antragstellern, bei der Zahlung der Gebühren gibt es Schwierigkeiten. Die Nerven liegen blank, aber immer findet sich in letzter Minute ein Helfer oder eine Lösung. Und dann sitzt Mari mit ihrem Sohn im Flugzeug. In Deutschland atmen ihr Mann und seine deutschen Freunde auf. Da kommt die letzte Horrorbotschaft: Bei der Zwischenlandung in Abu Dhabi wird der Pass mit dem Visum eingezogen. Das Flugzeug ist wieder startklar, aber Mari darf nicht hinein. Aber auch hier erhält sie in letzter Sekunde ihren Pass zurück und landet endlich in Düsseldorf. Glückliches Ende einer nervenzerfetzenden Geschichte.

Einer Geschichte, die Mestmäcker aufgeschrieben hat. Sie liegt nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Arabisch vor: "Ich wollte, dass die Protagonisten die Geschichte auch lesen können." Es war nicht einfach, einen geeigneten Übersetzer zu finden und noch schwieriger, einen Verlag zu überzeugen. Selbst die Selfpublishing-Verlage schrecken vor Arabisch zurück, weil sie niemanden haben, der die Ungefährlichkeit des Textes bestätigt. Aber wer es schafft, eine Familie von Damaskus über Djakarta nach Deutschland zu holen, lässt sich nicht abschrecken. Das Buch ist nun bei Tredition erschienen, kostet 12,90 Euro und heißt "Wir sehen alle denselben Mond". Und es hat auch einen arabischen Teil.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Wir sehen alle denselben Mond


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.