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Peter Schlipköter
Wir sind eine Top-Location

Mönchengladbach. Der Geschäftsführer der städtischen Marketinggesellschaft spricht über qualitatives Wachstum bei den Veranstaltungen und erklärt die Strategie für Tourismus.

Der Nobelpreisträger Kailash Satyarthi, Schachweltmeister Garry Kasparov, und zwischendurch Königin Silvia und Jupp Heynckes - das Veranstaltungsjahr ist ein besonders spektakuläres, oder?

Peter Schlipköter Absolut. Zumal wir dann noch gar nicht über Simply Red und all die anderen Konzerte im Sparkassenpark gesprochen haben, über die Sommermusik am Schloss Rheydt, die sich toll entwickelt, und über das Snowboard-Event Big X, das ein besonderes Highlight in diesem Veranstaltungsjahr sein wird. Wir haben inzwischen eine unheimliche Dichte an hochkarätigen Veranstaltungen in Mönchengladbach.

Wäre da manchmal weniger mehr?

Schlipköter Nein, weil die Veranstaltungen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Vor ein paar Jahren habe ich noch gedacht, wenn in Mönchengladbach zwei große Veranstaltungen an einem Sommerwochenende liegen, nehmen sie sich gegenseitig das Publikum weg. Das ist aber nicht so. Das Ritterfest zum Beispiel kommt immer auf rund 12.000 Besucher, fast unabhängig vom Wetter. Wir können sehr froh sein über den Zuwachs an Veranstaltungen. Es gilt dasselbe wie in anderen Bereichen: Auch als Veranstaltungsstadt wollen wir weiter wachsen, und zwar mit Qualität.

Dann schauen wir mal auf die nächsten Veranstaltungen, die kommen. Die Verleihung des Ehrenrings der Stadt an Jupp Heynckes sorgt für Aufmerksamkeit weit über die Stadt hinaus, was nicht zuletzt am Laudator liegt.

Schlipköter Das stimmt. Für uns ist das eine unverhoffte Blaupause für die Verleihung des Benediktpreises an Königin Silvia im Mai. Es ist mit dem Haus Erholung der gleiche Veranstaltungsort. Das Medieninteresse ist ganz ähnlich. Es kommen beinahe dieselben Fernsehsender. Und Fragen wie die Anfahrt der prominenten Gäste sind ebenfalls gleich.

Haben Sie Sorge, dass das Interesse am Ende mehr auf Uli Hoeneß als auf Jupp Heynckes liegt?

Schlipköter Nein, weil allen bewusst ist, worum es an diesem Tag geht: den großartigen Sportler und Menschen, den großen Mönchengladbacher Jupp Heynckes zu ehren. Dass wegen der besonderen Umstände nun alle besonders genau hinhören werden, was Uli Hoeneß zu sagen hat, ändert daran gar nichts. Das Organisationsteam der Stadt und der MGMG wird Fotografen erst in den Saal lassen, wenn am Ende für die Ehrung Heynckes, Hoeneß und der Oberbürgermeister gemeinsam für die Überreichung des Ehrenrings auf der Bühne stehen. Dadurch schaffen wir es, die Würde der Veranstaltung nicht zu stören.

Gut drei Wochen später kommt der nächste Nobelpreisträger in die Stadt. Warum darf man Kailash Satyarthi auf keinen Fall verpassen?

Schlipköter Ich habe ihn in Berlin bei einer Veranstaltung der Bundesregierung persönlich kennengelernt und im Namen des Initiativkreis Mönchengladbach nach Mönchengladbach eingeladen. Er ist ein faszinierender und unglaublich mutiger Mann. Was er für die Rechte von Kindern und Jugendlichen geleistet hat, ist unvorstellbar. Er hat mit der Polizei Häuser aufbrechen lassen, um dort gefangen gehaltene Kindersklaven zu befreien. Kailash Satyarthi ist ein Mann mit einer Mission. Jemand, der uns lehrt, was man erreichen kann, wenn man es wirklich will. Satyarthi verzichtet auf ein Honorar und bekommt vom Initiativkreis eine Spende für seine Organisation. Ich freue mich besonders, dass er am Nachmittag vor seinem Vortrag in der Kaiser-Friedrich-Halle im Huma mit 150 Oberstufenschülern aus Mönchengladbach zusammentrifft. Er wird auf Englisch mit den Schülern diskutieren.

Im Juni spielen Sie dann Schach.

Schlipköter (lacht) Ich spiele tatsächlich Schach, aber viel zu schlecht, um gegen den Ex-Weltmeister Garry Kasparov anzutreten. 15 Spieler haben aber bei einem Simultanturnier die Chance dazu. Der amtierende Mönchengladbacher Stadtmeister und weitere Spieler aus der Region können sich mit dem mehrfachen Weltmeister messen. Wir sind gerade dabei, die Spieler auszuwählen. Abends hält Kasparov auf Einladung des Initiativkreises Mönchengladbach dann einen Vortrag, der nichts mit seinen politischen Aktivitäten zu tun hat. Es geht darum, was Führungskräfte vom Schachspiel lernen können.

Was ist im Sommer in Gladbach los?

Schlipköter So eine Veranstaltungsdichte wie im Juli und August hat es noch nie in der Stadt gegeben. Da gibt es an jedem Wochenende eine Großveranstaltung. Besonders gespannt bin ich auf das Turmfest. Es wird wieder den Triathlon geben, diesmal mit der Deutschen Meisterschaft für Studenten, an der allein 100 bis 150 Studenten teilnehmen werden. Wir haben mit Sonja Oberem eine neue, sehr professionelle Organisatorin gewinnen können. Schon jetzt haben sich Teilnehmer aus den verschiedensten Ecken Deutschlands angemeldet. Die Strecke ist leicht verändert, vor allem die Übergänge für die Zuschauer haben wir erleichtert. Wir rechnen mit bis zu 700 Teilnehmern und hoffen wieder auf 100.000 Besucher. Ich persönlich freue mich auch sehr auf "Nachtaktiv". Und auch der niederrheinische Radwandertag entwickelt sich immer mehr zu einem Großevent.

Und dann gibt es noch einen besonderen Jahresabschluss im Sparkassenpark.

Schlipköter Dass "Big X" nach Mönchengladbach kommt, ist eine riesige Chance für die Stadt. Das ist ein Event, wie wir es in der Stadt noch nicht erlebt haben. Das wird sehr spektakulär. Und die Präsenz, die wir dadurch überregional bekommen, ist immens. Das Snowboard-Event passt so gut in den ganzen Reigen, weil es etwas ganz anderes ist und beweist, dass Gladbach sich auch zu einer Top-Location für Veranstaltungen gemausert hat. Vergleichbares in einer Stadt dieser Größe findet man auch im weiteren Umkreis nicht. Übrigens gibt es noch einen anderen, ruhigeren Abschluss des Jahres: das Konzert der African Angels, einem Chor von großartigen Solisten aus Südafrika, in der Kaiser-Friedrich-Halle.

Noch nie haben so viele Menschen in der Stadt übernachtet wie im vergangenen Jahr. Hat das auch mit den Veranstaltungen zu tun?

Schlipköter Das hat viele Ursachen, die Veranstaltungen gehören dazu. Für viele Veranstaltungen kommen Zuschauer von weiter her, und immer mehr von ihnen bleiben dann über Nacht oder verbringen das Wochenende hier. Es gibt aber auch andere Faktoren. Die großen Firmen wie Santander sorgen für Übernachtungen. Das Minto zieht Gäste an. Und unsere Aktivitäten im Print-, Messe- und Internet-Bereich, Gladbach als Destination für Touristen zu verankern, tragen Früchte. Den Niederrhein als gemeinsame Marke zu etablieren, kann hierzu ein guter Weg sein. Ob es dazu eine gemeinsame Organisation der Städte und Kreise oder nur die gute Präsentation der Dachmarke braucht, ist zurzeit offen.

RALF JÜNGERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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