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Mensch Gladbach
Wir verlosen einen verkaufsoffenen Sonntag

Mönchengladbach. Das Gerangel um die Sonntagsöffnungen geht in die nächste Runde. Eine seltsame Gemengelage mit merkwürdigen Sprachbarrieren.

Als Erstes sage ich Ihnen, über was Sie hier heute nichts lesen. Über die Flügelnuss. Nachdem es noch vor den Osterferien so schien, als gäbe es kein größeres Problem in dieser Stadt als einen gefällten Baum, hat die österliche Ruhe Baumschützer und Baumfrevler scheinbar friedlich gemacht. Pssst - daran wollen wir nicht rütteln und schön stille sein.

Offenbar hat das Geschehen die Stadttochter Mags aber so beflügelt, dass sie einige Monate vor dem Gladbacher Tour-Auftritt die Stadt schön macht. Das - hier kommt eine sehr persönliche Wertung - bizarre und komische Stahlgerüst auf dem Bismarckplatz wird gestrichen, präsentiert sich derzeit rostbraun und wird danach wieder blau. Um den Schauspieler Heinz Rühmann zu zitieren: "Hübsch hässlich!" Aber wenn danach zumindest die Graffiti-Schmierereien dauerhaft verschwinden, hat's ja einen Sinn.

Und weil solche Veränderungen wie Doping sind und dann meist neue Sichtweisen ermöglichen, hofft die Stadt auf eine beglückende Wirkung und präsentiert den Mönchengladbacher Geschäftsleuten ein verspätetes Ostergeschenk: Am 2. Juli, nachdem die weltbesten Radrennfahrer 20,5 Kilometer durch die Stadt gehetzt sind, sollen die Geschäfte an diesem Sonntag nachmittags öffnen und die 250.000 erwarteten Tour-Besucher in die Geschäfte strömen. Uups, war da nicht etwas? Ja, richtig. Noch vor einigen Wochen lehnte die Stadtverwaltung mehrere verkaufsoffene Sonntage ab, die vom Citymanagement beantragt worden waren. Sie befürchtete Klagen und Absagen. Die Geschäftsleute-Vereinigungen waren, um es ganz zurückhaltend auszudrücken, davon wenig begeistert.

Und jetzt dreht die Stadt den Spieß um und bietet dem Citymanagement einen verkaufsoffenen Sonntag an - frei nach dem Motto, bitte, bitte, bitte, macht es doch, es ist doch so gut für uns alle. Die Geschäftsleute sind wieder sehr reserviert, weil sie diesen verkaufsoffenen Sonntag nur dann machen wollen, wenn die anderen doch stattfinden können. Denn wenn die Stadtzentren über Stunden abgeriegelt sind, so ein Argument, kommt der potenzielle Kunde gar nicht in die Stadt. Durchaus verständlich. Doch warum klären beide Seiten diese Probleme nicht im Vorfeld? Warum setzt man sich nicht zusammen und präsentiert dann eine gemeinsame Lösung? Entweder verkaufsoffener Sonntag am 2. Juli. Oder eben nicht. Kommende Woche sollen die Bezirksvertretungen abstimmen - aber über was? Stimmen sie dem Vorschlag der Verwaltung zu, heißt das längst nicht, dass die Geschäftsleute mitziehen werden. Merkwürdig das Ganze. Am besten wir verlosen einen verkaufsoffenen Sonntag. Dann kann niemand meckern.

In dieser Woche erklärte uns die SPD, wie sie mit der CDU beim Kindergartenbau und bei der Besetzung der Erzieher-Stellen neue Wege gehen will. Da sind brauchbare Ansätze darunter. Etwa der, dass man beim Bau mit zwei Modellvarianten auskommen kann und die danach errichteten Standard-Kitas nicht schlecht sein müssen. Halbgar sind aber Lösungen, wie man die dringend benötigten Fachkräfte bekommen will. Durch den Einsatz von Jahrespraktikanten? Sorry, aber wer in Viersen wohnt, in Gladbach die Ausbildung macht, hat in einem Mangel-Beruf genügend Optionen in der Heimatstadt. Da muss mehr kommen: unbefristete Arbeitsverträge im Anschluss, ein Fortbildungskonzept, zusätzliche Anreize, wenn Fachkräfte hier ansässig werden. Die Konkurrenz ist hart.

Noch etwas: Erinnern Sie sich noch daran, dass eine Gladbacher Delegation jüngst in China war? Es war für die Teilnehmer gar nicht so leicht, ins Reich der Mitte zu kommen. Sie warteten nämlich ungewöhnlich lange aufs Visum. Und warum? Weil in Gladbach einmal im Jahr die tibetische Fahne geflaggt wird. Und weil der Dalai Lama mal hier bei uns war. Das alles missfällt dem Chinesen sehr. Es gab Spötter, die erklärten, man sollte die tibetische Flagge hissen, während die Delegation in China ist. Sie hätte dann dableiben müssen. Ganz schön fies.

Quelle: RP
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