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Mönchengladbach
Wirbelsäulen-OP wird sicherer

Mönchengladbach. O-Arm heißt der neue mobile Tomograph des Krankenhauses Neuwerk. Das Gerät erlaubt eine bessere Kontrolle während der Operation am Rücken und senkt die Strahlenbelastung von Patienten, Ärzten und Pflegern. Von Angela Rietdorf

Dr. Patrick Weidle dreht eine Schraube in den Wirbel. Immer wieder blickt er auf den Monitor, prüft die Lage auf dem dreidimensionalen Bild, arbeitet weiter. Der Monitor zeigt mehrere Ansichten der Wirbelsäule des Patienten, bildet auch die Schraube und das chirurgische Instrument ab. Der Operateur kann seine Arbeit jederzeit überprüfen. Ermöglicht wird die genaue Kontrolle in Echtzeit durch einen mobilen Tomographen, den sogenannten O-Arm, über den die Sektion Wirbelsäulentherapie des Krankenhauses Neuwerk seit neuestem verfügt.

Der O-Arm erlaubt aber nicht nur eine bessere Kontrolle während der Operation, er senkt auch die Strahlenbelastung von Patienten, Ärzten und Pflegepersonal und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Eingriffs. "Der O-Arm wird zu Beginn der Operation eingesetzt und erstellt in dreizehn Sekunden einen dreidimensionalen Scan", erklärt Weidle, Chefarzt der Sektion Wirbelsäulentherapie in Neuwerk. Ärzte und Pflegepersonal können während dieser Zeit den Raum verlassen, sind also keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Der Verzicht auf die bleischweren Röntgenschürzen allein ist schon ein großer Vorteil, denn sie wiegen um die zehn Kilo und stellen während der Arbeit eine nicht zu unterschätzende Belastung dar.

Mit Hilfe des Scans kann der Operateur nun während des Eingriffs navigieren. Er sieht zwei- und dreidimensionale Bilder. Während der OP werden die Implantate und Instrumente von Kameras aufgenommen und auf dem Scan angezeigt, so dass eine intraoperative Kontrolle möglich ist. Am Ende des Eingriffs, bevor der Patient wieder aus der Narkose erwacht, wird ein weiteres Mal gescannt. Noch einmal kann der Chirurg die Position der Implantate kontrollieren. "Das wurde vorher auch gemacht", sagt der Chefarzt, "aber erst in einem weiteren Schritt nach der Operation." Dann wurde unter Umständen ein zweiter Eingriff nötig. Bei der früheren zweidimensionalen Betrachtung lag die Fehlerquote international bei etwa zehn Prozent, in sechs Prozent der Fälle musste noch einmal operiert werden. Das kann nun mit dem Einsatz des O-Arms ausgeschlossen werden.

Den O-Arm - der Name bezieht sich auf die Form des Geräts - hat sich das Neuwerker Krankenhaus 800.000 Euro kosten lassen. "Sicherheit ist das oberste Gebot", sagt Geschäftsführer Markus Richter. Chefarzt Weidle meint, andere Verfahren seien "nicht mehr zeitgemäß". "Es ist ein Widerspruch, bei der operativen Vorbereitung mit dreidimensionalen Diagnoseverfahren zu arbeiten und sich dann bei Eintritt in den OP auf zwei Dimensionen zu reduzieren", führt er aus. Zumal die zweidimensionale Darstellung der Wirbelsäule einen entscheidenden Nachteil hat: Der Rückenmarkskanal ist nicht zu erkennen.

Aber der O-Arm ist nicht nur bei Wirbelsäulen-OPs einsetzbar, sondern prinzipiell bei allen Knochen. Besonders sinnvoll ist der Einsatz bei komplexen Brüchen im Beckenbereich, beim Schienbeinkopf und beim Fersenbein, außerdem bei der klassischen Unfallchirurgie. "Ein Patient ist dreieinhalb Meter tief durch ein Glasdach gestürzt und hat Verletzungen an der Wirbelsäule. Dann wird mit Schrauben eine Brücke über den gebrochenen Wirbelkörpern gebaut", schildert er einen typischen Fall, bei dem der mobile Tomograph zum Einsatz kommt.

Mit dem neuen Gerät stärkt das Krankenhaus die Sektion Wirbelsäulentherapie. "Die Sektion ist ein Leuchtturm. Unser Ziel ist es, ein großes Zentrum aufzubauen", erklärt der Geschäftsführer.

Quelle: RP
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