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Mönchengladbach
Wirtschaft benotet die Stadt mit "befriedigend"

Mönchengladbach: Wirtschaft benotet die Stadt mit "befriedigend"
Die Gesamtnote ist genau zwischen gut und befriedigend, die Bewertung der fünf Themenfelder allerdings ist allesamt schlechter ausgefallen. Insgesamt ist die Bewertung etwas schlechter als im Durchschnitt des IHK-Bezirks. FOTO: IHK
Mönchengladbach. Der Standort Mönchengladbach hat in der Bewertung der Betriebe zwar aufgeholt, aber Straßen und Breitbandausbau sind Probleme. Von Andreas Gruhn

Mönchengladbach ist für viele namhafte Unternehmen in den vergangenen Jahren ein neuer Standort geworden. Die Stadt brüstet sich damit auch nicht zu Unrecht. Insofern überrascht es doch ein wenig, wie die Unternehmen in der Region die Stadt als Wirtschaftsstandort einschätzen. Im Durchschnitt erteilen die Unternehmer der Standortqualität insgesamt die Schulnote "befriedigend plus". Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, die IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und Professor Rüdiger Hamm, Volkswirt von der Hochschule Niederrhein, gestern Abend vorstellten. Rund 200 Mönchengladbacher Unternehmen mit 6000 Beschäftigten beteiligten sich daran. Die Umfrageergebnisse flossen in die neue Standortanalyse der IHK und der Hochschule ein, auf deren Grundlage die IHK Handlungsempfehlungen ausspricht.

"Mönchengladbach hat viel aufgeholt in den vergangenen Jahren, aber an vielen Punkten haben die Unternehmen Handlungsbedarf erkannt", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz nach einer lebhaften Diskussion. "Die Stimmung ist etwas besser als die Lage." Demnach bewerteten zwar 57 Prozent der befragten Unternehmen den Standort mit der Schulnote "Eins" oder "Zwei". Allerdings vergaben 42 Prozent nur eine "Drei" oder "Vier". Ein Prozent der Befragten hält den Standort für "mangelhaft" oder gar "ungenügend". Im Durchschnitt ergibt sich eine "Drei plus". Unterm Strich, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz, seien die Unternehmen insgesamt zwar zufrieden, Grund ist aber ein Faktor, für den die Stadt nicht ganz so viel kann: "Die gute Erreichbarkeit Mönchengladbachs", sagte Steinmetz. Das Autobahnnetz ist eben gut, die innerstädtischen Verkehrsverhältnisse allerdings, und dazu gehört auch der Straßenzustand, wurde von den Unternehmen in Gladbach deutlich stärker kritisiert als insgesamt am Mittleren Niederrhein: Straßen und Brücken müssten deutlich besser in Schuss gehalten werden, fordert die IHK. "Auch die Standortkosten werden deutlich schlechter bewertet als bei der letzten Befragung im Jahr 2012", sagte Steinmetz. Die Anhebung der Gewerbe- und Grundsteuer habe der Standortqualität geschadet. "Die Stadt darf nicht weiter an der Steuerschraube drehen", warnte Steinmetz, was allerdings auch wenig überraschend ist.

Was der Stadt, die gerne Gigabit-City wäre, Sorgen bereiten sollte, ist die kritische Bewertung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. 44 Prozent der Unternehmen bewerten deren Qualität mit "weniger befriedigend" oder sogar "schlecht". "Das geht mir auch zu langsam", gab Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners zu. "Für die meisten Unternehmen ist eine gute Breitbandversorgung für die reibungslose Abwicklung ihrer Geschäfte von grundlegender Bedeutung", sagte Steinmetz. "Die Stadt sollte sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass flächendeckend eine leistungsfähige Internetanbindung angeboten wird." Hochleistungsfähige Datenleitungen sind für die Betriebe sogar noch wichtiger als gute Autobahnen: Die befragten Unternehmen gaben an, dies sei der inzwischen mit Abstand wichtigste Standortfaktor geworden. "Ihre Anforderungen an die regionale Ausstattung mit Informations- und Kommunikationsinfrastruktur sind offenbar deutlich schneller gestiegen als die Qualität der verfügbaren Ausstattung", so das Urteil der IHK.

Grundsätzlich bewerten die Betriebe die harten Standortfaktoren gut. Das betrifft vor allem das Angebot unternehmensnaher Dienstleistungen, die Verkehrsanbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die Mieten und Pachten, das Image des Standortes (das sich deutlich verbessert hat), die Kundennähe und den Zustand der überörtlichen Straßen-infrastruktur. Schlechter kommen neben der IT-Infrastruktur die Energiekosten weg. Am schlechtesten bewertet wird das Themenfeld der kommunalen Kosten und Leistungen. "Die Unternehmen haben dieses als klare Standortschwäche identifiziert", so die Analyse der IHK, was allerdings auch keine Gladbacher Besonderheit ist. Dafür sind vor allem die Steuersätze verantwortlich, die deutlich schlechter bewertet wurden als 2012. Das Kostenbewusstsein der Kommunalverwaltung, die Höhe der Gebühren, die Kosten der Abfallbeseitigung sowie Wasser- und Abwassergebühren werden zwar insgesamt "nur" befriedigend bewertet, aber besser als 2012. Bemerkenswert ist auch, dass die Betriebe zwar einen deutlichen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften feststellen, aber die Bildungsinfrastruktur, also Schulen und Weiterbildungsangebote, als eine Stärke des Standortes einschätzen.

Mit den Leistungen durch die Stadtverwaltung (also etwa Kooperation der Ämter mit Betrieben, Bestandspflege, Erreichbarkeit von und Reaktionszeit bei Behörden) sind die Unternehmen relativ zufrieden, vor allem die Wirtschaftsförderung schneidet mit einer glatten "Zwei" gut ab, nur leicht darunter das Citymarketing. Ausnahme: Plan- und Genehmigungsverfahren. Die Qualitätsbewertung erreicht die Note 2,77, Unternehmen würden sich Genehmigungen also schneller als bisher wünschen. "Wenn eine Bauvoranfrage mehr als ein Jahr dauert, dann ist das eine Katastrophe", schimpfte Architekt Burkhard Schrammen. Aber: Das Stadtbild etwa (bei weichen Standortfaktoren) wird mit 2,41 deutlich besser bewertet als 2012 (2,74), ebenso wie Einkaufsmöglichkeiten, das Freizeitangebot und das kulturelle Angebot. Unterdurchschnittlich kommen das Parkplatzangebot, die innerstädtischen Verkehrsverhältnisse und das innerstädtische Straßennetz weg. "Die Unternehmen bewerten die Qualität der weichen Standortfaktoren in Mönchengladbach deutlich schlechter als dies im Durchschnitt des IHK-Bezirks der Fall ist", so die Analyse der IHK.

Quelle: RP
 
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