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Mönchengladbach
Wirtschaft wird den Brexit gut verkraften

Mönchengladbach. Die Konrad-Adenauer-Stiftung lud zu einer Veranstaltung über den britischen EU-Austritt und die Trump-Regierung ein. Von Angela Rietdorf

Der Brexit macht die Briten ärmer, trifft aber die deutsche Wirtschaft voraussichtlich nicht sehr hart. Trotzdem: Es falle ihm schwer, Vorteile im Brexit zu erkennen, erklärt Jürgen Steinmetz, Geschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein auf die Frage nach möglichen positiven Elementen im Austritt Großbritanniens aus der EU. Immerhin könne der Brexit den Anstoß zu einem europäischen Reformprozess geben, meint Paul Welfens, Wirtschaftswissenschaftler und Europa-Experte. Er hoffe auf einen neuen europäischen Aufschlag durch Merkel und Macron nach der Bundestagswahl.

Günter Krings, Parlamentarischer Staatssekretär und Mönchengladbacher Bundestagsabgeordneter, sieht zumindest die europaskeptische Fraktion im Europaparlament, die durch die Briten angeführt wurde, geschwächt. Das Franz-Meyers-Forum der Konrad-Adenauer-Stiftung beschäftigte sich mit den Folgen von Brexit und Trump-Regierung, Themen, die für gut besetzte Reihen im Konzertsaal des Mönchengladbacher Theaters sorgten.

Der Wuppertaler Wirtschaftswissenschaftler Welfens zeigte mögliche Entwicklungen auf. Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU werde zu einem Einkommensrückgang bei den Briten von zehn Prozent in einer Dekade führen, zitierte er eine Studie des britischen Finanzministeriums, die vor dem Brexit-Referendum angefertigt worden war. Allerdings waren diese Zahlen nicht an die Wähler weitergegeben worden. Merkwürdig, findet Welfens. Beim Schottland-Referendum habe man die finanziellen Auswirkungen benannt und den Wählern mitgeteilt. Am Modell Global Britain, also dem Abschluss von Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und vielen anderen Ländern, zweifelt der Wirtschaftswissenschaftler. "Das wird mit den USA funktionieren und mit Japan, mit China und Indien eher nicht", sagt Welfens. Schon weil beispielsweise die Inder im Gegenzug Visaerleichterungen erwarteten.

"Wir müssen den Multilateralismus verteidigen", meint der Referent auch mit Blick auf die USA unter Präsident Trump, der lieber mit einzelnen Staaten als mit Gemeinschaften wie der EU verhandelt. Die USA und die EU haben gemeinsame Interessen China gegenüber, sagt Welfens, die gelte es gemeinsam zu vertreten. Jürgen Steinmetz als Vertreter der IHK Mittlerer Niederrhein hob die Bedeutung der USA und Großbritanniens für die regionale Wirtschaft hervor. Beide seien unter den Top 10 der Handelspartner und der Investoren. "Die Wirtschaft betrachtet die Entwicklung nicht ohne Sorge, aber im Moment unbeeindruckt", fasst er die Stimmung am Niederrhein zusammen. Es gelte, den Nutzen der EU stärker ins Bewusstsein zu heben. "Wir haben ein Zehn-Punkte-Programm Europa erstellt", sagt Steinmetz, "und besuchen beispielsweise mit Mitgliedsunternehmen Brüssel".

Dass es einer neuen Offensive für Europa bedarf, darin sind sich alle einig. Dass das in Zeiten von Informationsblasen und Echokammern im Internet nicht so ganz einfach ist, ist auch Konsens. Immerhin: "Die deutsche Gesellschaft ist nicht so tief gespalten wie die britische und amerikanische", meint Günter Krings. "Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist größer."

Quelle: RP
 
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