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Serie Meine Ausbildung (11)
Wo andere rauslaufen, gehen sie rein

Serie Meine Ausbildung (11): Wo andere rauslaufen, gehen sie rein
Nils ist Praktikant bei der Berufsfeuerwehr. Dort bekommt er erste Einblicke in die höchst komplexe Ausbildung. RP-Foto: Detlef Ilgner FOTO: Isenburg
Mönchengladbach. Feuerwehrleute retten Leben und helfen in größter Not. Weil es im Ernstfall um Leben und Tod geht, ist die Ausbildung höchst komplex und dauert recht lange. Deshalb arbeitet die Feuerwehr derzeit an einer Neukonzeption des Ausbildungsberufs. Von Christian Lingen

Eigentlich will keiner etwas mit ihnen zu tun haben. Wenn sie kommen, ist meist etwas Schlimmes passiert, und es geht um Leben und Tod. 330 Florianer gibt es bei der Berufsfeuerwehr. Hinzu kommen 500 Ehrenamtler bei der Freiwilligen Feuerwehr. Nils Isenburg ist derzeit Praktikant bei der Feuerwehr. Er bekommt erste Einblicke in die komplexe Ausbildung. Um sie zu vereinfachen, arbeitet die Feuerwehr mit Hochdruck an der Neukonzeption.

Der Betrieb Seit 1901 gibt es in Gladbach die Berufsfeuerwehr. Ihr Ursprung waren Turnvereine und Zusammenschlüsse von Handwerksbetrieben. Die Historie macht sich noch heute bemerkbar, denn ein Feuerwehrmann muss Kenntnisse in einem Handwerksberuf haben. Die körperliche Belastung bei Einsätzen ist hoch. Kraft und Kondition sind Grundvoraussetzungen. Die Gladbacher Berufsfeuerwehr hat drei Feuerwachen und eine zusätzliche Rettungswache. So ist gewährleistet, dass die Retter in allen Stadtteilen in der vorgeschriebenen Zeit den Einsatzort erreichen.

Die Bewerbung Wer sich bei der Feuerwehr bewirbt, sollte gewisse Grundvoraussetzungen mitbringen. Dazu gehören Teamfähigkeit, Loyalität und eine Portion Idealismus. Kenntnisse in Chemie und Physik sind von Vorteil. Die aktuelle Ausbildung sieht vor, dass die Bewerber eine abgeschlossene Ausbildung in einem Handwerksberuf mitbringen müssen. Dazu gehören Bau-, Elektro- und Kraftfahrzeugberufe sowie Tischler, Schneider und Schuhmacher. Ein Führerschein Klasse B und die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates müssen vorhanden sein. Das neue Ausbildungsformat, das gerade entwickelt wird, sieht vor, dass die Bewerber nach ihrem Schulabschluss mit der Ausbildung bei der Feuerwehr beginnen können. Handwerkliche Kenntnisse sollen künftig während der Ausbildung vermittelt werden.

Die Ausbildung Wer bei der Feuerwehr arbeitet, wird verbeamtet. Deshalb gibt es zwei Ausbildungen, nämlich im mittleren und gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst. Zunächst muss ein Eignungstest absolviert werden. Er besteht aus Sportprüfung, schriftlicher Prüfung und persönlichem Gespräch. Außerdem müssen die Bewerber auf der Drehleiter ihre Schwindelfreiheit beweisen. Aktuell dauert die reine Feuerwehrausbildung 18 Monate. Die Ausbildung ist jedoch gestaffelt. Zunächst ist eine dreijährige Berufsausbildung in einem Handwerksberuf Voraussetzung. Beim Einstieg nach der Berufsausbildung folgen eine 18-monatige Feuerwehrausbildung und eine Sanitäterausbildung. Nach dem neuen Notfallsanitätergesetz kann gerade die medizinische Ausbildung bis zu drei Jahre dauern. Aus diesem Grund sollen in Zukunft die drei Jahre Handwerksausbildung als Einstellungsvoraussetzung wegfallen. "Wie sich das künftig gestalten wird, muss man abwarten. Wir können auf die Handwerksberufe nicht verzichten. Sie sind am Einsatzort wichtig. Wir müssen versuchen, die handwerklichen Kenntnisse zu integrieren", sagt Feuerwehrchef Jörg Lampe. Genau das stellt die Feuerwehr derzeit vor Probleme, denn ein genaues Konzept gibt es noch nicht. Lediglich in Düsseldorf läuft bereits eine neu konzipierte Ausbildung als Pilotprojekt. Künftig könnte also die geplante 18 Monate dauernde Feuerwehrausbildung mit integrierter, 3 Jahre dauernden Notfallsanitäterausbildung um eine 2,5 Jahre dauernde Handwerksausbildung bei der Feuerwehr erweitert werden und dann insgesamt sieben Jahre dauern. Fest steht indes, dass die Ausbildung künftig bereits nach dem Schulabschluss beginnt.

Die Berufsschule Unterricht in einer Berufsschule im klassischen Sinne gibt es bei der Feuerwehr nicht. Sie unterhält stattdessen die Feuerwehr-Akademie Niederrhein. Dort durchlaufen die Azubis mehrere Lehrgänge, die insgesamt fünf Monate dauern.

Die Zukunft Azubis werden in der Regel übernommen, da es immer nur so viele von ihnen gibt, wie benötigt werden. Da es Feuer und andere Notfälle immer geben wird, hat der Beruf Zukunft. Zudem werden Feuerwehrleute verbeamtet und haben somit sichere Jobs. Hinzu kommen gute Aufstiegsmöglichkeiten.

Quelle: RP
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