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Mönchengladbach
Wo in Gladbach das Gold wächst

Mönchengladbach: Wo in Gladbach das Gold wächst
Der Biobauer und sein ganzer Stolz: Reiner Brungs erntet auf seinem Gladbacher Hof Safran. Das erfordert mühevolle Kleinarbeit. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Für Biobauer Reiner Brungs war es ein Experiment, das er im Sommer startete - jetzt erntet er Safran, das teuerste Gewürz der Welt. Von Nicole Scharfetter

Eigentlich ist Reiner Brungs ein Mann fürs Grobe. Der fast zwei Meter große Biobauer weiß, wie er zupacken muss. Täglich schleppt er schwere Kisten mit Kartoffeln und Gurken vom Feld in den Bioladen. An manchen Tagen aber wünscht sich Brungs, er hätte zierlichere Hände und die Geduld für filigrane Arbeiten. Denn die braucht er jetzt mehr denn je. Weil Reiner Brungs gerade Safran erntet.

Angefangen hatte alles mit einem Zeitungsartikel: "Irgendwo in Österreich wurde auf 1400 Metern Safran angebaut", erzählt er. "Ich dachte: ,Was die können, kann ich in Gladbach schon lang.'" Bei einem Züchter in Holland kaufte Reiner Brungs 300 Knollen - die etwa acht Zentimeter großen Pflanzen setzte er im August ein. Und dann: passierte erstmal nichts. Gaaaar nichts. Reiner Brungs fuhr in den Urlaub, hatte sein Experiment schon fast vergessen, bis sein Sohn anrief und sagte, dass sich auf dem Feld etwas tun würde. Über Nacht sprossen die zarten, lilafarbenen Krokusse, die das teuerste Gewürz der Welt tragen.

Seit Brungs zurück ist, dreht sich bei ihm fast alles nur noch um Safran. Viel Zeit für Theorie hatte er nicht mehr, er fing einfach an mit der Ernte. Normalerweise müssten die feinen, roten Fäden morgens direkt auf dem Feld aus der Krokusblüte gelöst werden. "Dafür sollten die Pflanzen allerdings trocken sein", erklärt er. Trocken sind die Felder in Gladbach im Herbst allerdings selten. Weil Not bekanntlich erfinderisch macht, pflückte der Bauer in den letzten Tagen kurzerhand die Blüten - die er übrigens im Bioladen als Deko verteilt - und erntete den Safran in mühevoller Kleinarbeit. "Wir haben zu dritt an einem Abend eine Stunde lang gepult", sagt Brungs. Manchmal wurden die wertvollen, roten Fädchen, die der spanischen Paella die typisch safran-gelbe Farbe verleihen, mit der Pinzette vom Boden aufgelesen. Weitere Abende sollten folgen.

Das Ergebnis: irgendwie ernüchternd. "Von elf Gramm Frischfäden sind nach dem Trocknen nur zwei Gramm übrig geblieben", sagt Reiner Brungs ein bisschen enttäuscht. Für die Katz war die Arbeit allerdings nicht. Der Biobauer will den Safran bald im Laden an der Venner Straße verkaufen. Über Verpackung und Preis hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Zu sehr war er bisher mit der Pulerei beschäftigt. Zum Spottpreis gibt es das teuerste Gewürz bei Reiner Brungs allerdings nicht, so viel steht fest. Bei dem ganzen Aufwand, den die Familie betrieben hat.

Für ein Gramm Safran bezahlt man mindestens acht Euro - und dieses Angebot gehört noch zu den günstigen. Auf dem Markt zum Beispiel gibt es schon mal Händler, die das Gewürz zu einem solch niedrigen Preis verkaufen. Nach oben hin sind fast keine Grenzen gesetzt. Im Supermarkt kosten schon 0,1 Gramm gute drei Euro. Übrigens: Wer meint, im Urlaub ein Schnäppchen gemacht zu haben - für 100 Gramm vielleicht fünf Euro bezahlt hat - der wurde eindeutig über den Tisch gezogen und hat vermutlich Färbedistel oder Kurkuma mitgebracht.

Zugegeben: Reich wird Brungs sicher nicht mit dem Safran. Im besten Fall erntet er in dieser Saison 9000 Fäden - immer drei pro Blüte. "Für mich ist es ein Hobby", sagt er. Dafür, meint der frischgebackene Safran-Experte, halten sich die Knollen gute fünf Jahre am gleichen Ort, bevor sie umgepflanzt werden müssen. Und besonders pflegeintensiv seien die Krokusse auch nicht. "Bevor sie im Herbst blühen, kann ich einfach mit dem Mäher drüber." Da hatte Brungs es mit dem Mohn, den er Mitte der 80er anbaute, viel schwerer. Damals sei die Polizei gekommen, um die Parzelle abzunehmen, einmal in der Woche kontrollierte eine Apothekerin, ob etwas aus dem Bestand fehlt. "Und ich hatte die Auflage, rundherum Mais zu pflanzen, damit niemand den Mohn entdeckt", sagt Brungs. Ein Opiat eben.

Abgeschreckt hat ihn der Aufwand aber nie, wie das Beispiel Safran zeigt. Und für 2016 hat Brungs schon neue Pläne. Dann nämlich soll auf seinen Feldern die ostfriesische Palme wachsen - eine Grünkohlsorte, die 1,50 Meter hoch wird.

Quelle: RP
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