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Mönchengladbach
Wo Kinder sich geborgen fühlen

Mönchengladbach: Wo Kinder sich geborgen fühlen
Eine Familie mit Hund, ein Haus mit Garten und jede Menge Schmetterlinge: So sieht ein perfektes Zuhause aus, wie es sich Kinder vorstellen. Beim SkF haben Mädchen und Jungen ihre Wünsche gemalt. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. In den Kinder- und Jugendeinrichtungen des SkF malen Kinder anlässlich des Weltkindertages, was für sie Zuhause bedeutet. Es sind bunte, fröhliche Bilder darunter. Und Bilder, die nachdenklich machen. Von Angela Rietdorf

Für Jacob bedeutet zu Hause zu sein, ein Bett zu haben. Auch Ana malt ein Bett, Kissen und einen Kuschelhasen. Alexander hat ein Haus, einen Jungen mit Fußball und die Deutschlandfahne gemalt. Einige Kinder haben ein Haus gebastelt, in dem viele, viele Teddybären sitzen. Andere haben ein Traumhaus gezeichnet mit einer Familie aus Vater, Mutter, Kinder, mit Hund und Katze und - wieder - einem Kuschelbett mit Teddy. In allen Einrichtungen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Mönchengladbach haben Kinder zum Weltkindertag dargestellt, was sie sich unter einem Zuhause vorstellen.

Es sind bunte, fröhliche Bilder. Und es sind Bilder, die berühren, weil das, was die Kinder malen, keineswegs für alle der Normalzustand ist. Gemalt haben auch Kinder, die mit ihren Müttern vor häuslicher Gewalt ins Frauenhaus geflüchtet sind. Oder die nicht zu Hause leben können, weil ihre Eltern drogen- oder alkoholabhängig sind. Oder die allein nach Deutschland geflüchtet sind. Sie alle finden Platz in den Einrichtungen des SkF in Mönchengladbach.

Der Sozialdienst katholischer Frauen hat sich in Mönchengladbach die Hilfe für Frauen, Kinder und Familien zum Ziel gesetzt. "Das Motto des SkF lautet "Da sein, Leben helfen". "Das trifft unsere Motivation und Zielsetzung gut", sagt Birgit Kaatz, die Geschäftsführerin. Neben Beratungsstellen, einem Frauenhaus, einer Kita, ambulant betreutem Wohnen und einer Adoptionsvermittlung betreibt der SkF auch eine stationäre Jugendeinrichtung, das Jugendhaus am Steinberg, ein manchmal vorübergehendes, manchmal recht dauerhaftes Zuhause für rund hundert Kinder und Jugendliche zwischen sechs und siebzehn Jahren. Es sind junge Menschen, die nicht in ihrer Familie bleiben können, weil ihre Eltern überfordert sind, sie mit Gewalt oder Missbrauch konfrontiert werden oder sie Vernachlässigung und Mangel ausgesetzt sind. Diese Kinder, die das Jugendamt aus ihrer Familie herausnimmt, leben in Gruppen zu zehnt zusammen, betreut von fünf Erziehern oder Pädagogen.

"Diese Kinder und Jugendlichen kommen mit einem dicken Paket auf dem Rücken zu uns", sagt Notburga Gripekoven, die ehrenamtliche Vorsitzende. "Sie müssen lernen, damit umzugehen. Damit sie das können, muss ihre Seele gestreichelt werden." Sie brauchen viel individuelle Betreuung und Zuwendung. Lösungen für Probleme müssen gefunden, Verhaltensweisen geändert, Regeln eingehalten werden. "Die Mitarbeiter brauchen einen weiten Blick", sagt die Vorsitzende. Und auch die Herkunftsfamilie muss, wenn möglich, in die Arbeit eingebunden werden, denn - egal, was sie erlebt haben - Kinder wollen ihre Eltern lieben. Manchmal können die Kinder in ihre Familie zurückkehren, oft bleiben sie länger, lernen Selbstständigkeit und ziehen in eigene Wohnungen.

Seit knapp zwei Monaten leben auch sechs unbegleitete jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien in einer Wohngruppe zusammen. Das funktioniert ziemlich reibungslos. "Die sprachliche Verständigung klappt schon ganz gut, und der Umgang der Jugendlichen untereinander ist sehr sorgsam und respektvoll", sagt Birgit Kaatz. Auch der Kontakt zu den anderen Kindern und Jugendlichen im Haus ist da. "Die jungen Afghanen und Syrer sind offen und wissbegierig", sagt die Geschäftsführerin.

Die Finanzierung der Jugendeinrichtung läuft über eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt, aber der SkF freut sich im Bereich der Jugendarbeit auch über Spenden, beispielsweise um Freizeitangebote in den Ferien oder Weihnachtsgeschenke zu finanzieren. "Die Jugendlichen fahren in den Sommerferien eine Woche weg, in die Eifel oder an die Nordsee", sagt Birgit Kaatz, "aber in den restlichen fünf Wochen muss es auch mal ein Angebot geben, etwa einen Ausflug in die Blaue Lagune." Die Kosten dafür werden in der Regel über Spenden bestritten.

Quelle: RP
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