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Mönchengladbach
Wohnen auf dem Sportplatz Preyerstraße

Mönchengladbach: Wohnen auf dem Sportplatz Preyerstraße
Die Sportanlage an der Preyerstraße ist in einem schlechten Zustand und soll einem Wohngebiet weichen. Auf dem Foto zeigen Horst Schnitzler (links.) und Joachim Roeske (Mitte) Viktoria Rheydts Jugendleiter Selcuk Akyol die Pläne für einen Sportplatz-Neubau. FOTO: Weber
Mönchengladbach. Am Ende könnten viele profitieren: Die EWMG realisiert auf 45.000 Quadratmetern ein neues Wohngebiet. Der Verein Viktoria Rheydt bekommt eine moderne Sportanlage. Und rund 70 Bauwillige erfüllen sich ihren Traum vom Eigenheim. Von Dieter Weber

Auf der staubigen und verkrauteten Aschenbahn läuft einsam eine Frau - Runde für Runde. Den daneben liegenden Naturrasenplatz darf sie nicht betreten: Ihn hat die Stadt gesperrt. Der Tennenplatz wirkt dagegen in der Mittagssonne mit der Pongser Kirche im Hintergrund und dem Kinderlachen von der benachbarten Kita geradezu idyllisch. Eine Top-Sportanlage ist das zwar nicht. Aber immerhin.

Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Selcuk Akyol, Jugendleiter von Viktoria Rheydt, kennt die Schattenseiten. Und die erlebt er immer wieder, wenn ein Wolkenbruch herniedergeht oder wenn es im Winter nach einem Regenguss friert. "Dann", sagt er, "ist hier ein Training nicht möglich. Die Drainage des Tennenplatzes nimmt das Wasser nicht auf. Und auf dem Rasenplatz können wir abends nicht spielen, weil er kein Fluchtlicht hat." Die Sportplanung der Stadt sieht für die Platzanlage im Rheydter Westen einen Kunstrasen vor - Viktoria Rheydt müsste sich daran, so ist es Usus, finanziell beteiligen.

Doch inzwischen gibt es ein ganz anderes Modell, und dafür haben die beiden Bezirkspolitiker Joachim Roeske (CDU) und Horst Schnitzler (SPD) mit ihren Fraktionen gesorgt: Sie wollen aus dem Sportgelände an der Preyerstraße ein Wohngebiet für 60 bis 70 Häuser machen und Viktoria Rheydt zu einer neuen Heimstatt ein paar hundert Meter weiter unmittelbar am Rheydter Friedhof verhelfen. Ihr Vorschlag passierte bereits die Bezirksvertretung Süd und hat nicht nur Charme, sondern auch einen realen Hintergrund. Denn sowohl das alte und das mögliche neue Sportplatzgelände am Friedhof gehören der Stadt oder deren Tochter EWMG. Und letztere sucht händeringend innerstädtische Grundstücke, die sich für eine Bebauung eignen.

Bei Viktoria Rheydt - der Verein hat sieben Jugend- und zwei Seniorenmannschaften - rennen Roeske und Schnitzler mit ihrem Vorschlag offene Türen ein. Und auch die Anwohner der Sportanlage an der Preyeranlage scheinen nicht abgeneigt zu sein. "Wir haben erste Gespräche geführt. Und die waren sehr positiv. Die Anwohner leiden hier unter dem Parkdruck, der durch den Sportbetrieb entsteht. Am Friedhof stört das niemanden. Im Gegenteil: Da haben wir ganz andere Möglichkeiten", sagt Roeske.

Die Fakten sehen so aus: Das Sportplatzgelände ist rund 45.000 Quadratmeter groß, abzüglich der Verkehrsfläche sollten für Wohnen 33.000 Quadratmeter übrigbleiben. Bei Richtpreisen von über 200 Euro pro Quadratmeter Bauland müsste die EWMG deutlich mehr als sechs Millionen Euro erlösen können. Auch wenn eine neue Sportanlage mehr als eine Million Euro kosten würde, könnte die Stadttochter noch kräftig verdienen. "Und wir erfüllen damit auch noch die Anforderung, kein zusätzliches Bauland in Außenbezirken auszuweisen, sondern bleiben in den städtischen Strukturen", sagt Schnitzler.

Die Infrastruktur ist gut, kann mit dem Vorhaben aber sogar verbessert werden. Eine Grundschule und ein Kindergarten sind in der Nähe, eine weitere Kita soll gebaut werden. In den Sportplatz-Neubau soll ein großer Parkplatz integriert werden, den auch Besucher des Friedhofs und der Kirche nutzen können. Auch wenn die alte Sportanlage verschwinden sollte, eines bleibt auf jeden Fall: die prächtige Baumreihe entlang der Preyerstraße.

Quelle: RP
 
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