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Mönchengladbach
Wohnen auf Probe

Mönchengladbach: Wohnen auf Probe
Initiatoren und Bewohner freuen sich über das gelungene Projekt: Margot Heinke-Becker, KokoBe Mönchengladbach, Nina Pipers, St.-Josefs-Haus, Horst Peter Weber, Jenny Cantania, Mandeep Ghotra, Christopher Micha, KoKoBe Mönchengladbach/Rheydt, Anne Münch, Förderschule Dahlener Straße, und Tanja Osmanovic, Betreuerin (von rechts). FOTO: Baches
Mönchengladbach. Die KoKoBe in Mönchengladbach berät Menschen mit Lernschwierigkeiten und mehrfachen Behinderungen, wenn sie von zu Hause oder dem Wohnheim ausziehen möchten. Dazu hat sie ein Projekt ins Leben gerufen. Von Eva Baches

Die Räume der Wohnung sind hell und mit allem ausgestattet, was man zum Wohlfühlen braucht. Drei geräumige Zimmer, zwei Bäder und eine Küche - und all das mitten in der Rheydter City. Jetzt hat sie wieder einen neuen Bewohner. Horst Peter Weber. Er arbeitet in einer Werkstatt der Evangelischen Stiftung Hephata und wohnt eigentlich in einer Wohngemeinschaft des St.-Josefs-Hauses. Doch er wollte einmal wissen, wie es ist, alleine zu wohnen, und ob es eine Wohnform ist, mit der er zurechtkommt.

"Ich habe von einer Freundin von dem Probewohnen erfahren", erzählt er. Zusammen mit seiner Betreuerin, Nina Pipers hat er dann seinen individuellen Hilfeplan erstellt, indem festgehalten wird, bei welchen Dingen er noch Unterstützung benötigt und wie oft die Betreuerin ihn in seiner Wohnung besuchen wird. 2009 startete die KoKoBe (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratung) zusammen Vertretern der Werkstätten, dem Landesverband und den Förderschulen das Projekt. "Wir suchten nach einer Möglichkeit, wie man das betreute Wohnen fördern und anschaulich machen kann", sagt Christopher Micha von der KoKoBe Mönchengladbach, Standort Rheydt.

Horst Peter Weber hat sich inzwischen in der Wohnung eingelebt und kommt gut mit den alltäglichen Aufgaben zurecht. "Das Gefühl ist schön", sagt er und lacht. In dieser Zeit hat er viel an Selbstständigkeit dazu gewonnen. "Auch mit dem Putzen klappt es gut. Ich ruhe mich erst etwas aus und dann putze ich", ergänzt er. In seiner Freizeit ist er viel unterwegs, geht zum Sport oder besucht Freunde in der Stadt, alles mit dem Bus und komplett eigenständig. Er kann sich nach seiner Zeit in der Probewohnung gut vorstellen, die Gemeinschaft zu verlassen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Jenny Cantania und Mandeep Ghotra besuchen die Förderschule an der Dahlener Straße und haben das Probewohnen als Wohngemeinschaft für sich getestet. "Mein Bruder hat das auch schon einmal ausprobiert und ich wollte das auch", erzählt Jenny. Mandeep ist bereits in einem betreuten Wohnprojekt. Jenny wohnt noch bei ihren Eltern. "Wir haben zusammen überlegt, ob es etwas für mich ist, und ich fand es von Anfang an gut", erzählt er. "Ich habe es unterstützt. Mein Ziel als Berufsbetreuer ist es, meinen Schützlingen bei der Verselbstständigung zu helfen", betont Tanja Osmanovic. Sie ist die gesetzliche Betreuerin von Jenny Catania. Am Anfang mussten die beiden einige Absprachen treffen, die zum WG-Leben dazugehören: Wer putzt wann was? Wer geht einkaufen? Wie machen wir das mit dem Haushaltsgeld? Sie haben sich gut arrangiert. "Wir hatten eine gemeinsame Kasse", erzählt Jenny, und Mandeep ergänzt: "Freitags sind wir dann zusammen einkaufen gegangen." Beide sind stolz, dass sie die Zeit, neben der Schule und Praktikum, so gut gemeistert haben. "Ich mache jetzt mehr zu Hause als vorher", erzählt Mandeep. Nina Pipers ist von dem Projekt überzeugt: "Es ist ein erfolgreiches Arbeiten. Es ist schön zu sehen, welche Fortschritte nach der Zeit entstanden sind."

Quelle: RP
 
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