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Mönchengladbach
Wohnungen für 40 Flüchtlinge gesucht

Mönchengladbach: Wohnungen für 40 Flüchtlinge gesucht
Sie suchen preiswerten Wohnraum für Flüchtlinge (v.l.) in der Stadt: Michael Postel, Edith Schlösser und Ahmed M., der für die kleine Gruppe von Ehrenamtlichen dolmetscht. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Es gibt immer weniger preiswerte Wohnungen, in die Flüchtlinge ziehen können. Und auch die Skepsis bei Vermietern wächst. Ehrenamtler helfen bei der Wohnungssuche und bitten Vermieter: "Lernen Sie die Menschen doch erst kennen." Von Angela Rietdorf

"Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert", sagt Michael Postel. "Zu Beginn haben wir immer etliche Besichtigungstermine bekommen und konnten mit den Vermietern reden." Inzwischen aber bekomme er bei 14 Anrufen 14 Ablehnungen. Viele Vermieter wollten keine Flüchtlinge. Wie aber soll dann Integration gelingen?

Michael Postel gehört zu einer kleinen Gruppe von ehrenamtlichen Helfern, die Flüchtlinge in der Unterkunft auf der Krallschen Wiese betreuen. Er und seine Mitstreiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Wohnungen für die Neuankömmlinge zu suchen. Bei etwa zwanzig Familien und Einzelpersonen aus Syrien waren die Ehrenamtler schon erfolgreich. Aber sie stoßen auf wachsende Schwierigkeiten. Zum einen, weil nicht mehr so viele passende Wohnungen auf dem Markt sind. "Es gibt einfach zu wenig billigen Wohnraum", stellt Postel fest. Zum anderen nehmen die Vorbehalte der Vermieter anscheinend zu. "Es wird zum Teil sehr abwertend mit den Menschen umgegangen", meint der Helfer. Dabei hat er Verständnis dafür, dass sich die Eigentümer ihre Mieter gut aussuchen. "Ich bin selbst Eigentümer, und ich kann eine gewisse Sorge nachvollziehen", sagt er. Zumal es ja nicht leicht ist, einen Mieter wieder loszuwerden, wenn es tatsächlich Schwierigkeiten gibt. Was Postel und die anderen ehrenamtlichen Helfer aber stört, ist die Weigerung, die potenziellen Mieter bei einem Besichtigungstermin wenigstens kennenzulernen. "Ich habe schon erlebt, dass jemand große Vorbehalte hatte, dann den potenziellen Mieter kennengelernt hat und ihn sehr sympathisch fand", erzählt er. Begegnung hilft gegen Angst, aber man muss die Begegnung eben zulassen. Edith Schlösser, ebenfalls in der ehrenamtlichen Wohnungsvermittlung aktiv, kann sich dieser Meinung nur anschließen. "Mehr Kontakt würde die Hemmschwelle senken", sagt sie. Natürlich könne eine Gruppe junger arabischer Männer bedrohlich wirken. "Sie sind auch oft sehr ernst", weiß sie. Wenn sie sie auf Behördengängen begleitet, rät sie ihnen schon mal, mehr zu lächeln.

Ahmed M. brauchte sie diesen Rat vermutlich nicht zu erteilen. Der 40-jährige Bauingenieur aus Damaskus ist ein offener freundlicher Mann, der viel lächelt. Er ist seit etwas mehr als einem Jahr in Deutschland und spricht schon erstaunlich gut Deutsch. So gut, dass er sogar dolmetscht, wenn nötig. Er weiß, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist und rät seinen Landsleuten zum Lernen. Momentan wohnt er mit drei weiteren Männern in einer städtischen Wohnung, aber er hofft, dass seine Frau und seine drei Kinder bald zu ihm nach Deutschland kommen können. Dann wird auch er auf Wohnungssuche gehen müssen.

Unterstützt von den ehrenamtlichen Helfern, denen die Arbeit so schnell nicht ausgeht. Vierzig weitere Flüchtlinge stehen auf ihrer Liste, Menschen, für die sie eine Wohnung suchen. "Es wäre schön", sagt Michael Postel, "wenn die Vermieter die Wohnungssuchenden wenigstens zur Besichtigung einladen würden, um sie kennenzulernen." Ablehnen können sie hinterher immer noch, so wie bei jedem anderen, der eine Wohnung sucht in Mönchengladbach.

Quelle: RP
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