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Mönchengladbach
Zalandos großes Chaos mit System

Mönchengladbach: Zalandos großes Chaos mit System
Förderbänder und orangefarbene Plastikwannen, so weit das Auge reicht. Ein Rundgang durch die Logistik bei Zalando ist beeindruckend. FOTO: Zalando
Mönchengladbach. Beim "Tag der Logistik" durften Besucher hinter die Kulissen des Versandhändlers schauen. Das gigantische Lager beeindruckte sie am meisten. Außerdem lernten sie, dass Schweden Paketboten nicht mögen und Italiener lieber bar zahlen. Von Laura Schameitat

Zu Hause hat alles seinen Platz: Schuhe stehen im Schuhschrank, Kleider hängen im Kleiderschrank und Jacken an der Garderobe. Für Unterwäsche gibt es eine extra Schublade, für Socken auch. Und bei Zalando? Da steht alles durcheinander. In dem gigantischen Lager des Versandhändlers in Güdderath stehen Winterschuhe neben Sandalen, Adidas-Schuhe neben Nike-Schuhen, daneben lagern gleich die Boxershorts und Socken.

Zalando schafft in Mönchengladbach 1000 neue Jobs FOTO: Ilgner, Goodman (2)

Die rund 40 Besucher, die am Donnerstag beim "Tag der Logistik" einen Blick hinter die Kulissen der Zalando-Logistik werfen durften, hat dieser Umstand wohl am meisten erstaunt. "Chaotische Lagerung" nennen die Mitarbeiter bei Zalando dieses System, das nur auf den ersten Blick chaotisch, auf den zweiten allerdings ziemlich ausgeklügelt erscheint. Auf vier Etagen stehen so rund 4,5 Millionen Artikel völlig unsortiert in riesigen Regalen.

Beim Wareneingang bekommt jeder Artikel einen Barcode aufgeklebt. Anschließend wird er von den Mitarbeitern im Bereich "Stow" (englisch für "Verstauen") irgendwo einsortiert, wo gerade Platz ist. Auf dem Regal vorne klebt wiederum ein Code, den der Mitarbeiter einscannt. Damit sind das Produkt und der Lagerplatz im System verknüpft und der Artikel ist jederzeit auffindbar.

Schickt ein Kunde eine Bestellung ab, holen sich die Mitarbeiter aus der Abteilung "Pick" (englisch für "Pflücken") auf dem Förderband eine große Plastikwanne ab, scannen den Aufkleber auf der Wanne und bekommen dann auf einem kleinen Gerät angezeigt, wo sie die Ware finden, die zu der Bestellung gehört. Das System ist sogar so programmiert, dass es dem Mitarbeiter den idealen Laufweg anzeigt, auf dem er in kürzester Zeit alle Waren einsammeln kann.

Reporterin filmt bei Zalando mit versteckter Kamera FOTO: Screenshot

Vom Lager gehen die orangenen Wannen dann auf einem Förderband in den Packbereich. Da in einer Wanne oft Artikel für mehrere Bestellungen zusammengefasst sind, wird die Kleidung von anderen Mitarbeitern auf einzelne Bestellungen aufgeteilt. Dazu nutzen die Mitarbeiter sogenannte "Bookshelves" (zu deutsch: Bücherregale)auf Rollen, in denen je ein Fach einer Kundenbestellung entspricht. Diese Regale holen sich wiederum andere Mitarbeiter, verpacken die Ware in Kartons und schicken sie per Förderband zur nächsten Station, wo Hochleistungsdrucker innerhalb von Zehntelsekunden die Adresse auf den Karton kleben.

Dann geht das Paket in den Versand. Mehrere Millionen Pakete verschickt Zalando pro Monat - und bekommt vierzig bis fünfzig Prozent davon wieder zurück. 100 Tage kostenfreies Rückgaberecht hat der Kunde und macht davon gerne Gebrauch. Dabei gibt es allerdings interessante Mentalitätsunterschiede. "Die Deutschen sind die fleißigsten Retournierer", erzählt eine Zalando-Mitarbeiterin. Dagegen sei es den Südeuropäern eher fremd, Ware wieder zurückzuschicken. In Italien war man es gewohnt, Paketlieferungen bar an der Haustür zu bezahlen. "Das haben wir den Italienern erstmal abgewöhnen müssen", berichtet die Zalando-Mitarbeiterin. Für die Schweden sei es dagegen befremdlich, dass ein Paketzusteller bis an die Tür kommt. Die Werbespots mussten daher für die Ausstrahlung in Schweden extra abgeändert werden.

Was zurückkommt, wird genau gesichtet und dann - je nach Zustand - wieder verkauft oder aber vernichtet. Der Stoff wird dann von anderen Firmen recycelt. So wird aus dem einen oder anderen teuren Anzug am Ende ein Putzlappen.

Quelle: RP
 
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