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Mönchengladbach
Zarah Leanders Nachfolgerin

Mönchengladbach: Zarah Leanders Nachfolgerin
Eine kraftvolle Stimme: Birgit Breidenbach beim Auftritt im Schlosskonzert. Am Flügel Peter von Wienhardt FOTO: Knappe
Mönchengladbach. Birgit Breidenbach ist eine von wenigen, die das Fach Kontra-Alt beherrschen. "Eine solche Stimme hat man noch nie gehört." Das war die vorherrschende Meinung des Publikums beim fünften Schlosskonzert im ausverkauften Rittersaal des Rheydter Schlosses. Von Heide Oehmen

Birgit Breidenbach heißt die Sängerin, deren Kontra-Alt etwa eine Oktave tiefer reicht als die tiefe Lage einer "normalen" Altstimme. Die Professoren Peter Witsch, Aldo Baldin und Peter Ziethen sowie die Sängerin Anna Reynolds haben Breidenbach die Wege gewiesen und ihr perfekte Technik und sicheren Ausgleich der Lagen vermittelt.

Für Lieder nach Texten von Bert Brecht von Franz Bruinier und Kurt Weill ist diese Ausnahmestimme optimal geeignet, auch "Over the Rainbow" wurde zu einem der umjubelten Highlights an diesem kurzweiligen Abend - und das nicht zuletzt auch wegen der einnehmenden Gestaltungskunst der Sängerin.

George Gershwins "Summertime" fehlte dagegen ein wenig die rechte, nämlich vor Hitze flirrende Stimmung, und auch die Lieder von Richard Strauss zu Beginn des Programms erschienen in dieser ungewohnt tiefen Stimmlage seltsam verfremdet.

Die Zuhörer warteten vor allem gespannt auf die Lieder, die einst Zarah Leander berühmt machten, als deren "einzige legitime Nachfolgerin" sich Birgit Breidenbach selbst empfindet. Für "Nur nicht aus Liebe weinen", "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" oder "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" hat die Kontraaltistin stimmlich beste Voraussetzungen, doch im Gegensatz zu ihrem Vorbild singt sie diese Lieder viel zu edel.

Das Raue und Verrauchte, immer hart an der Grenze zum Ordinären, fehlt völlig. Das lässt sich im Vergleich beurteilen, wenn man - wie es der Rezensentin vergönnt war - die Leander anlässlich einer ihrer Abschiedstourneen Anfang der 1970er-Jahre in der Rheydter Stadthalle noch live erleben durfte.

Ein ganz großes Lob gilt dem Pianisten Peter von Wienhardt, der brillant und jeder Stilrichtung souverän gewachsen begleitete. Er glänzte auch in der Klavierfassung der "Rhapsodie Espagnole" op. 70 des Liszt-Schülers Isaac Albéniz und mit dem "Warschauer Konzert" von Richard Addinsell (1904-77). Die enormen Schwierigkeiten dieser Solowerke schienen dem international gefragten Ungarn keine Probleme zu bereiten. - Der begeisterte Schlussapplaus bewog das Duo zu einer kapriziösen Zugabe.

Quelle: RP
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