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Mönchengladbach
Zirkus wehrt sich gegen rabiate Tierschützer

Mönchengladbach: Zirkus wehrt sich gegen rabiate Tierschützer
Neben Dromedaren treten im Zirkus Altoff Köllner auch noch Pferde, Ponys, Ziegen und Lamas auf. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Ein Zirkus in der Stadt, das bedeutet kein ungetrübtes Freizeitereignis mehr. Tierschützer demonstrieren immer öfter und werden dabei zum Teil auch rabiater. Aktuell werden Zirkusplakate mit "Abgesagt wegen Tierquälerei" überklebt. Von Angela Rietdorf und Gabi Peters

Kaum hatte der Zirkus Karl Altoff Köllner vor wenigen Tagen seine Zelte am Rollermarkt an der Lürriper Straße aufgeschlagen, da wurde er schon von Tierschützern torpediert. Fast alle Ankündigungsplakate für die Vorstellungen in der Manege wurden mit der Aufschrift "Abgesagt wegen Tierquälerei" überklebt. "Das ist Rufmord", sagt Zirkusfrau Liane Weisheit-Köllner. Mit Meinungsfreiheit habe das nichts mehr zu tun, findet sie.

Zirkus Altoff Köllner hat Dromedare, Pferde, Ponys, Ziegen und Lamas. Allen Tieren gehe es gut, versichert Liane Weisheit-Köllner. Weder die Vertreter von Ordnungsamt, Bauordnungsamt und Amt für Umweltschutz noch die Veterinäre hatten bei ihren Kontrollen etwas zu beanstanden. "Alle Auflagen waren erfüllt", bestätigt Stadtsprecher Wolfgang Speen.

Rund 40 Tierschützer demonstrierten gestern vor der Premiere des an der Lürriper Straße gastierenden Zirkus. FOTO: Isabella Raupold

Trotzdem gibt es Gegenwind. Die Tierschützer würden immer radikaler, sagt Liane Weisheit-Köllner. Die Zirkusfrau kennt sogar Fälle, wo Geschäftsleute massiv angegangen wurden, weil sie Flyer von Zirkussen auslegten oder Plakate aufhängten.

Auch gestern vor der Premiere von Zirkus Altoff Köllner demonstrierten Tierschützer vor dem Manegenzelt. Rund vierzig Tierrechtsaktivisten aus der ganzen Region von Bochum über Duisburg bis Krefeld hatten sich eingefunden, um gegen die "moderne Sklavenhaltung", wie sie die Tierhaltung im Zirkus nennen, zu demonstrieren. Sie schwenkten Fahnen, hielten Plakate hoch und beschrifteten mit Kreide die Gehwege mit Parolen wie "Kein Applaus für Tierquälerei". Die Polizei, mit drei Mannschaftswagen angerückt, behielt die Aktion im Auge, musste aber nicht eingreifen. Den Tierschützern ist die Tierhaltung im Zirkus grundsätzlich ein Dorn im Auge. "Es macht für mich keinen Unterschied, wie groß das Gehege der Tiere ist", sagt Sven Fucker, Aktivist von Animal Peace und erster veganer OB-Kandidat für Krefeld. "Die Tiere können sich nicht frei bewegen. Es sind denkende, fühlende Wesen, die zu Auftritten gezwungen werden". Es gehe dem Zirkus nur darum, Profit mit den Tieren zu machen. Reinhold Kassen, seit vielen Jahren bei Animal Peace aktiv, gibt sich etwas verbindlicher: "Ich glaube, dass die Zirkusleute ihre Tiere lieben", sagt er, "aber es bleibt moderne Sklavenhaltung." Die Aktivisten fordern den völligen Verzicht auf Tierhaltung im Zirkus. Für Liane Weisheit-Köllner ist dagegen ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus. "Sie gehören dazu wie der Duft der Manege, die Lichteffekte, die Musik und die Akrobatik", sagt sie. Die Aktivisten sollten doch bitteschön kommen und ihre Tiere ansehen. Es gehe ihnen gut, sie würden gut versorgt. "Das Erste, was mein Mann am Morgen tut, ist, nach den Tieren zu sehen", erklärt sie.

Die Aktivisten planen weitere Aktionen an der Lürriper Straße für Samstag und Sonntag, dann unter dem Namen Peta-2-Streetteam. Ein anderer Name, aber größtenteils die gleichen Demonstranten. Der Zirkus Altoff Köllner plant dagegen, Anzeige zu erstatten - wegen der überklebten Ankündigungsplakate.

Die nächsten Vorstellungstermine des Zirkus: Samstag, 15 und 18 Uhr, Sonntag, 11 und 15 Uhr.

Quelle: RP
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