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Mönchengladbach
Zug der Erinnerung: Kritik an der Bahn

Mönchengladbach. Seit fast genau vier Jahren ist der Zug der Erinnerung unterwegs, um an die Deportation von Kindern und Jugendlichen zu erinnern, die von den Nazis verschleppt wurden. Vom 10. bis 12. März hält die Dampflok mit den vier Waggons im Mönchengladbacher Hauptbahnhof. Von Inge Schnettler

Der Zug soll insbesondere Schulklassen für den praktischen Geschichtsunterricht zur Verfügung stehen. Ein Bündnis aus Vereinen, Parteien, dem Bistum Aachen und der Stadtsparkasse hatten im vergangenen Jahr die Gladbacher Allianz gegründet, um den Aufenthalt des Zuges zu ermöglichen. Denn die Deutsche Bahn verlangt fast 4300 Euro pro Tag für die Nutzung der Schienen und des Bahnhofs.

Diese Gebührenerhebung hat in allen Städten, in denen der Zug bisher haltmachte, für Unmut und Unverständnis gesorgt. Auch in Mönchengladbach wird kurz vor der Ankunft des Erinnerungs-Zuges Kritik laut. "Man schüttelt schon den Kopf über diese horrenden Forderungen. Zumindest die Höhe der Gebühr ist ausgesprochen fragwürdig", sagt Regionaldekan Ulrich Clancett. "Vor allem auch, weil die Reichsbahn die Deportationen der Kinder und Jugendlichen durchführte und damit viel Geld machte", so der Regionaldekan weiter. Die Deutsche Bahn habe allerdings immer darauf hingewiesen, dass sie nicht die Nachfolgerin der Reichsbahn sei. "Das ist eine komplizierte Geschichte", sagt Clancett.

Auch die SPD hat sich in die Diskussion eingeschaltet. "Wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, den Zug der Erinnerung drei Tage in Mönchengladbach zu Gast zu haben. Diese Aktion trägt dazu bei, das unbeschreibliche Leid der Deportierten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen", sagt der Vorsitzende des Ortsvereins Mönchengladbach-Mitte, Felix Heinrichs. Die Sozialdemokraten haben sich finanziell an dem Projekt beteiligt. "Wir kritisieren aber auf das heftigste die Forderung der Bahn. Man sollte meinen, ein solches Unternehmen habe etwas mehr Geschichtsbewusstsein", so Heinrichs.

Sein Ortsverein setzt sich dafür ein, die Idee von Bezirksvorsteher Reinhold Schiffers zu unterstützen. Schiffers hat angeregt, an einer gut sichtbaren Stelle einen Ort der Erinnerung für die Deportierten aus Mönchengladbach zu errichten. "Eine Gedenktafel wäre ein wichtiger Beitrag, die Intention des Zugs der Erinnerung fortzutragen", sagt Felix Heinrichs.

Quelle: RP
 
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