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Mönchengladbach
Zustände in Transsylvanien wie vor 100 Jahren

Mönchengladbach. Siebenbürgen liegt mitten in Rumänien, an der Grenze vom Abend- und Morgenland. Transilvania heißt es in der Landessprache, Transsylvanien in Deutschland. Im zwölften und 13. Jahrhundert sind zigtausende Deutsche dem Ruf der ungarischen Könige gefolgt, haben die menschenleeren siebenbürgischen Wälder zum Schutz gegen die einsetzenden Mongolenstürme besiedelt. Sie haben das Land kulturell geprägt und sich ihre Eigenständigkeit bewahrt. 1918 kam Siebenbürgen zu Rumänien und 2007 mit ihm in die Europäische Union.

Doch seit Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und vor allem mit der "Wende" verließen immer mehr das Land. 1930 gab es dort noch 300.000 "Siebenbürger Sachsen", heute sind es nur noch etwas mehr als 10.000. Aber auch unter dem Dach der EU leben die meisten Menschen dort immer noch unter Bedingungen, die man sich in Deutschland kaum vorstellen mag. "Das sind Zustände wie vor 100 Jahren", hat Heinz Herbert Paulus, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Mönchengladbach, gesagt, als er 2012 zum 30-jährigen Bestehen der Aktion "Hilfe für Siebenbürgen" mit Ilse Harff Hermannstadt und die vier Partnerstädte der Gladbacher Aktion besuchte: Agnetheln, Großschenk, Heltau und Michelsberg.

"In Rumänien wird in den Geschäften alles angeboten, was zum Leben gehört, auch in der entsprechenden Auswahl und in guter Qualität. Aber die meisten Menschen sind angesichts der geringen Löhne, der weit verbreiteten Arbeitslosigkeit, der minimalen Renten, in der Regel etwa 80 Euro, wobei die Lebensmittelpreise unseren entsprechen, nicht in der Lage, die notwendigen Lebensmittel zu kaufen, geschweige, die hohen Kosten für Kleidung, Strom, Wasser und Gas aufzubringen", sagt Ilse Harff.

Schickte die Siebenbürgenhilfe anfangs sehr viele Lebensmittel nach Rumänien, gibt es heute stattdessen finanzielle Unterstützung wie Lebensmittelgutscheine oder Zuschüsse für Rentner und Kinderreiche. Zweimal im Jahr gibt es in Mönchengladbach und angrenzenden Orten die Siebenbürgen-Sammlung, an der sich neben den evangelischen auch die katholischen Gemeinden beteiligen. "Wir sind in der Bevölkerung seit langem gut bekannt. So erhalten wir neben Geld- auch viele Sachspenden, die dann mit den 40-Tonnern nach Rumänien gebracht werden", sagt die Koordinatorin. Besonders benötigt werden dabei: gut erhaltene, saubere Bekleidung, Schuhe, Bettwäsche und Handtücher, Kinderspielsachen und -wagen, Fahrräder, kleinere Haushaltsgegenstände wie Geschirr und Bestecke, Medikamente, Inkontinenzartikel und Brillen. Als Ilse Harff begann, fuhren zwei Lastwagen im Jahr, heute sind es zwölf.

Die Sachspenden werden in Rumänien in erster Linie als Second-Hand-Ware verkauft: in eigens dafür eingerichteten kleinen Läden zu geringen Preisen. Der Verkaufserlös ist für die sozialen Aufgaben der kirchlichen Einrichtungen bestimmt. In Hermannstadt gibt es sogar eine "Kirchliche Apotheke". Für viele Menschen ist dies die einzige Stelle, wo sie dringend benötigte Medikamente bekommen.

INFO UND KONTAKT Siebenbürgenhilfe: Diakonisches Werk Mönchengladbach, Ludwig-Weber-Straße 13, 41061 MG. Website: www.diakonie-mg.de/wir-ueber-uns/siebenbuergenhilfe/ Ansprechpartner: Ilse Harff, 02161-16315. Spendenkonto: IBAN DE95 3105 0000 0000 2139 34

(oes)
 
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