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Schwerpunkt Gladbachs Gründerszene - Fünf Start-Ups Stellen Sich Vor
Zwei Ansätze, um den Handel zu stärken

Schwerpunkt Gladbachs Gründerszene - Fünf Start-Ups Stellen Sich Vor: Zwei Ansätze, um den Handel zu stärken
Die App Lokalbummel zeigt den Nutzern Werbung von Geschäften an, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden. Langfristig sollen Apps einzelner Unternehmen in einer einzigen vereint werden. FOTO: Lokalbummel
Mönchengladbach. Christian Oh hat eine App entwickelt, die Werbung von Geschäften in der Umgebung anzeigt. Florian Bähren testet anonym Unternehmen. Von Christian Lingen

Welche Angebote es in der kommenden Woche im Supermarkt um die Ecke gibt, darüber informieren seit Jahrzehnten Prospekte, die vor allem samstags an die Haushalte verteilt werden. Aber was ist mit den Einzelhändlern? Welche Brotsorten hat der Bäcker, welche Brillengestelle der Optiker und welche Neuerscheinungen der Buchhändler? Diese Fragen beantwortet kein Werbeblättchen. Um genau das geht es in der von der Christian Oh entwickelten App Lokalbummel. Er hat ein Gerät entwickelt, das überall angebracht werden kann und per Bluetooth Werbung an mobile Endgeräte im Umkreis von 70 Metern sendet. So können Nutzer sehen, was es in den Geschäften gibt, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden.

Florian Bähren bei seiner Arbeit. Wenn er als Tester in ein Geschäft oder ein Hotel geht, hat er sein Äußeres verändert, um nicht erkannt zu werden. Was genau er testen soll, das bestimmen die Unternehmen selbst. Geheim bleibt nur, wann die Testkäufe stattfinden. FOTO: Bähren

"Das Gerät verbraucht kaum Energie. Die App auf dem Smartphone erkennt die Sender automatisch und ruft deren Daten ab, um sie dem Nutzer anzuzeigen", erklärt Christian Oh seine Entwicklung. Das können allgemeine Informationen über ein Geschäft sein oder konkrete Angebote. "Wir möchten den stationären Handel stärken", erklärt Oh. In den USA gebe es die App schon länger. Statistiken zeigten, dass in Geschäften, die bei Lokalbummel mitmachen, der Umsatz steigt. Für das laufende Jahr werde dort eine Umsatzsteigerung um 44 Milliarden Dollar durch die App erwartet.

Die App soll vor einer Werbeflut schützen und immer nur das anzeigen, was sich in direkter Umgebung des Nutzers befindet. "Die App lässt sich aber nicht nur im Handel nutzen. Im Zoo können etwa Informationen über die Tiere auf das Smartphone gesendet werden", sagt Christian Oh. Im Wartezimmer von Artpraxen lassen sich mit der App Zeitschriften auf dem Smartphone lesen. Auch das E-Paper der Rheinischen Post ist dort abrufbar.

Das Angebot soll im kommenden Jahr noch erweitert werden. "Wir arbeiten an einem Bonusprogramm, das sich mit der App kombinieren lässt. Denkbar ist zum Beispiel, dass man Punkte bekommt, wenn man in ein Geschäft geht, das von der App angezeigt wird", blickt Oh in die Zukunft. Hat man genügend Bonuspunkte gesammelt, könnte es etwa Einkaufsgutscheine oder besondere Prozentaktionen geben. "Viele Geschäfte bieten eigene Apps an. Unser Ziel ist es, sie in einer einzigen zu vereinen", sagt Oh. Das erspart dem Nutzer eine riesige Datenmenge auf dem Smartphone - und Angebote von Geschäften lassen sich ohne Aufwand schneller finden.

Christian Oh war einer von mehreren Gladbacher Gründern, die sich bei der "Speed-Präsentation" des Kreisverbandes im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) im Rahmen der Mönchengladbacher Gründerwoche vorstellten. Ein weiterer war Florian Bähren, der das Unternehmen Bähren Mystery entwickelt hat. "Wir schicken Testkunden los, die verdeckt Geschäfte testen", erklärt er das Prinzip seines Unternehmens, das er ganz nebenbei führt. Denn eigentlich arbeitet er bei einer Bank.

Dass die Tester in ein Geschäft kommen, passiert aber nicht völlig willkürlich, sondern immer im Auftrag der zu überprüfenden Unternehmen. "Seit vier Jahren tätige ich Testkäufe. Das Überprüfen fängt schon bei einer Begrüßung oder der persönlichen Beratung im Laden an", erklärt Florian Bähren. Er spricht mit den Betrieben ab, was genau getestet werden soll. Damit die Angestellten im Geschäft nicht vorgewarnt sind, bleibt dabei stets geheim, wann die Tester kommen. Außerdem verkleiden sie sich, um anonym zu bleiben. "Unser Ziel ist, zu erkennen, was in einem Unternehmen nicht funktioniert. Durch die Ergebnisse können sich die Firmen dann verbessern", sagt Bähren.

Das Angebot von Bähren Mystery lässt sich aber nicht nur im stationären Handel anwenden. Auch bei Onlineshops gibt es häufig den Bedarf, etwas zu optimieren. Auch Hotels und Gaststätten werden getestet, denn gerade in diesen beiden Gewerben kommt es auf die Mitarbeiter und deren Service an. Bei Gaststätten spielen die Speisen eine zentrale Rolle. In Hotels kommt der Zustand der Zimmer hinzu. Ein wichtiger Faktor, der häufig angefragt werde, seien auch Parkplätze. Viele Unternehmen möchten wissen, wie ihre Kunden parken können. "Wenn Unternehmen bei uns anrufen, dann gelangen sie nicht in die Warteschleife eines Call-Centers, sondern bekommen eine persönliche Beratung", verspricht Bähren.

Sein Arbeitgeber unterstützt die nebenberufliche Tätigkeit. Langfristig möchte er sich mit seiner Idee selbstständig machen. Angenommen werde das Angebot bereits deutschlandweit. Die Tester kommen dabei aber nicht nur aus Mönchengladbach. Sie verteilen sich auf alle Bundesländer, um immer einen möglichst kurzen Weg zum zu testenden Unternehmen zu haben. Die Auswertung der Testkäufe erhalten die Betriebe stets in digitaler Form.

Quelle: RP
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