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Mönchengladbach
Zwei Streicher suchen Klangsinn

Mönchengladbach. Helge Slaatto (Violine) und Frank Reinecke (Kontrabass) repräsentieren jene Riege von Instrumentalisten, die gerne experimentieren, dabei inwendig forschend das Ungewöhnliche suchen. Kennzeichen dieser "Spezies" sind häufig ein hochgradig feingeistig ausgesuchtes Repertoire und eine gewisse, bisweilen überzogene Scheu vor Mainstream. Bei Slaatto, Professor in Münster, und Reinecke, Kontrabassist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, ist die spezialisierte Werkauswahl bereits durch die auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich wirkende Paarung ihrer Instrumente gegeben. Das wurde im 6. Schlosskonzert jetzt augen- und ohrenfällig. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Die Kombination ist jedoch bei näherer Betrachtung sehr stimmig, wirkt sie hin und wieder doch etwas aus der Zeit gefallen. Das Duo allerdings steht genau für das Gegenteil: für das Zeitgenössische. Die beiden sind spezialisiert auf für sie geschriebenes Repertoire.

So überrascht es, dass die beiden, hin und wieder fast schon etwas zu unprätentiös, aber sehr durchdacht musizierenden Streicher bei ihrem Programm im Rittersaal nahezu einen Bogen um das Zeitgenössische machten. Um ihre unumstrittene Kernkompetenz. Wenn man die Werkauswahl genauer betrachtet, versteht man allerdings plötzlich sehr gut. Man merkt, wie sich Frescobaldi oder sechs Balladen aus dem 14. Jahrhundert mit Bartóks "44 Duos" bruchlos reihen können. Man merkt, wie sich ein kompositorischer "Diamant" aus Bachs "Kunst der Fuge" und ein etwas skurriles Stück Heinrich Bibers ihren Platz hintereinander im Programm erkämpft haben. Man begreift, was Slaattos auch mal nüchternes Violinspiel und Reinecke - verspielter, bei Bedarf technisch gleichfalls auftrumpfend - wirklich zu transportieren suchen: Klangsinn und Sinnklang. Es darf nur eben nichts Gewöhnliches sein!

Dies galt auch für das einzige zeitgenössische Stück an diesem Abend, Erhan Sanris (58) Vertonungen visueller Gedichte. Das Duo befasst sich aber auch leidenschaftlich gerne mit "Fundsachen", etwa von Mozart oder Schubert. Dass man mit Corellis berühmter Sonata "La Follia" schloss - die auch Rachmaninow nicht aus dem Kopf ging -, bezeugt nur den Anspruch der beiden, alle Grenzen ihrer Instrumentenpaarung gekonnt auszuloten.

Quelle: RP
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