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Serie Was macht eigentlich?
Zwischen Leben und Tod auf der Trauminsel

Serie Was macht eigentlich?: Zwischen Leben und Tod auf der Trauminsel
Ein Bild, das zu Dieter Paulys "Visitenkarte" wurde: der Disput mit Nationaltorhüter Toni Schumacher – "Sportfoto des Jahres" 1981. Heute lebt der 75-jährige Gladbacher viel in Thailand. FOTO: Wiechmann, Dieter
Mönchengladbach. Dieter Pauly ist einer der prominentesten Schiedsrichter der Fußball-Bundesligageschichte, war dreimal Deutschlands "Schiedsrichter des Jahres". Heute lebt der 75-jährige Mönchengladbacher viel in Thailands Urlaubs-Paradies Ko Samui. 2014 entging er dort nur knapp dem Tod. Von O. E. Schütz

Er war gerade wieder in Mönchengladbach, zurück aus Thailand, wo er seit 2011 einen Teil seiner Zeit verbringt. Und, ganz wichtig: Dieter Pauly ist wieder gesund. Er erinnert "nach zwei schweren Jahren" wieder ein wenig an seinen imponierenden Auftritt in der Szene auf dem dem legendären "Sportfoto des Jahres 1981": Als Schiedsrichter Pauly nach einer Aktion vor dem Kölner Tor den aufgebracht hinaus ins Spielfeld gestürmten Nationaltorhüter Harald Anton ("Toni") Schumacher in die Schranken wies. "Woll'n Sie nicht mal pfeifen", hatte Schumacher gebrüllt, und Pauly kontere nicht minder lautstark: "Sie gehen sofort in Ihr Tor zurück. Aber vorher nehmen Sie sich die Gelbe Karte mit!" Dann kam noch Rainer Bonhof, der damals für Köln spielte, hinzu und zog Schumacher weg mit den Worten: "Geh lieber, der schmeißt dich sonst vom Platz!"

Der Mönchengladbacher Sportfotograf Dieter Wiechmann (73) hat die spektakuläre Szene am 30. Mai 1981 beim Spiel Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln (Endstand 2:2) im später preisgekrönten Bild festgehalten: Nur Millimeter trennen die Köpfe Paulys und des wutschnaubenden Schumacher. "Dieses Bild wurde so etwas wie eine Visitenkarte für mich, die durch Europa gereicht wurde, wenn ich ein UEFA-Spiel leitete: Die Vereine verteilten das Foto an ihre Spieler mit der Warnung, sich nicht mit mir anzulegen", erzählt Pauly. "Dieses Bild schrieb Bundesliga-Geschichte", hat die Bild-Zeitung zum 50-jährigen Bestehen der deutschen Spitzenklasse geurteilt. Und das Fußball-Magazin "11 Freunde" hat 2013 in seine Liste der "wichtigsten Schiedsrichter der Bundesliga-Geschichte" Dieter Pauly auf Platz zwei eingeordnet. Vor allem aber: Dreimal wählte ihn der Deutsche Fußball-Bund zum "Schiedsrichter des Jahres": 1985, 89 und 90, zum Abschluss seiner Karriere.

Hier lässt es sich in Ruhe leben: Dieter Paulys seit Jahren gemietetes Haus auf der Ferieninsel Ko Samui. FOTO: Dieter Pauly

Seine Laufbahn begann 1960 nach einem Spiel der Jugend des Rheydter SV, für den er seit acht Jahren spielte. Schiedsrichter war ein gewisser Rolf Göttel, zwei Jahre jünger. Pauly war mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden und meckerte. "Dann mach es doch besser", konterte Göttel. Pauly nahm es sich zum Herzen, wurde ebenfalls Schiedsrichter. Und machte eine beeindruckende Karriere, die ihn über die Bundesligen in die Europapokal-Wettbewerbe bis hin zur Europameisterschaft 1988 führte. 97 Spiele in der Ersten Bundesliga hat Dieter Pauly von 1980 bis 1990 geleitet, dazu drei Partien im Rahmen des Austauschs zwischen Deutschland und der Schweiz in der Ersten Eidgenossen-Liga, außerdem 65 internationale Begegnungen.

Mit seinen 1,91 Metern war Pauly der größte Unparteiische in der Bundesliga - was ihm allein schon Respekt verschaffte. Rolf Göttel, der 1960 den Anstoß gegeben und dann Pauly als Schiedsrichter-"Funktionär" in leitenden Ämtern bis hin zum DFB begleitet hat, urteilt nicht nur als Freund, sondern als Fachmann: "Dieter ist sehr selbstbewusst und souverän, war als Spielleiter immer durchsetzungsfähig. Ich kann mich kaum an ein Spiel erinnern, wo es größere Kritik an ihm gab." Übrigens: Auch "Toni" Schumacher hat Dieter Pauly sehr bald respektiert. Er lud ihn Jahre später sogar zu seinem Abschiedsspiel nach Istanbul ein - als Schiedsrichter. Sein eigenes Abschiedsspiel organisierte Dieter Pauly selbst, in der Heimat: am 21. August 1990 auf dem Bökelberg, Borussia gegen Ajax Amsterdam.

Dieter Paulys Sohn Olaf war sein Partner im Sportgeschäft. FOTO: Raupold

Später war er lange als Schiedsrichter-Beobachter für den DFB unterwegs - bis es 2011 zum Bruch kam. "Nach dem Abgang meines Freundes Volker Roth als Vorsitzender des Schiri-Ausschusses war ich auf einmal unerwünscht. Ich wurde abserviert. Da wurden 50 Jahre einfach so weggewischt", hat Pauly damals gesagt. Doch die Enttäuschung hat sich gelegt. Sie hat aber 2011 auch Anstoß zu einer wichtigen Entscheidung gegeben: Nicht mehr nur ein paarmal für einige Wochen nach Thailand zu fliegen und dann bald heimzukehren, sondern länger auf der Trauminsel zu bleiben.

Quelle: RP
 
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