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Moers
105 Papierarbeiten für das Museum DKM

Moers: 105 Papierarbeiten für das Museum DKM
Karl-Hermann Klock und der renommierte chinesische Künstler Xiaobai Su bei der Vorstellung des großen Kunst-Geschenks im Museum DKM. FOTO: reichwein
Moers. Karl-Hermann Klock sammelte Kunst, darunter Werke des chinesischen Künstlers Xiaobai Su. Die schenkte er jetzt dem Museum DKM. Von Peter Klucken

Die Einladung, die der Schreiber dieser Zeilen bekam, erwies sich als eine persönlich berührende Reise in die Vergangenheit. Das Einladungsschreiben war sachlich: "Anlässlich der Überlassung von 105 Arbeiten des chinesischen Künstlers Xiaobai Su durch den Duisburger Sammler Karl-Hermann Klock an das Museum DKM findet ein Pressegespräch statt."

Karl-Hermann Klock ist in Duisburg als aufmerksamer Beobachter des Kulturlebens und des Zeitgeistes bekannt. Regelmäßig schreibt er grafisch gestaltete Texte, die in lyrischer Form bisweilen überaus bissig und mit überraschenden Wendungen die Gegenwart oder die Nachwirkungen der Vergangenheit ins Heute in den Blick nehmen. Dabei kann Klock auf einen enormen Bildungsschatz zurückgreifen, den er sich angeeignet hat. Seine Leser sucht sich Klock normalerweise selber aus: Seine Texte bringt er immer persönlich zu ausgewählten Empfängern. Bislang hat er nur einmal ein Büchlein in kleiner Auflage herausgebracht. Karl-Heinz Klock ist zweifellos ein ungewöhnlicher Mensch und Querdenker und -schreiber. Was nur ganz wenige wussten, ist, dass Karl-Hermann Klock, inzwischen 76 Jahre alt, selber jahrelang Kunst gesammelt hat, obwohl er als ehemaliger Buchhalter nur über ein "normales" Einkommen verfügt. Aber Klock hat über viele Jahre Kunstwerke, die ihm gefielen, gekauft, soweit seine finanziellen Möglichkeiten das zuließen. Die Werke des chinesischen Künstlers Xiaobai Su haben ihn besonders fasziniert. Im Laufe der Jahre hat er 105 Arbeiten auf Papier von ihm gesammelt. Und jetzt hat sich Klock entschlossen, diese Grafiken dem Museum DKM zu schenken. Er wolle selber seinen Nachlass regeln, sagte er beim Pressegespräch, an dem neben Klock und den Museumsgründern Dirk Krämer und Klaus Maas auch Xiaobai Su mit seiner Ehefrau teilnahmen.

Seit 1991 treffen sich Xiaobai Su und Klock mindestens einmal im Jahr. Auf die naheliegende Frage, wie Klock und Xiaobai Su zueinander fanden, bekam der Fragesteller eine überraschende Antwort: "Durch Sie!". Und das ist der Hintergrund: In den 90er Jahren stellte die Kulturwerkstatt Meiderich hin und wieder Werke von Studenten der Kunstakademie Düsseldorf aus. Von 1987 bis 1992 war Xiaobai Su, der 1949 in Wuhan geboren wurde und bereits in Peking Meisterschüler an der Zentralakademie der schönen Künste war, Stipendiat an der Düsseldorfer Kunstakademie und studierte bei Konrad Klapheck. Xiaobai Su war sich nicht zu schade, das Ausstellungsangebot der vergleichsweise schlichten Kulturwerkstatt Meiderich anzunehmen und zeigte dort im Februar 1991 seine feinen Tuschezeichnungen und künstlerisch vielschichtigen kalligraphischen Arbeiten.

Ein junger Redakteur namens Peter Klucken schrieb damals in der Rheinsichen Post einen Artikel über die Meidericher Xiaobai-Su-Ausstellung, der Karl-Hermann Klock offenbar so neugierig machte, dass er sich die Ausstellung anschaute - und einige Werke aus der Schau kaufte.

Im Laufe von zehn Jahren kaufte Karl-Hermann Klock immer wieder Papierarbeiten von Xiaobai Su, schließlich waren es 105. Die beiden, der Sammler und der Künstler, lernten sich schnell persönlich kennen und schätzen. In seiner Wohnung kann Klock die gesammelten Werke aus Platzgründen gar nicht hängen; er verwahrte sie in Schubladen auf, aus denen er die feinen Papierarbeiten immer wieder vorsichtig entnahm, um sie anzuschauen und zu studieren.

Im Pressegespräch sagten der Künstler und seine Ehefrau, dass die Ankäufe von Karl-Hermann Klock gerade in den ersten deutschen Jahren ungemein wichtig gewesen seien . Zum einen finanziell, zum anderen aber auch als eine besondere Motivation; schließlich war Xiaobai Su vor 25 Jahren in der deutschen und europopäischen Kunstszene nahezu unbekannt. Klock machte ihn durch seine frühen Ankäufe gewissermaßen zu einem Geheimtipp.

Heute ist Xiaobai Su, der abwechselnd in Düsseldorf und Shanghai lebt, in der internationalen Kunstszene präsent. Dirk Krämer und Klaus Maas trafen auf seine Werke bei den großen Kunstmessen in Maastricht, Hong Kong, Köln und Basel. Seine neueren großformatigen Werke werden in einer finanziellen Größenordnung von 200.000 Euro gehandelt.

Geld interessiert Karl-Hermann Klock nicht. Er freut sich darüber, dass er seine Sammlung in gute Hände übergeben konnte. Die Werke passen im Übrigen vorzüglich ins Konzept des Museums, dessen Sammlung unter dem Motto "Linien stiller Schönheit" steht.

Um die Kunstwerke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist eine Ausstellung für die zweite Jahreshälfte 2017 oder die erste Jahreshälfte 2018 geplant. Dann werden die Papierarbeiten aus der Schenkung Karl-Hermann Klock mit aktuellen Arbeiten von Xiaobai Su ergänzt.

Quelle: RP
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