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Rheurdt
125 Jahre Bankengeschichte enden heute

Rheurdt: 125 Jahre Bankengeschichte enden heute
FOTO: Theo Mäschig
Rheurdt. Heute öffnet die Volksbank an der Niers zum letzten Mal ihre Filiale in Schaephuysen. Anlass für einen Rückblick auf die Schaephuysener Banken- und Sparkassengeschichte, die am 24. Juni 1891 begann. Von Theo Mäschig

In einem Bericht der Spar-und Darlehnskasse Schaephuysen zu ihrem 75-jährigen Jubiläum im Jahre 1966 heißt es:

"Als in der Gemeinde Schaephuysen der Entschluss zur Gründung einer Spar- und Darlehnskasse am 24. Juni 1891 von 22 verantwortungsvollen und aufgeschlossenen Bürgern gefasst wurde, konnte man schon auf die Erfahrung und Ergebnisse einiger bereits früher gegründeten Genossenschaften zurückgreifen. Diese Männer hatten sich zusammengetan, um durch ihre Selbsthilfeeinrichtung Geldmittel für Bauern, Handwerker und Händler zu beschaffen und das im Dorf vorhandene Geld auch im Dorf nutzbar zu machen."

Oben: Das Gebäude der Spar- und Darlehnskasse Schaephuysen kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1967. Rechts: Ansicht der Schaephuysener Hauptstraße um 1930. Im Gebäude links im Vordergrund war in den 1920er Jahren die "Schaephuysener Bank e.G.m.u.H." untergebracht. FOTO: Theo Mäschig

In den ersten Vorstand wurden Heinrich Peuten, Hermann Winters, Johann Molderings, Theodor Peschers und Peter Niepmans gewählt; es handelte sich um Landwirte, Winters betrieb auch eine Gastwirtschaft. Das erste Geschäftslokal befand sich bis 1920 im Haus der Gaststätte Winters, danach bis 1925 im heutigen Haus Hauptstraße 3 (später Sitz der Nebenstelle der Kreissparkasse Moers), von 1926 bis 1948 im Hause de Roy (Icks) auf der Tönisberger Straße (Johann de Roy war von 1925 bis 1946 Geschäftsführer der Bank), von 1949 bis 1967 im Hause Hauptstraße 16 (Theis/Weihofen - Wilhelm Weihofen leitete die Bank von 1947 bis 1964) und ab April 1967 in dem neuerbauten und jetzt aufgegebenen Gebäude Hauptstraße 9-11.

1971 fusionierte die Spar-und Darlehenskasse mit der Volksbank Kerken, diese wiederum wurde zur Volksbank Gelderland und später dann durch Zusammenschluss mit der Volksbank Kevelaer zur heutigen Volksbank an der Niers.

Ortseingang aus Richtung Vluyn um 1935. Links im ehemaligen Konsumgebäude die Zweigstelle Schaephuysen der Kreissparkasse Moers, dahinter die 1966 abgebrochene alte Schule. Das helle Gebäude in der Bildmitte wurde 1941 durch einen Brand zerstört; dort entstand 1967 der Neubau der Spar- und Darlehnskasse Schaephuysen. FOTO: Stadtarchiv

Als zweite Schaephuysener Bank etablierte sich 1930 eine Nebenstelle der Kreissparkasse Moers im heutigen Haus Hauptstraße 3. Auf der Landstraße von Vluyn kommend ist dieses große helle Gebäude kurz hinter der Einmündung der Grünstraße nicht zu übersehen. Es wurde im Jahre 1913 von Jakob Ramacher aus Duisburg-Meiderich erbaut und ging später in den Besitz der Niederrheinischen Bergwerks AG über. Mehrere Familien erhielten dort Wohnungen, im Erdgeschoss aber befand sich ein großes Ladenlokal der Konsumgenossenschaft - eines Zusammenschlusses von Verbrauchern zur Versorgung mit Gütern des täglichen Lebensbedarfs. Den Laden führte der Erbauer Jakob Ramacher mit seiner Schwiegertochter bis 1930. Im Volksmund erhielt das Gebäude die Bezeichnung "Konsum" und war den Schaephuysenern unter diesem Namen auch lange nach Schließung des Geschäfts ein Begriff. Die Kreissparkasse Moers gab die hier angemieteten Geschäftsräume im Jahre 1973 auf und bezog auf einem ehemaligen Gartengrundstück an der Ecke Haupt- / Hubertusstraße ein in Fertigbauweise erstelltes Zweigstellengebäude. Später übernahm die Sparkasse die Zweigstellen Rheurdt und Schaephuysen von der Sparkasse Moers und errichtete an gleicher Stelle ein neues Zweigstellengebäude, das am 19. Januar 1990 eröffnet wurde. Nach der Fusion mit der Sparkasse Krefeld wurden die Geschäfte unter dem Namen "Sparkasse Krefeld" fortgeführt, bis diese ihre Bankgeschäfte in Schaephuysen 2014 aufgab.

Eine weitere Bank befand sich in den 1920er Jahren im Hause Hauptstraße 34 (Jansen/Miesen), nämlich die "Schaephuysener Bank e. G. m. u. H." (eine Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung). Der Schriftzug lässt sich noch heute an der Vorderfront des Gebäudes erkennen, wenn dort das prächtige Blauregengewächs (Glyzine) vor dem Blumengeschäft abgeblüht ist. Aus der Chronik der Schaephuysener Volksschule ist folgender Bericht erhalten:

"Der Schaephuysener Bankraub vom 15. Januar 1924 wurde vor dem Schöffengericht in Mörs abgeurteilt. Die Zeitung berichtet darüber folgendes: ,Am 16. Januar 1924, abends gegen 6 Uhr, zur Zeit als die Beamten und Angestellten der Bank mit dem Kassenabschluss fertig waren, drangen plötzlich 4 Personen, von denen 2 angeschwärzte Gesichter, die beiden anderen eine durchsichtige Maske aus Tuchstoff vor den Gesichtern hatten, in den Bankraum ein. Einer von ihnen sprang auf den zunächst stehenden Bankgehilfen zu und forderte ihn mit vorgehaltenem Revolver auf, die Hände hoch zu heben und sich ruhig zu verhalten. Die 3 anderen schlossen die Flurtür des Bankraumes ab und hielten die übrigen Angestellten mit vorgehaltenem Revolver in Schach. Einer der Räuber nahm dann aus dem offenstehenden Geldschrank alles Geld heraus und steckte es in einen mitgebrachten Sack.'" Die Täter flüchteten mit einem Auto, der ganze Vorfall hatte sich in etwa drei Minuten abgespielt.

Als Täter hatten sich in der Hauptverhandlung der Händler Wilh. Heintze, der Bergmann Theod. Klostermann, beide aus Moers, und der Vorarbeiter Gerh. Jansen aus Homberg zu verantworten. Die Anklage warf ihnen vor, "einen der Schaephuysener Bank gehörigen Geldbetrag von 762 Billionen Mark mit Gewalt gegen Personen und unter Anwendung von Drohungen entwendet zu haben." Klostermann und Jansen wurden zu je fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Heintze wurde freigesprochen. Der hohe Geldbetrag hing wohl mit dem inflationären Werteverlust infolge der Weltwirtschaftskrise zusammen.

Ihre Geschäftsstelle in Rheurdt, die in Zukunft auch von den Schaephuysener Kunden genutzt werden soll, hat die Volksbank an der Niers inzwischen umgestaltet und modernisiert. Dort soll es sich - so heißt es in einem Schreiben an die Kunden - nur um eins drehen - "um Sie" (also die Kunden). Es darf aber sicherlich bezweifelt werden, ob die Schaephuysener Kunden gerne den weiteren Weg in Kauf nehmen, der sicherlich oftmals erforderlich ist, auch wenn in Schaephuysen ein Geldautomat erhalten bleiben soll.

Der Autor ist ehemaliger Archivar der Gemeinde Rheurdt

Quelle: RP
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