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Moers
27 Bands rocken die Moerser Kneipen

Moers: 27 Bands rocken die Moerser Kneipen
Zurück in die 70er Jahre, die Zeit abgedrehter Bühnenkostüme, versetzten das Publikum im "Ritumenti" die Musiker von "Glam Bam". FOTO: Klaus Dieker
Moers. So gut besucht sind die Lokale in Hülsdonk, Scherpenberg, Rheinkamp, Asberg und der Innenstadt nicht immer: Bei der 14. Enni Night of the Bands am Samstag feierten hunderte Kneipengänger zu Rock, Pop und Covern aus den Siebzigern. Von Jana Marquardt

Im Diebels live gibt's kein Halten mehr, auch wer auf einem Barhocker sitzt, bewegt sich wie in Trance. "Ich will Spaß, ich will Spaß! Ich geb' Gas, ich geb' Gas", singt Dirk Schmidt von KBB - Küppers, Beck's, Brinkhoff's mit einer Inbrunst ins Mikro, die unglaublich scheint - schließlich gibt er schon seit mehr als zwei Stunden alles. Die Gäste vor der Bühne werfen die Hände in die Höhe, ein Mann mit kariertem Hemd und Vollbart wagt einen schnellen Moonwalk, und seine Begleiterin lacht herzlich. Hier ist der Songtitel Programm, wie die Tanzbewegungen aussehen, ist egal. Hauptsache, jeder hat seinen Spaß.

Nach dem Song greift Schmidt zum Bierglas. "Und das in meinem Alter", ruft der 1967 geborene Sänger in die Runde. Das Publikum jubelt. "Na, könnt ihr noch? Ja klar, manche von euch sitzen ja ganz bequem. Ihr faulen Säcke!" Lautes Gelächter. Schmidt und das Publikum prosten sich zu, bevor der Song "Smoke On The Water" angestimmt wird, für den er sich eine Monitorbox gewünscht hätte: "Dann hätte ich mein Bein ganz cool darauf abstellen können", erklärt Schmidt und macht die Bewegung vor. "Denkt euch die Box einfach dazu." Als Bassist Carsten Wroblewski und Schlagzeuger Dirk Mankel die ersten Töne des Rockklassikers anspielen, rufen die drei rauchenden Damen vor der Tür laut: "Juhu!".

Gut drauf zeigte sich auch das Publikum in der "Röhre". Dort spielte die Cover-Band "Holodeck". FOTO: Dieker Klaus

Auch die Stimmung im Café Lyzeum ist ausgelassen in dieser Nacht. Die vierköpfige Band Rockameier kommt an - mit schnellen Rhythmen und dem unverkennbaren Rockabilly-Klang. Dazu gibt es freche deutsche Texte. Frank Wehmeier, Besitzer des Cafés, ist mehr als zufrieden mit der Musikauswahl: "Rockameier macht einfach gute Laune, die Leute haben Bock, sich zu bewegen." Und das stimmt, sogar die Barkeeperin wippt hinter der Theke mit. "Die Enni-Night ist super für Moers", fügt Wehmeier hinzu. "Nach 19 Uhr ist sonst nicht mehr viel los, aber an diesem Abend sind alle auf den Straßen unterwegs. Wenn so eine Stimmung da ist, wie heute, dann denk' ich: Deswegen habe ich den Laden aufgemacht."

Tatsächlich ist die Enni-Night-Kneipentour für viele zur Tradition geworden. Für Astrid (54) und Monika (50) zum Beispiel. Die beiden Moerserinnen stimmen sich beim Piccolo auf den Abend ein, sitzen in einer Unterhaltung vertieft vor der Kneipe, während drinnen das Duo Plug and Play den Hit "Take Me Home, Country Roads" anspielt. "Mir gefällt die Musik super", meint Astrid und zieht an ihrer Zigarette. "Vorhin haben sie 'Himbeereis zum Frühstück' und 'Ein Bett im Kornfeld' gespielt - da kann man natürlich mitsingen", sagt Monika und die Freundinnen lachen. Im Ritumenti und im The Fiddlers wollen sie später auch noch vorbeischauen. "Glam Bam will ich noch einmal sehen, die sind toll", verkündet Astrid. "Wieder was zum Mitsingen, aus den Siebzigern."

Für "Granufunk", die absagen mussten, sprangen "Mr. Kibs & the Urban Tropical Beatz" ein. FOTO: Dieker Klaus

Einige Meter weiter sitzen Udo Haverland aus Neukirchen-Vluyn und Gabriele Lehnhoff aus Moers vor dem Fiddlers und beobachten die Menschenmenge. Vor dem Mondrian nebenan drängen sich die Kneipenbesucher, wippen zu einem Bruno-Mars-Song mit. Das Paar hat das erste Mal seit zehn Jahren beschlossen, keine Karten für die Enni Night of the Bands zu kaufen. "Klar, die Veranstaltung ist toll, doch für mich ist das im Moment nichts mehr. Meine Musikrichtungen Hard Rock und Rock Blues fehlen mir in den Kneipen. Stattdessen wird zu viel Pop gespielt, Reggae mag ich auch nicht so", begründet Haverland die Entscheidung. "Das Gedränge finde ich auch nicht angenehm, schließlich werd' ich nicht jünger", sagt Lehnhoff. Nach einem Bier und einem Spaziergang macht sich das Paar auf den Heimweg.

Zur gleichen Zeit stehen Dirk (52) aus Duisburg und Jörg (43) aus Kerken mit vier Kollegen vor dem Mondrian. "Gut, dass wir mitgekommen sind", sagt Dirk. "Wir kannten die Enni-Night gar nicht. Es ist 'ne super Stimmung und wir klappern heute noch einige Bars ab." Die Freunde prosten sich fröhlich zu und ziehen weiter zum Fiddlers.

FOTO: Dieker Klaus
Quelle: RP
 
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