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Niederrhein
30 Zähne an einem Tag gezogen

Niederrhein: 30 Zähne an einem Tag gezogen
Das Team ist inzwischen wieder am Niederrhein eingetroffen. FOTO: APH
Moers. Jetzt kehrte die 14-köpfige Gruppe vom Niederrhein zurück, die im Buschkrankenhaus in Benin eine Woche lang im Einsatz war. Es gab viel zu tun. Von Sebastian Latzel

Es war für beide Seiten eine Premiere: Erstmals war Roland Klein zusammen mit seiner Frau Angelika bei einem Einsatz der Aktion Pro Humanität (APH) in Benin dabei. Und es war auch das erste Mal, dass die Menschen dort von einem Zahnarzt behandelt wurden. "Und es war ein Segen", berichtet das Team von APH. Denn es gab gleich am ersten Tag Schwerstarbeit für den Zahnarzt: 30 Zähne wurden gezogen - und eigentlich hätte er die ganze Nacht durcharbeiten können, so lange war die Warteschlange der Patienten im Dorf Gohomey. Das liegt mitten im westafrikanischen Busch. Hier hat APH aus Kevelaer vor mehr als 20 Jahren ein Krankenhaus gebaut, das inzwischen zum richtigen Krankenhaus ausgebaut wurde.

Das Kevelaerer Ehepaar gehörte zu dem 14-köpfigen Ärzteteam, das sich vom Niederrhein auf den Weg nach Benin gemacht hatte. Für alle stand ein Mammutprogramm an. Mehr als 50 Patienten hatten die ärztlichen Kollegen in Benin ausgewählt, die unbedingt operiert werden sollten. Per Mail waren bereits im Vorfeld Patientendaten und Röntgenbilder ausgetauscht worden, damit sich das Team vom Niederrhein vorbereiten konnte.

Es ging um komplizierte Fälle, um nicht oder schrecklich schief verheilte Knochenbrüche, Fußfehlstellungen, orthopädische Problemfälle. Johannes Kohler, viele Jahre Chefarzt am St.-Josef-Hospital in Xanten und inzwischen eigentlich im Ruhestand, führte das OP-Team. Dirk Henricy aus Wesel, leitender OP-Pfleger in Xanten, war wieder dabei. Genauso wie Narkosearzt Wolfgang Paul (St.-Clemens-Hospital Geldern) und Intensivschwester Annemarie Pieper (Wesel/Xanten) - mehrfach waren sie schon in Benin und haben Tag- und Nachtschichten geschoben im Operations-Container.

Das Team musste sich für den Aufenthalt in Benin auch auf ein eher unkomfortables Leben einstellen. Manchmal gab es fließendes Wasser, manchmal nur Wasser aus dem Brunnen. Manchmal gab es Strom, manchmal musste die Taschenlampe herhalten. Und es war sehr heiß. Zum Glück ist der OP-Container mit Notstromaggregaten und Klimaanlage ausgerüstet. Neu in der Truppe und zum ersten Mal in Westafrika überhaupt war Noreen Vingerhofdt, Oberärztin am St.-Willibrord-Spital Emmerich-Rees. "Ich bin total neugierig und freue mich auf die Erfahrung", hatte die Unfallchirurgin vor dem Abflug gesagt. "Menschen begegnen, denen es ganz sicher nicht so gut geht wie uns und die unsere medizinische Hilfe bitternötig haben - das wird schon eine tolle Aufgabe."

Mit im Team waren auch wieder Rüdiger Kerner, Internist und Chefarzt am Marienhospital Kevelaer, und Endoskopieschwester Hildegard Kleinen aus Goch. Das Team komplettierte das Ehepaar Annemarie und Hans Herrmann Pieper. Er ist Kinderarzt in Moers, sie Intensivschwester in Schermbeck. Im Krankenhaus in Westafrika wird mit ihrer Hilfe nun eine Fachabteilung für Kinder aufgebaut.

Quelle: RP
 
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