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45. Jazz-Festival
Mythos Moers

Moers Festival 2015: Die Bands in Aktion
Moers Festival 2015: Die Bands in Aktion FOTO: Dieker
Moers. Pfingsten findet die 45. Ausgabe des Jazz-Festivals in Moers statt. Stadtmusikerin Carolin Pook eröffnet mit einer Uraufführung. Offen ist die Festival-Zukunft. Von Anja Katzke

Carolin Pook hat ihre sieben Mitspielerinnen noch nicht persönlich kennengelernt. Die Musik, die die Geigerin und Schlagzeugerin in diesem Ensemble zur Eröffnung des Jazzfestivals am 13. Mai uraufführen wird, schwirrt als Klangidee aber seit einiger Zeit in ihrem Kopf: eine 40-minütige Musik für acht Geigen und Schlagzeugelemente aller Art. Es sind solche Klangexperimente, die das Moers Festival jung und modern halten, seit es 1972 als kleines Open-Air-Festival im Innenhof des Schlosses begann.

Auch die 45. Ausgabe vom 13. bis zum 16. Mai setzt auf die kreative Schaffenskraft der Künstler, die sich der improvisierten Musik verschrieben haben. In diesem Jahr reisen sie aus Island, den USA, Kuba, Frankreich und vielen anderen Ländern nach Moers - vielleicht aber zum letzten Mal. Denn die Moers Kultur GmbH, zu der das Festival seit 2006 gehört, ist finanziell ins Schlingern geraten, schien sogar von einer Insolvenz bedroht. Das Musikspektakel findet Pfingsten nur statt, weil die Stadt Moers eine Garantieerklärung, eine Bürgschaft, abgab. Die Zukunft ist aber noch offen.

Diese finanzielle Schieflage trifft das Moers Festival mitten im Wandel. 2014 verließen die Veranstalter aus Kostengründen nach Jahren den angestammten Festivalplatz im städtischen Freizeitpark, in dem die Besucher immer auch ein wenig Woodstock-Flair erlebten - mit der Musik im großen Zirkuszelt, einem weitläufigen Händlermarkt und einer Zeltstadt für Camper drumherum. Mit finanzieller Unterstützung von Land und Bund wurde eine Tennishalle außerhalb der Innenstadt zum Konzerthaus umgebaut. Das Moers Festival ist seit dem Umzug vor zwei Jahren in die Halle mehr auf die Musik konzentriert. Für viele Besucher hat dies nichts mehr mit dem Mythos Moers zu tun. Sie vermissen die Atmosphäre im Freizeitpark: Händlermarkt und Camping-Bereich sind am neuen Standort kleiner geworden. Die Moers Kultur GmbH steht vor dem Problem, kein Betreiberkonzept für die neue Konzert- und Festivalhalle zu haben, die bislang nur von Moers Festival, Schlosstheater und dem Comedy Arts Festival genutzt wird. Es fehlen die Einnahmen durch die Vermietung an andere Veranstalter.

Reiner Michalke, seit elf Jahren künstlerischer Festivalleiter, wirbt zurzeit allerorts, um das Vertrauen des Publikums zurückzugewinnen. Der Kartenvorverkauf für die Jazz-Veranstaltung war laut Michalke im März "schlagartig eingebrochen", nachdem bekanntgeworden war, dass das für Jazz-Fans legendäre, aber von den Moersern oft ungeliebte Festival um seine Existenz bangen muss. Für die 45. Ausgabe hat er ein Programm mit vielen experimentierfreudigen Künstlern zusammen gestellt. Einer der bekanntesten Musiker ist der 1969 in Reykjavik geborene Musiker und Komponist Jóhann Jóhannsson, der sein Projekt "End of Summer" vorstellt. Es handelt sich um das Filmdebüt des Musikers und Komponisten, der schon einen Golden Globe und mehrere Oscar- und Grammy-Nominierungen einheimsen konnte.

Der Film im Super-8-Schwarz-Weiß-Format erzählt in poetischen Bildern von den Weiten der Antarktis. Der Soundtrack zum Film wird auf der Bühne live gespielt. Im Kontrast dazu steht die Musik des Trios "Moon Hooch". Zwei Saxofone und ein Schlagzeug lassen ein Jazz-Trio vermuten. Tatsächlich handelt sich um eine energiegeladene Band, die zur Party aufspielen wird. Seine Karriere startete das Trio in verschiedenen New Yorker Subway Stationen, insbesondere in Bedford Avenue Station in Williamsburg. Carla Kihlstedt wird mit dem Eos Chamber Orchestra das Projekt "The Real Me" in Moers vorstellen. Kihlstedt ist Sängerin und Violinistin. Die Komposition, die in der Festivalhalle am Solimare präsentiert wird, ist ein emotionsgeladener Song-Zyklus über das Älterwerden. Musik und Texte hat der Multi-Instrumentalist Jeremy Flower geschrieben. Festivalchef Reiner Michalke legt den Fokus deutlich auf Musikerinnen.

Eingeladen sind die in Slowenien geborene und heute in Amsterdam lebende Pianistin Kaja Draksler und die portugiesische, in Porto lebende Trompeterin Susana Santos Silva. Beide sind klassisch ausgebildet, erforschen aber in der Improvisation den Klang, den ihre Instrumente bieten. Und die junge Sängerin Becca Stevens, die sich musikalisch im Grenzbereich von Jazz, Pop und Indie-Rock bewegt, gastiert im Duett mit dem englischen Musiker Jacob Collier. Lokalkolorit bringt Tim Isfort ins Programm. Der Duisburger hat ein Quartett aus Altsaxofonen zusammengestellt. Es spielen Hayden Chisholm, Jan Klare, Angelika Niescier und Silke Eberhard. Titel des Vorhabens: "Zapptett".

Das Moers Festival findet vom 13. bis zum 16. Mai in der Festivalhalle am Solimare, Filder Straße 140, Moers statt. www.moers-festival.de

Quelle: RP
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