| 00.00 Uhr

Moers/Kamp-Lintfort
Abkühlung mitten in der Hitzewelle

Moers/Kamp-Lintfort: Abkühlung mitten in der Hitzewelle
Abkühlung im Bettenkamper Meer: Im Schnitt 1200 Gäste wurden in den vergangenen Tagen in dem Naturfreibad gezählt. Der große Besucheransturm wird für das Wochenende erwartet. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Moers/Kamp-Lintfort. Ob im Freibad, im Kühlhaus einer Metzgerei oder im Gewölbekeller von Kloster Kamp: Selbst mitten in der Hitzewelle gibt es angenehm kühle Orte. Eine Suche nach dem kühlsten Ort in Moers. Von Josef Pogorzalek

Wer die Metzgerei Carl Bögner in der Mittagshitze betritt, fühlt sich wie ein frisch geschmiedetes, noch glühendes Hufeisen, das in einen Bottich mit Wasser getaucht wird. Wohlige, Kühle umfängt einen, nur das Zischen fehlt. "Die Temperatur im Verkaufsraum liegt zehn Grad unter der Außentemperatur", erklärt der Chef des Hauses, Karl Bögner. So bleiben die Waren länger frisch.

Bögner, 76, ist Fleischermeister in dritter Generation. Schlesische Fleisch- und Wurstwaren sind seine Spezialität. Fleischwurst, Jagdwurst, Krakauer, Aufschnitt. "Bei der derzeitigen Hitze sind Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat der Renner." Familie Bögner stammt aus Glogau in Niederschlesien. Der Großvater, Carl, machte sich 1897 als Metzger selbstständig. Nach dem Krieg zog die Familie in den Westen. "Mein Vater Ewald eröffnete 1951 ein Geschäft in Rheinhausen. Damals haben wir Stangeneis zum Kühlen bezogen." Heute sorgen Kühlaggregate für die nötigen Temperaturen im Laden und den Arbeitsräumen an der Uerdinger Straße: zwölf bis 14 Grad im Zerlegeraum, zwei bis drei Grad in den sieben Kühlhäusern, minus 20 Grad im Gefrieraum. Da verschlägt's einem schon wieder den Atem. Den innerbetrieblichen Kontrast dazu bietet die Wurstküche, wo es auch mal ziemlich warm wird.

Monika Vervuurt, Mitarbeiterin der Metzgerei Carl Bögner, in einem der Kühlhäuser des Betriebs. Zwei bis drei Grad kalt ist es darin. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)

Fünf Gesellen sind dem Wechselbad der Temperaturen ausgesetzt. "Unsere Jungs sind ziemlich unempfindlich", sagt Karl Bögner. Frank Hillmer, einer der Gesellen, bestätigt: Bei der tropischen Hitze draußen sei es ganz schön, sich im Geschäft abzukühlen. Andererseits: "Manchmal merke ich dann zu Hause, wie es an den Nieren zieht."

Szenenwechsel. Dass Peter Hahnen und seinen Mitarbeitern nicht der Schweiß ausbricht, verdanken sie den Mönchen, die das Kloster Kamp erbaut haben. "Unser Vorteil ist, dass das Kloster dicke Mauern hat", sagt der Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums. Dadurch bleibe die Hitze, wo sie hingehört, nämlich draußen. Zudem seien die Räume im Museum abgedunkelt sind, um die lichtempfindlichen Exponate zur Geschichte des Klosters zu schützen. "Deshalb ist es dort sehr gut auszuhalten", sagt Hahne.

Auch im Gewölbekeller bleibt es im Sommer angenehm kühl. FOTO: Klaus Dieker/Archiv

Besonders angenehm temperiert ist der Gewölbekeller, in dem unabhängig von der Jahreszeit 17 bis 20 Grad herrschen. Dort ist derzeit eine Ausstellung mit abstrakten Gemälden von Ulrike Int-Veen zu sehen. "Es ist, als würde man in einen herrlichen, kühlenden Garten treten", schwärmt Hahnen. 2008/09 wurde der Gewölbekeller für Ausstellungen hergerichtet. Ob die Mönche dort früher ihre Vorräte an Wildbret, Wein und kühlem Klosterbier gelagert hatten? Ein schöne Vorstellung, die sich historisch jedoch nicht belegen lässt. "Vermutlich hat es sich einfach um einen Stauraum gehandelt."

Auch das dreiköpfige Team rund um den Moerser Stadtarchivar Christoph Spilling kann bei schönstem Sommerwetter einen Pulli gebrauchen. Jedenfalls wenn ein Gang in eines der beiden Hauptmagazine ansteht, in denen alte Zeitungen, Akten und Fotos lagern. "Normale Bürger kommen dort gar nicht rein", sagt Klaus Janczyk, Pressesprecher der Stadt. Laut einer Richtlinie muss es dort im Mittel 18 Grad kalt sein. "Plus, minus drei Grad", so Janczyk, und die Luftfeuchtigkeit müsse um die 50 Prozent liegen. Sonst könnten die Archivalien leiden. Aktuell zeige die Klimaanlage 19,4 Grad an. "Der Apparat meckert schon . . ."

Diese Hitze-Notfälle beschäftigen Polizei und Feuerwehr

Nicht nur "alter Kram" mag es kühl, sondern auch High-Tech. Den Computern des Kommunalen Rechenzentrums (KRZN) in Kamp-Lintfort geht es wie dem menschlichen Hirn: Zuviel Hitze kann zu Aussetzern führen. Daher werden die Rechner schön temperiert. Mehr ist aber nicht zu erfahren. "Top secret", sagt Pressesprecher Kaspar Müller-Bringmann. "Wir nennen nicht einmal eine Gradzahl." Die Verantwortung gegenüber den Kunden (darunter viele Kommunen) und die Angst vor Hackern sind groß.

Garantiert kein Geheimnis: Die Wassertemperatur im Bettenkamper Meer. 21,5 Grad sind es derzeit - ideal zum Abkühlen, findet auch Bademeister Robin Schäfer. "Ich schwimme jeden Tag vor oder nach dem Dienst ein bis 1,5 Kilometer", sagt er. Fürs Wochenende wird der große Ansturm im Naturfreibad erwartet. Mal sehen ob der Rekord von 3228 Besuchern, aufgestellt am 19. August 2012, geknackt wird.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers/Kamp-Lintfort: Abkühlung mitten in der Hitzewelle


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.