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Moers
In 24 Stunden Bleibe für 150 Flüchtlinge

Achterrathsfeldschule in Moers: 150 Flüchtlinge ziehen ein
In einem Klassenzimmer der ehemaligen Grundschule Achterrathsfeld in Kapellen stehen 15 Feldbetten. FOTO: Dieker, Klaus
Moers. Nur einen Tag hatten die Verantwortlichen der Stadt Moers und die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes Zeit, eine Anordnung des Landes umzusetzen: Um 18 Uhr ziehen am Freitagabend 150 Flüchtlinge in die Notunterkunft Achterrathsfeldschule. Von Jürgen Stock

Kein halber Meter Platz ist zwischen den 15 Feldbetten, die in einem Klassenzimmer der ehemaligen Grundschule Achterrathsfeld in Kapellen aufgebaut sind. Noch immer zeugen bunte Wandgemälde von der Kreativität der Kinder, die hier einst zur Schule gingen. Sie mildern den beklemmenden Anblick ein wenig:  Ab dem heutigen Freitag, 18 Uhr, ist die ehemalige Grundschule in Kapellen eine Notunterkunft für 150 Flüchtlinge.

Damit ist die Stadt in kürzest möglicher Zeit einer Verwaltungsverfügung des Landes Nordrhein-Westfalen nachgekommen, die erstmals am Mittwochabend um 18.30 per Mail angekündigt worden war. Bis Freitag 18 Uhr habe die Kommune eine Notunterkunft für 150 Flüchtlinge bereitzustellen, hieß es da. Noch am gleichen Abend wurden die Fraktionsvorsitzenden informiert, obwohl die Moerser Politik in dieser Sache außen vor ist. Der Vollzug einer Anordnung des Landes sei laufendes Geschäft der Verwaltung, sagt die zuständige Beigeordnete Kornelia zum Kolk.

Am frühen Donnerstagmorgen läuft die Nachricht bei Günter Köster auf. Köster ist Chef der DRK-Katastrophenhilfe im Kreis Wesel und Fachmann für Herausforderungen, wie sie jetzt die Stadt zu bewältigen hat. Noch am gleichen Vormittag hat er sein provisorisches Büro in der Kapellener Schule aufgeschlagen und koordiniert die Arbeiten. Um ihn herum wuseln Elektriker und Sanitärfachleute, tragen Arbeiter Schulstühle durch die Gänge. Sie richten nicht nur die Schlafsäle her, sondern bereiten auch eine medizinische Auffangstation vor.

In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt FOTO: RP

Anders als die regulären Flüchtlingsunterkünfte im Moerser Stadtgebiet ist die Achterrathsfeldschule ein Notaufnahmelager für Menschen, die in der Erstaufnahmestelle Dortmund keinen Platz mehr gefunden haben. Deshalb müssen die Ankömmlinge nicht nur registriert, sondern auch auf ihren Gesundheitszustand untersucht werden.

Eine Riesenaufgabe. Aber anders als die 30 Freiwilligen, die sich in der Stadtverwaltung innerhalb weniger Stunden für den Erstbetreuungsjob gemeldet haben, sind die DRK-Männer auf Situationen wie diese vorbereitet. "Das läuft alles nach Plan. Notfalls sind wir bereit, innerhalb von vier Stunden 500 Menschen zu versorgen", sagt der DRK Mann. Am ersten Tag will das DRK 50 überwiegend ehrenamtliche Helfer abstellen, in den folgenden Tagen sollen es dann durchgehend mindestens acht sein. Auch die Mediziner sind in der Regel Ehrenamtler. Darunter auch ein Rumäne, der mehrere slawische Sprachen spricht. Der Bunte Tisch, so Michael Rüddel vom Sozialamt der Stadt, bemühe sich um einen Dolmetscher für arabische Sprachen.

Die Lage der Unterkunft, mitten in einem Wohngebiet, am Rande des Ortskerns, ist für eine Flüchtlingsunterkunft nicht schlecht. Zudem sind die Schulgebäude atriumartig um den mit Spielgeräten und Tischtennisplatten ausgestatteten Schulhof angeordnet, so dass das soziale Leben draußen stattfinden kann, ohne dass Anwohner gestört werden.

An denen ist der Trubel nicht spurlos vorbeigegangen. Nachdem unsere Zeitung online am Donnerstag über die anstehende Einrichtung der Notunterkünfte berichtet hatte, verbreitete sich die Nachricht über die sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Die ersten Reaktionen fallen unter dem Strich positiv aus. "Super finde ich das", sagt Anthea Stephan (18). Anna Pradella möchte nur wissen, ab wann sie Spenden abgegeben kann. "Ich habe Kleider und Spielsachen." Aber es gibt auch andere Stimmen. "Meine Enkelin wird jetzt sicher nicht mehr ins Spielhaus gehen", sagt Max Kraemer (58). Auch eine andere Nachbarin hat Bedenken. Allerdings nicht wegen der Flüchtlinge. Kornelia Koch (52): "Ich habe Angst vor Rechtsradikalen."

In unserer Serie "Auf der Flucht" berichten wir über die aktuelle Flüchtlingslage in NRW. 

Quelle: RP