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Moers
Adolfiner spielen "In Flanders Fields" mit ausdruckstarken Texten

Moers: Adolfiner spielen "In Flanders Fields" mit ausdruckstarken Texten
Die Gymnasiasten überzeugten mit einer tollen Leistung auf der Bühne. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Mit drei Aufführungen sorgt der Literaturkurs Q1 des Gymnasiums für Nachdenklichkeit. Das Publikum bezeugte Respekt für das schwere Thema. Von Sabine Hannemann

Im Mittelpunkt steht die Zweite Flandernschlacht bei Ypern ab Frühjahr 1915. In dem Gedicht "In Flanders Fields" beschreibt Lieutenant Colonel John McCrae den Verlust seines Freundes. Die von ihm beschriebenen blutroten Mohnblumen sind seitdem Symbol, werden auf den Kriegsgedenkstätten zum 11. November, dem "Remembrance Day", niedergelegt.

In Anlehnung an McCrae näherte sich der Kurs der Weltkriegsthematik, recherchierte in Statistiken, las Berichte von Zeitzeugen und Feldpostbriefe. Mit den Lehrern Christopher Watkins und Regine Meyering sowie dem Theaterpädagogen des Moerser Schlosstheaters, Holger Runge, entwickelte die Schuljugend das Theaterprojekt, das zwar ein Datengerüst zu den Ereignissen lieferte, sich aber weg vom diplomatischen Parkett bewegte.

"Alle Szenen stammen von den Schülerinnen und Schülern und zeigen, wie sie heute diese Kriegsereignisse sehen", sagt Runge. Interesse für Geschichte wecken, Zusammenhänge erkennen, die andere Seite der Medaille erfahren, all das bot den jungen Erwachsenen den roten Faden in der Erarbeitung. "Das Ereignis Erster Weltkrieg war im Grundwissen vorhanden. Sie haben einen Zugang aus unserer Zeit zu dem Kapitel deutscher Geschichte geschafft, das gut 100 Jahre her ist", so Runge.

Der rund 30-köpfige Kurs reiht verschiedene Szene aneinander, kommt mit wenigen Requisiten dank ausdrucksstarker Texte aus. Aus der Perspektive ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen thematisieren sie das Jahrhundert verändernde Ereignis, zeigen historisches Filmmaterial mit einem pulsierenden Berlin jener Tag. Das Attentat von Sarajewo zieht die Mobilmachung nach sich, Kaiser Wilhelm II. ruft das Reich "Auf zu den Waffen".

Wie die Bevölkerung darauf reagiert, spiegeln die verschiedenen Szenen in der Aula wieder. In den damaligen Klassenzimmern nimmt die Vorstellung als Held aus dem Krieg heimzukehren fatale Züge an. "Jede Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ", die Kriegsbegeisterung grassiert, die schnell von den Listen der Kriegstoten gedämpft wird. Familienangehörige, Väter, Brüder, Ehemänner sterben bei den Schlachten wie in Flandern sinnlos, so lautet die grausame Wahrheit in den Schülerdialogen.

Was macht der Krieg mit den Menschen? Frauen arbeiten in der Rüstungsindustrie, in den Lazaretten. Traumatisierte Kriegsheimkehrer finden sich mit ihren Erlebnissen in den Schützengräben oder als Invaliden nicht mehr im Leben und in ihren Familien zurecht. Mütter weinen um ihre Kinder, ihre Männer, junge Frauen um ihren Liebsten und zerstörte Lebensträume.

Knapp 30 junge Erwachsene nehmen ein Publikum mit, faszinieren durch Dialoge und fordern Respekt heraus für den Mut, ein solche anspruchsvolles Thema gewählt zu haben.

Eindrucksvoll die Schlussszene mit der Frage: "Wer ist in Wirklichkeit der Sieger?" Stehender Applaus zeigte, wie sehr die schauspielerische Leistung und das Thema berührten.

Heute findet um 19.30 Uhr die dritte Aufführung in der Aula des Adolfinums statt. Die Karten kosten vier Euro. Die Theater-AG der Unterstufe führt zuvor ein weiteres Stück auf.

Quelle: RP
 
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