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Moers
Ärzte über den Angelina-Jolie-Effekt

Moers. Anlässlich des 13. Moerser Brusttages informierte das Bethanien-Krankenhaus über das erbliche Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Zunächst referierte Dr. Peter Tönnies, Leiter der Frauenklinik, am Mittwochnachmittag zum Thema: "Der Angelina-Jolie-Effekt - Komme ich aus einer Krebsfamilie?". In dem Vortrag hob er hervor, dass jede neue Patientin der Frauenklinik einen detaillierten Fragebogen ausfüllen müsse, mit dem ermittelt werden könne, ob eine erbliche Vorbelastung bestehe. "Nur wenn wir hier genau arbeiten, können wir eine sichere Risikoeinschätzung vornehmen", betonte Tönnies. Träger der Hochrisikogene BCRA1 oder BCRA2, zu denen auch Angelina Jolie zählt, hätten ein 50 bis 80 Prozent höheres Risiko, in ihrem Leben an Brustkrebs zu erkranken. Jolie, die sich 2013 beide Brüste vorsorglich amputieren ließ, da sie Trägerin des BCRA1-Gen ist, hatte weltweit ein vermehrtes Interesse an Brustdiagnostik und genetischer Beratung ausgelöst. Bezüglich der Entscheidung der Schauspielerin zitierte Tönnies folgenden Satz der Professorin der Kölner Uni-Klinik Kerstin Rhiem: "Der Fall Angelina Jolies kann keinesfalls als Exempel für alle Frauen gelten." Ob eine Frau Trägerin eines Hochrisikogens ist, kann durch einen Gentest ermittelt werden. Durchgeführt wird der, wenn die Patientin aus einer Risikofamilie stammt. Dafür hat das Deutsche Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs verschiedene Kriterien festgelegt, die der Chefarzt der Frauenklinik näher ausführte.

Frauen, die laut Kriterien wie im Fall der Schauspielerin Angelina Jolie aus einer Risikofamilie stammen, sollten sich in jedem Fall bei einer der 15 universitären Kliniken in Deutschland betreuen und beraten lassen. "Das Bethanien-Krankenhaus arbeitet mit der Universitätsklinik in Köln zusammen. Die Kooperation verläuft gut", sagt Tönnies.

Ein Bewegungsteil zum Ausgleich für das vierzigminütige Sitzen, eine Modenschau für Perücken der Firma Rieswick aus dem Münsterland und Stände zur Information über Brustimplantate, Austauschplattformen und Brustprothesen rundeten den Vortrag ab.

Zwischen den Besuchern fand beim anschließenden Imbiss in der Caféteria ein reger Austausch statt.

Informationen zu den Kriterien für eine Risikofamilie gibt es im Internet unter: konsortium-familärer-brustkrebs.de

(jam)
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