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Moers
Alte Benimmregeln für junge Menschen

Moers: Alte Benimmregeln für junge Menschen
Restaurant-Teamchef Falko Welling führt die Schüler in die Welt von Knigge & Co. ein. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Kniggeschulung für angehende Abiturienten: 16 Schüler der Hermann-Runge-Gesamtschule haben im Romantikhotel "Zur Linde" gelernt, wie sie sich bei Begrüßung, Smalltalk und Essen zu verhalten haben. Von Peter Gottschlich

In Schale geworfen hatten sich 16 Zwölftklässler der Hermann-Runge-Gesamtschule. Die jungen Damen hatten sich in schwarze Abendkleider gehüllt, die Herren in dunkle Anzüge, um bei einer Kniggeschulung "fit for life" im Romantikhotel "Zur Linde" zu lernen, wie "frau" oder "man" sich in der Gesellschaft richtig benimmt.

"Herzlich willkommen", begrüßte Falko Welling die Schüler, die von ihren Lehrerinnen Birgit Nöthhorn und Karin Schulte begleitet wurden. Der Restaurant-Teamchef erläuterte, wie man sich richtig begrüßt. Dies hänge vor allem von der Situation ab. Einen Freund begrüße man mit Handschlag. In einer großen Runde, in der man kaum jemand kenne, sage man "Guten Tag" und nenne seinen Namen.

Dabei könnten sich Regeln ändern, auch beim Äußeren. "Piercing ist noch nicht erlaubt", berichtete der 30-jährige Restaurant- und Hotelfachmann. Vielleicht sehe das in einigen Jahrzehnten anders aus. Er erläuterte, welche Themen beim Smalltalk am besten nicht angesprochen werden sollten, zum Beispiel Religion und Politik, Sport und Geld. Übrig blieben vor allem die Hobbys.

Falko Welling erzählte vor einem gedeckten Tisch, wie man aus Gläsern und Besteck die Menüfolge ablesen könne. Das kleine Weinglas sei für Weißwein bestimmt, der meist zum ersten und zweiten Gang gereicht werde, die später Ochsenherztomate mit Büffelmozzarella und Thunfischkonfekt auf Spaghetti in feinem Pesto sein sollten. In das große Weinglas werde Rotwein gefüllt, der zum Hauptgericht gereicht werde. An diesem Abend war es Kalbshüfte mit Apfel-Meerrettich-Sauce, frühlingshaftem Gemüse und Kartoffelstrudel, nachdem als Zwischengang ein Sorbet aufgetischt worden war.

Der Restaurant- und Hotelfachmann Welling stellte das Besteck vor, das man von außen nach innen benutze, beispielsweise Dessertgabel und Dessertlöffel, mit denen die Schüler am späten Donnerstagabend Crème brûlée mit frischen Himbeeren aßen. Damit schlossen sie ihr Fünf-Gänge-Menü ab. "Einiges wusste ich schon, zum Beispiel die Besteckfolge", meinte der Zwölftklässler Tobias Hätzel (18). "Andere Dinge kannte ich noch nicht, wie das besondere Fischmesser."

Die anderen 15 Schüler und er präsentieren im Juni in Köln, was sie bei der Kniggeschulung gelernt haben. Dabei stellen sie auch vor, was sie an den anderen Tagen des Projektes "Noch mehr fürs Leben lernen" mitgenommen haben, welches an der Hermann-Runge-Gesamtschule vor allem in der Woche vor dem 3. Oktober lief. Themen waren unter anderem Finanzkompetenz, Talententwicklung und Präsentationstechnik.

Dazu besuchten die Schüler, die in rund einem Jahr ihr Abitur ablegen, im Januar in Duisburg das Musical "Cabaret" von John Kander. Finanziert wurde das Projekt durch die Sparda-Bank, die in Moers mit einer Filiale am Neumarkt vertreten ist.

Quelle: RP
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