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Moers
Amprion: Kleingärtner zittern um Parzellen

Moers. Stromautobahn soll durch Anlagen Am Frankenfeld und Im Wiesengrund führen. Die Planung liegt aber auf Eis. Von Josef Pogorzalek

Auf den Stromnetz-Betreiber Amprion ist Johannes Walbrunn schlecht zu sprechen. "Die beruhigen und beschwichtigen nur", sagte gestern der Vorsitzende des Kleingartenvereins Am Frankenfeld. Die seit Jahren diskutierten Pläne für eine neue "Stromautobahn" haben die Kleingärtner verunsichert. "Wir haben keine Ahnung, was kommt", sagte Walbrunn. Genauso gehe es den Kollegen in der benachbarten Kleingartenanlage Im Wiesengrund. Die Gärtner fürchten um die Zukunft ihrer Parzellen, wenn die jetzt mitten durch die Anlagen verlaufende Stromtrasse durch die neue ersetzt wird. Die Masten werden mit 60 Metern Höhe riesige Ausmaße haben; die jetzigen sind 40 Meter hoch. "Die Fundamente werden gigantisch", befürchtete Walbrunn. Er glaubt, dass viele Parzellen "geopfert" werden müssen und dass die Gartenanlage durch die Bauarbeiten extrem leiden wird.

Die beiden Kleingartenanlagen haben derzeit rund 100 Parzellen. Ein Generationenumbruch stehe in seinem Verein an. "50 Prozent unserer Pächter sind über 75 Jahre alt", sagte Walbrunn. "Was sollen wir neuen Interessenten sagen, wenn nicht sicher ist, ob bestimmte Parzellen in ein paar Jahren überhaupt noch da sind?"

Die Kleingärtner haben sich der Initiative "Moers unter Hochspannung" angeschlossen. In der nächsten Woche wollen sie bei einem Infoabend auf ihre Sorgen aufmerksam machen. Bürgermeister Christoph Fleischhauer sei "als unser gewählter Interessensvertreter" zu der Veranstaltung eingeladen. Zwar habe man vielfach mit Politikern gesprochen, die Verständnis für das Anliegen gezeigt hätten, sagte gestern Helmut Breitfeld, Vorsitzender der Initiative. Doch eine echte Unterstützung seitens der Politik sei bislang ausgeblieben. Die Initiative fordert unter anderem eine alternative Trasse der Stromautobahn abseits von Wohngebieten, nämlich entlang der A42. Der heutige Stand der Technik erlaube andere, "bürgerfreundliche" Möglichkeiten, Strom weiterzuleiten, zum Beispiel durch unterirdische Kabel. Es habe bereits einen politischen Vorstoß in dieser Richtung gegeben, so Breitfeld, der aber offenbar auf Betreiben von Amprion hin aufgegeben worden sei. Walbrunn wies auf Erdkabel-Trassen in Süddeutschland hin, die ein anderer Stromnetzbetreiber anlegen wolle. Amprion selbst sei an einem Erdkabel-Projekt zwischen Köln und Belgien beteiligt.

Amprion-Pressesprecher Claas Hammes erläuterte gestern, dass es nicht in der Macht des Unternehmens liege, beliebig Erdtrassen anzulegen. Weltweit fehle es an Erfahrungen mit dieser Technik, dies deshalb in Deutschland in Pilotprojekten erprobt werden solle. Das Energieleitungsausbaugesetz sehe bisher nur vier solcher Pilotprojekte in Deutschland vor. Eines werde bei Raesfeld umgesetzt, was mit den dort "unkomplizierten" Bodenverhältnissen zusammenhänge.

Ob und wie die beiden Kleingartenvereine durch den Bau der neuen Trasse in Mitleidenschaft gezogen werden, konnte Hammes nicht sagen. Auf jeden Fall würden die neuen Masten "Punkt auf Punkt" gebaut - jeder heutige Mast werde durch einen neuen ersetzt. Derzeit liege die Planung für die Stromautobahn allerdings auf Eis. Grund sei ein Referentenentwurf für ein weiteres Erdkabelprojekt, der in Berlin diskutiert werde. Werde der Entwurf angenommen, werde sich dies auf die umstrittene Trasse auswirken. Wie genau, sei offen. Fest stehe allerdings: Diese Trasse selbst werde nicht unterirdisch angelegt.

Die Infoveranstaltung von "Moers unter Hochspannung" findet statt am Donnerstag, 27. August, 18.30 Uhr im Vereinsheim des Kleingartensvereins Am Frankenfeld.

Quelle: RP
 
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