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Moers
Amprion sieht Klage gelassen entgegen

Moers: Amprion sieht Klage gelassen entgegen
Die Kurven zeigen den Geräuschpegel in der Nacht vom 14. auf den 15. April, 20 bis 8 Uhr, aufgezeichnet durch den Tüv (rot: Messung an einer Trafobank, blau: Messung am nordwestlichen Anlagenzaun). FOTO: Amprion
Moers. Nach Kritik der Bürgerinitiative "Moers unter Hochspannung" an nächtlichem Lärm rund um das Umspannwerk Utfort hat der Netzbetreiber den TÜV eingeschaltet. Nach dessen Erkenntnissen werden die Grenzwerte eingehalten. Von Josef Pogorzalek

Tag und Nacht summen die Trafos und prasseln die Leitungen im Umspannwerk Utfort. Wie viel von dem Lärm kommt wohl in und an den benachbarten Wohnhäusern an? Über die Frage wird seit Jahren gestritten. Nach Ansicht vieler Anwohner und der Bürgerinitiative "Moers unter Hochspannung" ist es rund um die Anlage vor allem nachts zu laut. Jetzt hat die Bürgerinitiative eine Klage gegen den Netzbetreiber Amprion angekündigt (wir berichteten). Anlass sind eigene Messungen an drei Apriltagen nach 23 Uhr. Dabei hat die Bürgerinitiative Schallpegel von 38,4 beziehungsweise 36,8 und 40,2 dB (A) ermittelt - der nächtliche Grenzwert für reine Wohngebiete liegt bei 35 dB (A).

Amprion hat den TÜV Nord beauftragt, die von der Bürgerinitiative ermittelten Werte für die betreffenden Tage und Uhrzeiten mit professionellen Messungen zu vergleichen. Die Fachleute kamen für alle drei von der Bürgerinitiative angegebenen Zeitpunkte auf den zulässigen Wert von 34 dB (A). Dieses Ergebnis hat Amprion der Bürgerinitiative in einem Brief mitgeteilt. "Wir sind gerne bereit, mit den Bürgern in einen fachlichen Dialog zutreten", sagte Amprion-Pressesprecher Andreas Preuß.

Bei einem Termin im Umspannwerk hat der Amprion-Umweltbeauftragte Siegbert Gesang unserer Redaktion gezeigt, wie die Lärmemissionen der Anlage überwacht werden. An einem "kritischen Punkt", direkt am Nordwestlichen Grenzzaun (dort seien die Wohnhäuser am nächsten), steht seit Februar eine TÜV-Messanlage, die kontinuierlich die Geräuschkulisse misst und die Werte aufzeichnet. Eine weitere Messanlage befindet sich in einiger Entfernung direkt an einer Trafobank. Ein Vergleich der Messkurven beider Stationen zeigt, dass Schwankungen im Summen der Trafos sich nicht unbedingt in den am Zaun ermittelten Werten widerspiegeln. Und: Auch wenn der Trafo nachts über Stunden kaum die Lautstärke ändert, sinkt der Geräuschpegel am Zaun. Laut Gesang ist dies eine "eindeutige Indikation" dafür, dass bei den Messungen auch die Umgebungsgeräusche eine Rolle spielen - wie zum Beispiel Verkehrslärm. Es sei extrem schwierig, messtechnisch festzustellen, welcher Anteil der Geräuschkulisse auf die Umspannanlage zurückgehe.

Die bloßen Aufzeichnungen des TÜV (siehe Grafik) scheinen der Bürgerinitiative in die Hände zu spielen: Tatsächlich liegen die nächtlichen Werte bei Messanlage am Zaun durchgängig und teils deutlich über 35 dB (A). Dass lediglich 34 dB (A) in den Wohngebieten ankommen, hat der TÜV mithilfe der Messwerte sowie einer Computersimulation errechnet. Sie komme zum Einsatz, weil es eben so schwer sei, in einer realen Messung den Anlagenlärm vom sonstigen Lärm zu trennen. Das Verfahren sei technisch einwandfrei und anerkannt, sagte Gesang. Amprion sei bundesweit tätig. "Ich kenne keinen Fall, wo wir mit einer Überwachungsmessung auf die Nase gefallen wären."

Amprion tauscht derzeit in Utfort Trafos aus und baut Lärmschutzwände. Eine weitere Wand werde bis Oktober hochgezogen. Eine komplette Einhausung der Trafos würde wohl für mehr Ruhe sorgen. Sie wäre aber ungleich aufwendiger zu realisieren. Die Maßnahmen genügten zur Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte. Gesang zeigte aber auch Verständnis für die Klagen mancher Menschen. "Ich glaube, es gibt Leute, die besonders sensibel auf Lärm reagieren." Die gültigen Normen nützten diesen Menschen wenig: "Den Vorschriften liegen Mittelwerte zugrunde."

Die Umspannanlage in Utfort sei "enorm wichtig für die Stromversorgung in der Region", betonte Andreas Preuß. Ebenso wichtig und nötig sei die geplanten neuen Stromleitung, gegen die sich die Utforter Bürgerinitiative stemmt. Die Leitung seien Teil einer Trasse, mit der umweltfreundliche Windenergie von der Nordseeküste in den Süden Deutschlands transportiert werden soll. Die regenerativen Energien seien auf dem Vormarsch, der Netzausbau hinke hinterher. So müssten, weil Leitungskapazitäten fehlten, immer wieder Windkraftanlagen abgeschaltet und stillgelegte Kraftwerke hochgefahren werden, um die Menschen mit Strom zu versorgen. "Das kostet die Gebührenzahler jährlich insgesamt eine Milliarde Euro", sagt Preuß.

Quelle: RP
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