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Moers
Anekdoten aus dem Alltagsleben

Moers: Anekdoten aus dem Alltagsleben
Andi Substanz liest seinen Slam-Text vom Blatt ab. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Fünf Teilnehmer trugen im "Bollwerk 107" selbst verfasste Texte vor. Die Themen reichten vom partnerschaftlichen Zusammenleben über die "German Angst" bis zu den Problemen älterer Herren. Von Jutta Langhoff

Wortgewaltige Gedichte voller sprachlicher Bilder, leidenschaftliche literarische Bekenntnisse, kleine, witzige Anekdoten aus dem Alltagsleben und fantasievolle Neuschöpfungen einer neuen Welt: Wenn alle zwei Monate junge und weniger junge Wortkünstler in der Kneipe des Moerser Jugend-Kultur-Zentrums "Bollwerk 107" beim Poetry Slam ihre Werke einem kritischen Publikum vorstellen, ist meistens alles dabei. So auch an diesem Freitag. Mit Ralph Beyer aus Wuppertal, Peter Gottschlich aus Kamp-Lintfort, Lukas Knoben aus Mönchengladbach, Malte Morgenmuffel aus Duisburg, sowie Michael Schumacher aus Xanten und Andy Substanz aus Münster und hatten sich diesmal insgesamt sechs Teilnehmer für den regelmäßig von dem Viersener Markim Pause veranstalteten Wettbewerb angemeldet und waren bis auf Malte Morgenmuffel auch alle erschienen.

Die Mitmachbedingungen waren einfach. Jeder Teilnehmer durfte zweimal sechs Minuten seine natürlich nur von ihm selber geschriebenen Texte vortragen und wurde dafür jedes Mal von einer zu Beginn spontan aus dem Publikum zusammengesetzten, fünfköpfigen Jury mit einer Note zwischen eins und zehn bewertet. Die Eins galt dabei laut Veranstalter Markim Pause für "Texte, die eigentlich niemals hätten geschrieben werden dürfen", während die Note zehn für jene vorgesehen war, die es schaffen würden, "einen kollektiven Orgasmus" bei den Hörern auszulösen".

Um es schon mal vorweg zu nehmen: Die Zehn schaffte an diesem Abend keiner der Teilnehmer, einige Neunen konnten allerdings erreicht werden. Den Anfang im ersten Durchlauf machte Peter Gottschlich mit einer Alltagsgeschichte aus seinem vor zwei Jahren erschienenen Buch "Bitte nicht weiterlesen". Ihm folgte der 58-jährige Michael Schumacher aus Xanten mit einem Beitrag über ältere Herren. Anschließend las der Wuppertaler Ralph Beyer dann einen Text zur allgegenwärtigen Aufdringlichkeit überlauter Smart-Phone-Schwätzer, während Andy Substanz aus Münster in einer rasanten Kaskade aus sprachlichen Bildern seine ganz persönliche Selbsteinschätzung und Lukas Knoben eine gereimte Liebeserklärung an das Schreiben an sich präsentierte. Im zweiten Durchgang ging es dann in umgekehrter Reihenfolge bei Lukas Knoben um ein schreckliches Sonnenbranderlebnis, bei Andy Substanz um die gestalterische Macht bunter Graffitis in grauen Städten, bei Ralph Beyer um eine makabre Liebeserklärung an seine Nachbarin Veronika, bei Michael Schumacher um terroristische Haushaltsgegenstände und bei Peter Gottschlich um verlorene Autoschlüssel und andere chaotische Freuden des partnerschaftlichen Zusammenlebens. Am Ende setzte sich dann durch die Länge und Lautstärke des Publikumsapplauses entschiedenen Vorsprungs der Xantener Michael Schumacher mit einer Persiflage über die "German Angst" vor der islamischen Überfremdung als Sieger durch.

Der nächste poetische Wettbewerb im "Bollwerk 107" findet am 18. November ab 20 Uhr statt.

Quelle: RP
 
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