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Moers
Angehende Notfallseelsorger üben für den Ernstfall

Moers. Ehrenamtler haben mit der Freiwilligen Feuerwehr simuliert, wie sie bei der Rettung eines angefahrenen Radfahrers helfen können.

Unfälle sind immer schrecklich, und das nicht nur für die Opfer. Auch Zeugen, Angehörige und sogar Helfer können davon schwer betroffen werden. Sie in solchen Situationen nicht allein zu lassen, ist eines der Anliegen der Notfallseelsorge.

Anfangs waren es meist Pfarrer oder andere Kirchenvertreter, die den Betroffenen am Unfallort seelische Hilfe leisteten, inzwischen lassen sich aber immer häufiger auch Nichttheologen zu Notfallseelsorgern ausbilden. Im Kreis Wesel sind es zurzeit 23. Gut ein Jahr lang besuchen sie dafür alle zwei bis drei Wochen ganztägige Übungsseminare, und nehmen zwischendurch zusätzlich an realen Feuerwehr- und anderen Rettungseinsätzen teil.

Am Samstag trafen sie sich zu einem ihrer Übungsseminare in der Kapellener Feuerwache. Gemeinsam mit zwölf freiwilligen Feuerwehrleuten trainierten sie dort knapp zwei Stunden lang unter der Leitung ihres Ausbilders Pfarrer Bernhard Ludwig ihre zukünftigen Rollen bei der exemplarischen Rettung eines von einem Auto angefahrenen Fahrradfahrers. Dabei galt es, während der Bergung und Versorgung des Opfers durch die Feuerwehr insgesamt fünf verschiedene Personen seelsorgerisch zu betreuen, einen unverletzten, sehr nervösen Beifahrer, einen aufgebrachten, aggressiven Zeugen, einen vor Schrecken gelähmten Angehörigen, sowie den völlig geschockten Fahrer des Unfallfallwagens und einen mit dem Unfallopfer befreundeten Feuerwehrmann. "Jeder Mensch reagiert anders auf eine erlebte Unfallsituation. Manche rennen hilflos hin und her, andere stehen nur da und starren vor sich hin. Das zu erkennen und dafür die richtige Ansprache zu finden, ist Sinn dieser Übungen", erklärte Bernhard Ludwig die unterschiedlichen Persönlichkeitsvorgaben. Darüber hinaus brauche es Training um nicht selber von den Unfalleindrücken überwältigt zu werden. "Notfallseelsorge ist keine leichte Aufgabe."

Das war auch Kerstin Walter klar. Die 49-jährige medizinische Verwaltungsangestellte hatte sich auf einen Aufruf ihrer Kirchengemeinde für die Ausbildung beworben und war nach einem Gespräch mit ihrem Pfarrer angenommen worden. "Ich fühle einfach in mir, dass ich helfen möchte", begründete sie ihr Engagement. Zurzeit gibt es im Kreis Wesel knapp 50 fertig ausgebildete Notfallseelsorger. Sie alle arbeiten ehrenamtlich und werden bei Bedarf von den Unfallrettungskräften angefordert. Darüber hinaus betreuen sie auch Angehörige bei häuslichen Todesfällen, verletzte Kinder, Suizid gefährdete Personen, sowie Opfer von Gewaltverbrechen und begleiten Polizeibeamte bei der Überbringung von Todesnachrichten. Die deutsche Notfallseelsorge ist, obwohl sie ihre Hilfe unabhängig von Herkunft, Religion und Weltanschauung gewährt, dennoch eine von christlichen Glaubenswerten getragene Einrichtung.

(lang)
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