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Moers
Ansichtssache: Moers zu Uropas Zeiten

Moers: Ansichtssache: Moers zu Uropas Zeiten
Moers. Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein hat zum zweiten Mal Reproduktionen historischer Postkarten herausgegeben. Von Josef Pogorzalek

Heute bezeichnet "Königlicher Hof" wenig mehr als den Moerser Busbahnhof. Dabei war dieses Fleckchen Stadt einst so beschaulich. Siehe die alte Postkarte, die der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein zusammen mit anderen Reproduktionen jetzt herausgegeben hat: Im Vordergrund ist das schmiedeeiserne Gitter der Steintorbrücke zu erkennen, dahinter das "Hôtel Zum Königlichen Hof", über dessen Eingang die schwarz-weiß-rote Reichsflagge flattert. Der Name des Gasthauses ging auf den Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. zurück. Majestät war dort 1852 abgestiegen, anlässlich der 150-Jahr-Feier der Zugehörigkeit der Grafschaft zu Preußen.

Zum zweiten Mal nach 2014 hat der Museums- und Geschichtsverein eine Edition alter Ansichtskarten veröffentlicht. "Der Erfolg der ersten Ausgabe hat uns ermutigt", sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Wilfried Scholten. Das Interesse an Moers, wie es früher ausgesehen hat, sei offenbar groß. Auch die beiden Kalender mit alten Postkartenmotiven, die der Verein für 2015 und 2016 herausgegeben hat, hätten Anklang gefunden.

Das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Kaufhaus Korthäuer, später wurde es von der Familie Braun übernommen. FOTO: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein

Die acht nachträglich kolorierten Fotografien, Ende des 19., Anfang des 20 Jahrhunderts entstanden, sind - vergrößert - bereits in den Jahreskalendern des Vereins erschienen. Die Druckqualität der zweiten Postkarten-Serie sei deutlich besser als die der ersten, sagt Scholten. "Wir wollten nah am Original bleiben." Auch beim Format. Das sei für Sammler wichtig.

Historischen Wert misst Scholten dem Foto des Königlichen Hofs bei. Das Attribut verdienen auch andere Motive. Wie eine Ansicht des Kaufhauses Korthäuer, wie viele andere Gebäude Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Der 1904 auf Schacht IV aufgenommene Bergbau sorgte für Aufschwung. "Die Kaufmannschaft reagierte mit einem Totalumbau der Innenstadt", sagt Scholten. 1920 übernahm die Duisburger Familie Braun das Kaufhaus. Unter ihrem Namen hat es, nach mehrmaligen Um- und Neubauten, bis heute überdauert.

Homberger Straße in Blickrichtung Bahnhof. Links das Kaufhaus Germania.

Der Fundus an Ansichten vom Moers der Gründerzeit ist beachtlich. Fotografen wie Wilhelm Bergmann und Ewald Steiger lieferten viele Motive für Postkarten, die damals sehr beliebt waren. Der Museums- und Geschichtsverein kann auf Bestände des Stadtarchivs oder des Grafschafter Museums zurückgreifen. Auch Sammlern wie Gregor Boese oder Marc Kniffka ist der Verein zu Dank verpflichtet.

"In vielen Postkarten stecken lange Geschichten", sagt Wilfried Scholten. Beispiel: Die Karte mit dem Mattorn, dem letzten historische Stadttor, Teil des damaligen Rathauses. Die Kaufleute der "Neustadt" fühlten sich durch den Turm mit seinem schmalen Bogendurchlass abgeschnitten. Nach jahrelangen Diskussionen wurde er 1907 abgerissen. Die Auflage des Denkmalschutzes, ihn einige Meter entfernt neu zu errichten, verschwand nach weiteren Debatten 1912 vom Tisch. Anfang der 50er Jahre feierte das Mattorn doch noch eine Art Auferstehung: Der Turm am Rathaus-Neubau an der Unterwallstraße wurde ihm nachempfunden.

Das "Hôtel Königlicher Hof", dahinter (mit zwei Giebeln) das in den 1880er Jahren gebaute Postamt.

Die Postkarten sind im Moerser Schloss, Buchhandlungen sowie bei einigen Einzelhändlern erhältlich. Preisempfehlung: 50 Cent.

Quelle: RP
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