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Moers
Arbeitslose holen Tauben von der Straße

Moers: Arbeitslose holen Tauben von der Straße
Bürgermeister Christoph Fleischhauer (2. von links) gefiel gestern die Kombination von Arbeitslosenhilfe und Stadtverschönerung. Das Foto zeigt ihn mit Ömer Celik, Martin Waliczek und Pierre Lewin (von links) im Taubenhaus am Bahnhof. FOTO: klaus dieker
Moers. Im Taubenhaus am Moerser Bahnhof entdecken Langzeitarbeitslose neu, was es heißt, einer geregelten Beschäftigung nachzugehen. Gleichzeitig helfen sie, den Bestand an Stadttauben zu regulieren. Von Josef Pogorzalek

Irgendwann, wenn der letzte Mensch gestorben ist, werden die Stadttauben ein Fest feiern und sich schieflachen über die Versuche des Homo Sapiens, gegen sie anzukämpfen. Bis dahin wird sich der Mensch aber ärgern über die "Ratten der Lüfte", die sich rasend vermehren und ganze Viertel mit Kot überziehen. Und er wird darüber nachsinnen, wie er die gefiederte Pest wenn nicht ausrotten, so doch zumindest eindämmen kann. Ein schönes Beispiel, wie das gelingt, gibt es ist in der Nachbarschaft des Moerser Bahnhofs: das von der Fachwerk Kreis Wesel gGmbH getragene und vom Jobcenter finanzierte Taubenhaus. Das Schöne daran: Der Nutzen für die Öffentlichkeit - die Eingrenzung der Taubenplage - ist nur ein Nebeneffekt. Eigentlich geht es darum, Langzeitarbeitslose wieder an eine geregelte Beschäftigung heranzuführen.

Vor zehn Jahren wurde der Taubenschlag in einer alten Güterbahnhofshalle eingerichtet. Das Kratzen metallener Schaber ist dort so allgegenwärtig wie das Gurren von 500 Tauben. Mit den Schabern entfernen Teilnehmer der in der Regel ein halbes Jahr dauernden Maßnahme den Taubenkot vom Boden und regalartigen Brettern, auf denen die Tiere hocken. Rund 25 Liter Kot und Futterreste fallen täglich an.

Zwölf Plätze für Langzeitarbeitslose stehen zur Verfügung. Neben der Hege und Pflege der Tiere sind handwerkliche Arbeiten zu erledigen: Reparaturen oder der Bau von Taubenhäusern für andere Kommunen, Firmen oder private Auftraggeber. Erst vor ein paar Wochen haben die Männer einen Taubenschlag für die Stadt Bottrop errichtet. Sie kommen auch raus, wenn irgendwo Tauben zu "entsorgen" sind. Wie seinerzeit in einem Moerser Hotel, wo eine Schar der Vögel einen Dachboden okkupiert hatte.

"Die Leute sind sehr gerne hier", versicherte gestern Martin Ostwald, einer von zwei Anleitern der Ein-Euro-Jobber. Auch die Tauben fühlen sich wohl, jedenfalls nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungszeit, in der sie eingesperrt werden. "Sie sind faul und bleiben da, wo ihr Futter ist", erklärte Ostwald. Das Futter bekommen die Tauben täglich serviert. Dass sie in diesem Tauben-Schlaraffenland betrogen werden, merken sie anscheinend nicht: Legen die Vögel Eier, so tauschen die Projektteilnehmer diese gegen Plastikeier aus und unterbinden dadurch die Vermehrung der Tiere.

Mit 500 Tauben ist die Kapazität des Schlags am Bahnhofs ausgeschöpft. Natürlich gibt es aber viel mehr lästige Stadttauben in Moers. So dachte Bürgermeister Christoph Fleischhauer gestern bei einem Besuch des Projekts laut darüber nach, ob sich an anderen Stellen nicht ähnliche Taubenheime einrichten ließen. Namentlich den Königlichen Hof hatte er dabei im Sinn. Corinna Artus, Geschäftsführerin der Fachwerk gGmbH, schlug vor, auf dem Parkdeck am Kö einen Taubenschlag aufzustellen. Dazu müsste die Stadt aber einen Auftrag erteilen. Gegen eine Erweiterung des Taubenhaus-Projekts spreche grundsätzlich nichts, vorausgesetzt das Jobcenter ziehe bei der Finanzierung mit. In diesem Jahr sei nichts mehr zu machen, sagte Angela Preuß, stellvertretende Bereichsleiterin des Jobcenters. Für die Zukunft "müsste man gucken". Die Gesamtkosten für das Taubenhaus am Bahnhof betragen jährlich 22000 Euro.

Quelle: RP
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