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Moers
Archäologen finden den Ostturm des Schlosses

Moers: Archäologen finden den Ostturm des Schlosses
Die Ringmauer (oben) wurde 2011 freigelegt. Wer genau hinschaut, erkennt den Durchbruch, der einst in den Ostturm (unten) führte. Museumsleiterin Diana Finkele steht vor dem Ausgrabungsbereich mit den Rundnischen. FOTO: Reichwein
Moers. Der Schlossinnenhof wird neugestaltet. Bei Sondierungsgrabungen wurden im Erdreich vier Rundbogen-Nischen entdeckt. Von Anja Katzke

Die Experten sind sich ziemlich sicher: Der Ostturm des Moerser Schlosses ist gefunden. Bei den aktuellen Ausgrabungen im Innenhof stießen Archäologen im abgetragenen Erdreich an drei Seiten auf bogenförmige Steinnischen. "Das Quadrat, das Sie hier sehen, ist vermutlich das Erdgeschoss des Ostturms", sagt Museumsleiterin Diana Finkele. Vier Rundbögen wurden bei den Arbeiten in diesem Frühjahr freigelegt. Entdeckt wurden sie im Zuge der geplanten Neugestaltung des Schlossinnenhofs. Geplant ist in diesem Rahmen unter anderem der Durchbruch zum Werkstatthof des Schlosstheaters. Außerdem möchte man das Tonnengewölbe und den Wehrgang vom Innenhof her zugänglich machen. "Das war bisher nur von der anderen Seite aus möglich, dem Betriebshof des Schlosstheaters", erläutert Diana Finkele.

Der heute unterirdische Wehrgang mit den Schießscharten verläuft in Richtung des katholischen Kindergartens und verzweigt sich dann. Die Planungen sehen vor, den Gang vom Tonnengewölbe aus zu beleuchten, um den Schlossbesuchern künftig einen Eindruck vermitteln zu können. Der Wehrgang darf nicht mehr öffentlich betreten werden. Mit Zustimmung der Denkmalbehörden nahmen die Archäologen im Frühjahr die Sondierungsgrabungen vor. "Und es kam besser als gedacht", erzählt die Museumsleiterin verschmitzt: "Denn es ist jemand schon ein paar Jahrhunderte vor uns auf die Idee gekommen, den Eingang zum Wehrgang von dieser Seite aus zu öffnen. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Bogennische dort am Gewölbe nachträglich zugemauert worden war." Der erste Durchbruch wurde vermutlich bereits im 16. Jahrhundert gewagt.

Im Zuge der Sondierungsgrabungen legten Archäologe Jens Wroblewski und seine Mitarbeiter noch drei weitere Rundbögen im Erdreich frei. "Wir wollten eigentlich nur ein kleines Loch machen. Dann stellten wir die lose Schüttverfüllung fest." Der Ostturm stammt nicht aus der Zeit, als die Ringmauer angelegt wurde, sondern vermutlich aus der Phase, als die Zwingermauer errichtet wurde. "Der Turm wurde sozusagen an die Ringmauer herangeschoben", erläutert Wroblewski.

"Der Turm könnte seinerzeit als Wohnraum genutzt worden sein. Unten wurde ein Original-Ziegelboden gefunden, und dort in der Ecke befindet sich eine Kerzen-Nische", erläutert die Museumsleiterin. Wie der Bereich zukünftig gestaltet und geschützt werden kann, damit befassen sich im Augenblick die Fachleute. "Es fanden bereits Termine mit Vertretern der Oberen Denkmalbehörde statt. Wir warten jetzt auf die Stellungnahmen. Und dann gehen die Planungen in die politischen Gremien", erklärt Finkele.

Ins Stocken geraten sind die Arbeiten an der Ursprungsturmburg des Moerser Schlosses. Vom quadratischen Wohnturm, der aus der Zeit um 1200 stammt, existiert heute nur noch ein sieben mal sieben Meter großer Stumpf, der ein Geschoss tief in die Erde ragt. Die Planungen sehen vor, diesen Turm von innen zu beleuchten und mit einer Glasdecke einsehbar zu machen. Eigentlich sollte die graue Betondecke, die den Turm schützt, längst schon entfernt sein. "Wir hatten bereits einen Kran geordert, als wir feststellen mussten, dass das Gemäuer bewohnt ist", erzählt Diana Finkele. Fledermäuse haben den dunklen Turmstumpf für sich als optimalen Lebensraum entdeckt.

Um festzustellen, welche Fledermausarten und wie viele Tiere dort Unterschlupf gefunden haben, haben die Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Wesel Horchstationen aufgestellt. "Klar ist, dass die Fledermäuse den Ort nicht als Wochenstube nutzen und erst im Herbst kommen. Wir dürfen sie aber nicht vertreiben." Die Untersuchungen dauern bis zum Frühjahr.

Quelle: RP
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