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Moers
Ariadne von Schirach polarisiert bei Lesung in der "Röhre"

Moers. Die Autorin und Philosophin Ariadne von Schirach war in der Kulturkneipe "Die Röhre" zu Gast. Auf Einladung des "Neuen Evangelischen Forums" des Kirchenkreises Moers las sie dort aus ihrem aktuellen Buch "Du sollst nicht funktionieren".

Ariadne von Schirach stellt darin fest, dass die Gesellschaft zunehmend durch Optimierung und Profitgier gekennzeichnet ist und Beziehungen und Freundschaften lediglich daran gemessen werden, ob sie von Nutzen sind. Diese Bestandsaufnahmen bilden den gegenwärtigen Zeitgeist zu Teilen sicherlich realistisch ab, ohne dabei inhaltlich besonders neu und originell zu sein. Die Formulierungen, mit denen die Autorin die Gegenwart beschreibt, sind sprachlich allerdings kunstvoll, wenn sie beispielsweise die Diagnose stellt, dass die "Gier die Kinderkrankheit unserer Zeit" sei oder festhält, dass "eine Zeit, die den Menschen mit seiner Leistungsfähigkeit gleichsetzt, eine würdelose Zeit ist". Auch der literarische Kniff, Figuren wie den Tod und ein Kind im Buch zu Wort kommen zu lassen, ist gelungen.

Allerdings legte die Autorin während der Lesung in Moers teilweise gerade die Verhaltensweisen an den Tag, die sie in ihrem Buch kritisiert. War zu Beginn der Lesung noch davon die Rede, dass es wünschenswert wäre, nicht auf jede Wissensfrage eine Antwort geben zu müssen, sondern auch das eigene Nichtwissen einzugestehen, so stellte sich Ariadne von Schirach durch ihr Auftreten und ihren sprachlichen Ausdruck doch als eindeutig überlegen dar. Mit Formulierungen wie "die Wahrheit ist Folgendes" oder "Ich erzähle Ihnen jetzt, was das heißt" und der endlosen Auflistung von Philosophen, deren Werke sie offenbar allesamt gelesen und verstanden hat, betrieb sie immer wieder die Art von Selbstdarstellung, die sie in ihrem Buch kritisiert.

Als die Autorin und Philosophin von einer Besucherin, die sich in Moers für die Flüchtlingshilfe engagiert, gefragt wurde, wie sie denn die Flüchtlingssituation bewerten würde, antwortete Ariadne von Schirach knapp, dass dies eben "Menschen mit einem anderen Schicksal" seien und sie bei den ehrenamtlichen Helfern oft den Eindruck habe, diese würden primär deshalb helfen, weil sie anderen damit zeigen könnten, was für gute Menschen sie doch seien.

(cas)
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