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Carolin Pook
Auf Suche nach Klangideen

Moers. Die Moerser Stadtmusikerin Carolin Pook wird am Freitag, 13. Mai, das 45. Moers Festival eröffnen - mit einem Stück für acht Geigen und Schlaginstrumente.

Mit "Pezzettino 8" eröffnen Sie als Improviser in Residence das Moers Festival. Wie ist die Idee entstanden, ein Stück für acht Geigen und Schlaginstrumente zu realisieren?

Pook Die Idee kam, wie so oft, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Ich suche immer nach neuen Klangideen, etwas, das ich noch nicht gehört oder gemacht habe. Und dann hatte ich diesen Klang im Kopf. Ich glaube, was man tatsächlich schon verraten darf, ist, dass sich dieses Stück sehr langsam aufbaut und daher als Hörerfahrung bewusst nicht in die heutige Zeit passt, in der man zehn Sekunden in etwas hineinhört und dann weiter ,skipt'. Man muss sich darauf einlassen, in den Klang eintauchen, der sich verändert, auseinandergenommen wird, während einzelne Geigenstimmen manchmal durch Zoom-Effekte und andere Kompositionstechniken solistisch durchscheinen. Das Stück hat tatsächlich etwas mehr Improvisationsanteile als zuerst angedacht, deswegen wird es teilweise auch während der Proben entstehen.

Sie haben sieben Geigerinnen eingeladen, mit Ihnen in Moers zu improvisieren. Warum wollten Sie mit genau diesen sieben arbeiten?

Pook Dass es eine reine Frauentruppe wird, war nicht geplant, aber ich gebe zu, als es dann schon sechs waren, habe ich gezielt nach einer siebten Geigerin gesucht. Ich habe bisher mit fast keiner der Musikerinnen zusammengearbeitet, aber so etwas mache ich gerne: Neuland betreten. Wenn ich Musiker für ein Projekt suche, dann geht das über Intuition. Ich höre mir an, was ich im Internet finden kann, und versuche, mir die Truppe vorzustellen. Die Geigerinnen habe ich fast alle über Empfehlungen gefunden und über Skype kennengelernt. Es wird ein wunderbares und kraftvolles Ensemble sein. Alle Ladys haben einen starken Charakter, der hoffentlich durch meine Musik in Erscheinung tritt. Das ist mein Ziel. Ich kann es kaum erwarten, alle bei der ersten Probe kennenzulernen.

Es gastieren dieses Jahr viele Künstler aus den USA. Sie leben ja selbst in New York. Haben Sie schon mit einigen zusammengearbeitet?

Pook Nein, bisher noch nicht, aber wer weiß, vielleicht ändert sich das nach dem Festival.

Die Band "Moon Hooch" hat ihre Karriere in einer der New Yorker Subway Stationen gestartet. Haben Sie die Gruppe dort selbst erlebt?

Pook Moon Hooch ist ursprünglich eine NY Subway Partyband, die mit einer unkaputtbaren Energie die Hipster in der Bedford Avenue Station in Brooklyn bei Laune gehalten hat. Ich glaube tatsächlich, dass die Leute teilweise entweder nur für die Musik kamen oder einfach in den nächsten Zug gestiegen sind, um noch zuzuhören. Und das will in New York schon was heißen. Die Station eignete sich allerdings gut, da dieser Teil von Williamsburg fast ein reines Ausgehviertel ist, besonders am Wochenende.

Die meisten wollen doch schnell ihren Zug erreichen. Bleibt wirklich jemand stehen? Haben Sie das auch schon mal ausprobiert?

Pook Wie gesagt, das ist tatsächlich ungewöhnlich. Es passiert so gut wie nie, dass man extra einen Zug verpassen würde. Das New Yorker Subway-System ist jedem New Yorker ein Gräuel. Aber es gibt so viele unglaublich fantastische Subway-Musiker und Performer auf den Bahnsteigen - manchmal muss man stehenbleiben. Es ist einfach magisch. Ich habe in den ersten Jahren ab und zu im Sommer Straßen- und Parkmusik gemacht. Da verdiente man - dank der Touristen - besser als in manchen Restaurants bei Festgage.

Warum zieht es eigentlich so viele deutsche Musiker nach New York?

Pook Manche aus meiner Generation haben dort mit einem DAAD-Stipendium angefangen und sind geblieben. Ich glaube allerdings nicht, dass es speziell deutsche Jazzmusiker sind, die es dort hinzieht. Die Stadt hat für viele Musiker weltweit eine magische Anziehung.

Reiner Michalke hat sein Programm für das Moers Festival als ein junges beschrieben. Auf welche musikalische Begegnung freuen Sie sich?

Pook Einen Geheimtipp oder klaren Favoriten kann ich nicht nennen, aber ich freue mich vor allem über Ladys, die ihr eigenes Ding machen. Das Duo Kaja Draksler und Susana Santos Silva, Becca Stevens, und natürlich Carla Kihlstedt die mit Jeremy Flower's Projekt auf der Bühne stehen wird. Das gesamte Programm ist so reizvoll, da ist bestimmt die eine oder andere Überraschung zu erwarten.

Im Vorfeld hing ein großes Gewitter über dem Festival. Was wünschen Sie dem Moers Festival?

Pook Möge das Gewitter sich bald komplett verziehen. Es wäre einfach eine Ungeheuerlichkeit, wenn diese besondere Plattform für die Welt der musikalischen Abenteuer, die sich über Jahrzehnte bewährt und aufgebaut hat, plötzlich nicht mehr existiert. Wir spielen dagegen an, dieses Jahr mehr denn je!

ANJA KATZKE STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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