| 00.00 Uhr

Moers
Aufregung um geplantes Asylheim

Moers: Aufregung um geplantes Asylheim
Sie wollen Informationen über das neue Flüchtlingsheim (von links): Anja Reutlinger, Mireille Jänecke, Daniel Jänecke, Melanie Schütz, Wolfram Reutlinger und Sabine May. FOTO: Arnulf Stoffel
Moers. In die ehemalige Germendonkschule sollen bis zu 250 Flüchtlinge einziehen. Es formierte sich Widerstand in der Bevölkerung. Anwohner trafen zu einem Klärungsgespräch. Doch aus dem Büro der SPD-Fraktion gibt es Störfeuer. Von Yannic Kascholke

Ein geplantes Flüchtlingswohnheim an der Taubenstraße und ein Flugblatt der daraufhin gegründeten "Bürgerinitiative für Meerbeck-Ost" bewegen derzeit die Menschen im Moerser Osten.

Anwohner, die im Umkreis der Germendonkschule wohnen, hatten über das Internet von der geplanten Unterkunft erfahren. Daraufhin haben Bewohner eine Versammlung mit knapp 60 Personen abgehalten. "Während der Versammlung waren wir fassungslos", berichtet Mireille Jänecke, die mit ihrem Ehemann Daniel Jänecke an der Veranstaltung teilnahm. So habe es während der Sitzung Kommentare von Teilnehmern gegeben, die offen Vorurteile gegen Flüchtlinge schürten.

"Als ich Tage später ein Flugblatt einer neu gegründeten Bürgerinitiative entdeckt habe, das durch uneindeutige Formulierungen Raum für Interpretationen gelassen hat, habe ich angenommen, dass die Initiative aus der Veranstaltung hervorgegangen wäre." Daraufhin entschlossen sich die Eheleute Jänecke zu handeln: "Wir haben gemeinsam mit anderen Anwohnern einen Brief an den Bürgermeister geschrieben, um zu zeigen, dass diese Stimmen nicht der Meinung der gesamten Bevölkerung in Meerbeck entsprechen."

Viel Zündstoff also, der am Ende auf einem Missverständnis beruhen sollte. "Mit der Veranstaltung haben wir nichts zu tun", sagte Sabine May, eine von drei Sprechern der Bürgerinitiative (BI), während eines von unserer Zeitung moderierten Gesprächs mit Vertretern beider Lager. So betonte May: "Wir haben mit fremdenfeindlichen Äußerungen nichts zu tun." Die Initiative sei nicht gegen die Unterbringung von Flüchtlingen. Auf das Flugblatt angesprochen, erwidert die Sprecherin: "Der entstandene Eindruck tut uns leid. Es war dem zeitlichen Druck geschuldet. Uns geht es nur um die hohe Unterbringungszahl in der Schule, nicht gegen die Flüchtlinge generell. So eine große Unterkunft würde unseren Stadtteil vor enorme Herausforderungen stellen und ist auch für die Flüchtlinge nicht gut."

Die BI könne sich eine Unterbringung von bis zu 80 Menschen, wie derzeit an der Rathausallee in Utfort, vorstellen. SPD-Ratsfrau und Anwohnerin Anja Reutlinger erklärte die Pläne der Stadt: "Für die Verwaltung ist eine dezentrale Unterbringung wichtig. Gerade erst wurden 30 Wohnungen für geflüchtete Familien anmietet." Zudem sei die Zahl 250 zwar erst einmal abschreckend: "Allerdings sind alle Unterkünfte in Moers aktuell nur zu 80 Prozent belegt." Eine kleinere Belegung strebe man auch für die ehemalige Schule an: "Nur wissen wir nicht, wie sich die Situation entwickelt. Wir brauchen Plätze in der Hinterhand, um schnell handlungsfähig zu sein."

Während des Gesprächs konnten viele Bedenken ausgeräumt werden. So waren sich die Beteiligten einig, wie wichtig die Integration der Flüchtlinge sei. "Hierfür kann auch ein Gemeinschaftsraum in der Unterkunft geschaffen werden, der Treffpunkt von Einheimischen und Flüchtlingen ist", sagte Sabine May. Anja Reutlinger versprach, dass sie diese Idee mit in die Beratungen der SPD-Fraktion nehmen werde. Zudem habe man in Meerbeck eine starke ehrenamtliche Basis. "Wir haben verschiedene Akteure wie die Kirchen und die Moschee", erklärte Wolfram Reutlinger vom Nachbarschaftsnetzwerk 55plus: "Hier arbeiten wir bereits gut zusammen."

Ganz im Gegensatz zu dem konstruktiven Dialog vor Ort steht eine Stellungnahme aus dem Moerser Fraktionsbüro der SPD. Mitarbeiter Konrad Göke fühlt sich durch das BI-Flugblatt "in Aufmachung und Zielsetzung an die im Netz kursierende Handlungsanweisung der rechtsextremen Organisation: Der III. Weg" erinnert. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Mark Rosendahl distanzierte sich umgehend von der Äußerung: "Das ist Gökes Privatmeinung und nicht die Position der SPD-Fraktion. Es gibt keinen Grund, die BI in die rechte Ecke zu stellen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers: Aufregung um geplantes Asylheim


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.