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Moers
Auschwitz: "Jedes Mal ein Schlag ins Gesicht"

Moers: Auschwitz: "Jedes Mal ein Schlag ins Gesicht"
Die Zehntklässler des Adolfinum-Gymnasiums zusammen mit ihren Betreuern und Lehrern auf einem Gruppenfoto während der Fahrt nach Polen. FOTO: Christopher Lee Watkins
Moers. Beim Besuch in Auschwitz und Krakau haben sich Adolfiner mit dem Nationalsozialismus und der Gegenwart auseinandergesetzt. Von Anna Lena Lipka

"Wir tragen die Verantwortung dafür, dass solche Verbrechen nicht vergessen werden und dass sie nie wieder passieren", schrieb ein Schüler am letzten Tag der Polenfahrt in einem Gesprächskreis auf einen Zettel. Es war die zehnte Fahrt des Gymnasiums Adolfinum nach Auschwitz und Krakau, seit 2010 hat die gesamte Jahrgangsstufe zehn die Möglichkeit, mitzufahren. Obwohl die Teilnahme freiwillig ist, haben sich in diesem Jahr über 95 Prozent der Zehntklässler angemeldet. Und so fuhren sechs Lehrer und 197 Schüler, davon 50 "Teamer", in der letzten Woche vor den Ferien nach Polen.

Auf dem Programm standen Besuche der Gedenkstätten Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau, der Stadt Oswiecim (deutsch: Auschwitz), zwei Zeitzeugengespräche, in Krakau der Besuch von Schindlers Fabrik, des Stadtteils Kazimierz und zweier jüdischer Friedhöfe. Es war nicht beschränkt auf die Betrachtung von Geschichte, es ging auch um jüdisches Leben und Kultur vor und nach den Verbrechen der Nationalsozialisten und vor allem um die Erkenntnis, wozu Menschen alles fähig sind. An Eva Mozes Kor und ihrer Zwillingsschwester Miriam hatte der Lagerarzt Josef Mengele, Experimente durchgeführt, und trotzdem erzählte sie den Schülern, wie wichtig es sei, den Nazis zu vergeben. Schlüsse zu ziehen aus den Erlebnissen auf der Fahrt, die Frage zu beantworten, was jeder Einzelne in seinem Leben ändern muss, um gegen Rassismus und Ausgrenzung anzugehen und für Toleranz einzutreten, den Teilnehmern Weitblick zu vermitteln, das ist das erklärte Ziel der Fahrt.

Die Schüler auf dem Weg nach Auschwitz-Birkenau. FOTO: Christopher Lee Watkins

Das Teamer-Konzept, die Begleitung der Schüler vor und während der Fahrt durch ältere Schüler, sei ein wesentlicher Aspekt, erklärte die Projektleiterin Maria Vollendorf-Löcher. Jeweils zwei Teamer kümmern sich um eine Kleingruppe von fünf bis sieben Schülern, mit denen sie sich im halben Jahr vor der Fahrt häufig treffen und mit Modulen intensiv vorbereiten. Auch vor Ort sind sie für ihre Teilnehmer da, es entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis, niemand bleibt mit seinen Gedanken und Eindrücken allein. Teamer und Lehrer, alle ehrenamtlich dabei, bilden das Leitungsteam, in dem Probleme besprochen und organisatorische Dinge demokratisch entschieden werden. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht mehr, dass viele Schüler wieder und wieder nach Auschwitz fahren. Selbst Schüler, die vor Jahren ihr Abitur gemacht haben, kommen dafür zurück, fahren mit oder bereiten die Fahrt vor. In diesem Jahr gab es sogar doppelt so viele Bewerber wie Teamer-Plätze.

Mit dem veränderten Verständnis, wozu Rassismus und Fremdenhass führt, nicht in die Welt entlassen zu werden, sondern als Teamer die Möglichkeit zu bekommen, junge Leute aktiv zu begleiten und sie politisch zu bilden, das ist für den Erstteamer Jan Pütter "das Allerbeste an der ganzen Sache". Das Miteinander habe auf der Fahrt viel Raum, die Menschen gingen aufeinander zu, niemand gucke schräg, wenn auch mal ein Junge weint, erzählt Frau Vollendorf. Es ist kein Geschichtsunterricht, sondern Persönlichkeitsstärkung. Mittlerweile haben über 2000 Schüler diese intensiven Fahrten mitgemacht, und, wie Maria Vollendorf sagt: "Keiner fährt da so weg, wie er hingekommen ist." Leider ist es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, das nötige Geld zu bekommen.

Quelle: RP
 
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