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Moers
Bahnhofsvorplatz-Ost muss noch warten

Moers: Bahnhofsvorplatz-Ost muss noch warten
FOTO: Dieker Klaus
Moers. Noch in diesem Jahr wollen Enni und die Deutsche Bahn den Fußgängertunnel am Bahnhof in Betrieb nehmen. Doch der Ostausgang wird mindestens bis Ende nächsten Jahres ein Provisorium bleiben. Von Jürgen Stock

Der Moerser Bahnhof bietet derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Von außen präsentiert sich das historische Gebäude mit dem neuen Bahnhofsvorplatz auf der Westseite von seiner Zuckerseite: Sauber, hell geräumig mit neckischem Wasserspiel. Dann kommt die Horrorzone ein dunkler Tunnel, einseitig mit Spanplatten abgesichert, in dem es nach Urin riecht. Ähnlich die Treppen zum Aufgang: Muffig, schmuddelig, mit Schmierereien an den Wänden. Oben auf den Bahnsteigen, dann wieder alles bestens: Frisch renovierte und überdachte Bahnsteige mit neuen, sauberen Wartezonen. Noch bis Ende des Jahres soll der Bahnhof sein Dr. Jekyll-and-Mr.-Hyde-Gesicht tragen. Dann erst soll der Tunnel, der die westliche Stadtseite mit Hochstraß verbindet, fertig sein.

Das Bild oben links zeigt den neuen Tunneleingang auf der Ostseite. Daneben die neuen Watehäuschen. Unten ein Blick auf den überdachten Bahnsteig. FOTO: Dieker

"Wir arbeiten daran", versichert Lutz Hormes, Geschäftsführer der Enni. Allerdings seien noch eine Reihe von Abstimmungen mit der Bahn und der Stadt nötig, die ebenfalls Partner bei dem Projekt sind. Der Spatenstich für das Projekt erfolgte im Februar vergangenen Jahres. Damals hofften die Planer noch, das neue Bauwerk spätestens ein Jahr später in Betrieb nehmen zu können. Dann wurde daraus Juni 2016; jetzt ist man schon froh, wenn es noch in diesem Jahr klappt. Immerhin hat es die Bahn geschafft, die Bahnsteige zu erhöhen. Sie will den Bereich längs der Gleise mit neuen Unterstellmöglichkeiten und Bänken ausstatten.

Die Bauverzögerung im Tunnel, so Hormes lägen zum einen in nicht eingeplanten Fundamentarbeiten begründet. Im Zuge des Durchstichs zur Lotharstraße soll der Fußgängertunnel von fünf auf 15 Metern verbreitet werden. Dafür muss eine stützende Stahlbetonmauer entfernt und durch eine Säulenreihe ersetzt werden. "Anders als vorangegangene Untersuchungen vermuten ließen, reichte die Tragfähigkeit des Untergrundes nicht aus, das neue Gewölbe und die Säulen zu tragen", sagt Hormes. Die Folge: neue statische Berechnungen und ein wesentlich stärkeres Fundament als ursprünglich vorgesehen. Das hat die Arbeiten erheblich in die Länge gezogen. Bis spätestens September, so Hormes gestern, soll der Bau dann fertiggestellt sein.

Dabei haben sich die Bauherren selbst ein Denkmal für ihre Kommunikationsprobleme gesetzt. Aufgrund fehlender Abstimmung zwischen Bahn und Enni läuft die Treppe nun ein Stück weit in den Tunnel hinein, statt bündig mit der Tunnelwand abzuschließen. "Da machen wir dann eine Verkleidung hin", sagt eine Bahnsprecherin. "Das wird man gar nicht merken."

Auch nach Freigabe des Tunnels dürfte der Bahnhofsbereich noch auf absehbare Zeit eine Baustelle bleiben. Die vom Tunnel ausgehenden Fahrstühle, die es künftig auch Müttern mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl ermöglichen soll, Züge problemlos zu erreichen, werden voraussichtlich erst im März zu benutzen sein. Noch länger wird die Herrichtung des östlichen Bahnhofsvorplatzes dauern. Dort soll ein Kreisverkehr mit "Kiss & Ride"-Buchten entstehen. Das Beerdigungsinstitut wird nach Norden verlegt. Diese Arbeiten sollen erst 2017 in Angriff genommen werden. Besonders ärgerlich: Weil noch keine Gelder bereitgestellt wurden, wird der Platz an der Lotharstraße zunächst provisorisch asphaltiert, ehe später das endgültige Pflaster aufgebracht werden kann. Die Baukosten: 3,1 Millionen Euro für den Tunnel, 1,8 Millionen zahlt die Stadt. Die Bahnsteigerhöhung finanzieren, Bahn, Bund und Land.

Quelle: RP
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