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Moers
Bei Gökes liegt die Kultur in der Familie

Moers: Bei Gökes liegt die Kultur in der Familie
Konrad (rechts) und Frederik Göke haben ein fast vierwöchiges Kulturprogramm für die Maschinenhalle Pattberg zusammengestellt. Beide können sich vorstellen, dass "Last Exit Moers" in den nächsten Jahren fortgesetzt wird. FOTO: K. Dieker
Moers. Gemeinsam wollen sie die Maschinenhalle Pattberg in Moers aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken: Konrad Göke ist Projektleiter des Kulturfestivals "Last Exit Moers" (9. bis 25. September), Frederik Göke der künstlerische Leiter. Von Anja Katzke

Es ist nicht ihre erste künstlerische Zusammenarbeit: In Konrad Gökes Inszenierung von Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" spielte Sohn Frederik den Soldaten. "Aber das war so ein RegisseurSchauspieler-Verhältnis", betont Frederik Göke. Das Kulturfestival "Last Exit Moers", das vom 9. bis zum 25. September seine Premiere in Moers feiern wird, gehe jedoch deutlich darüber hinaus. Vater und Sohn entwickelten zusammen das Konzept für das neue Festival, das einer der Kathedralen des Bergbaus in Moers, der Maschinenhalle Pattberg, Leben einhauchen soll.

Konrad Göke trug die Idee, das mehr als 100 Jahre alte Industriegebäude aus dem Dornröschenschlaf zu holen, lange mit sich herum, intensiv beschäftigt er sich seit zwei Jahren mit dem Projekt. "Ich hatte zur Ruhr 2010 die Gelegenheit, die Maschinenhalle zu besichtigen, und fand, dass man die Kultur in dieses Gebäude bringen muss." Pattberg ist nicht Gökes erstes Kulturprojekt, das mit der Industriegeschichte im Ruhrgebiet in Verbindung steht.

"Ich halte es mit Karl Ganser, dem damaligen Chef der Internationalen Bauausstellung Emscher Park. Er mahnte, nicht den Fehler zu begehen, die Vergangenheit abzureißen. Sie ist nämlich ein Teil unserer Identität." Und so brachte der in Moers lebende Regisseur, Autor und Produzent 1992 im heutigen Landschaftspark Duisburg-Nord mit den Brandenburger Symphonikern Puccinis "La Bohème" auf die Bühne.

"Oper zwischen Maschinen und Hochöfen, das hat meine Kindheit geprägt", sagt Frederik Göke, der in Bern Schauspiel studiert hatte, am dortigen Theater engagiert war und später an Theaterhäusern in Basel und Duisburg spielte. "Es ist beeindruckend, wenn das Licht durch die hohen Fenster in die Maschinenhalle fällt, die irgendwo im nirgendwo steht", fasst Frederik Göke seine Eindrücke zusammen. Die familiäre Zusammenarbeit für "Last Exit Moers" sei bereichernd und spannend, betonen Konrad und Frederik Göke. Zwar hätten sie nicht immer denselben Kunst- und Kulturgeschmack: "Wir machen uns aber gegenseitig neugierig, Neues kennenzulernen", erzählen sie. Damit alles korrekt läuft, haben sie sogar eine Firma gegründet, eine Unternehmergesellschaft, die sie augenzwinkernd "Vetternwirtschaft UG" genannt haben, mit Frederik Göke als Geschäftsführer. Wichtige Partner in diesem Projekt sind die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die sich schnell von Konrad Göke für das Kulturprojekt hatte begeistern lassen. Mit im Boot sind außerdem die RAG-Stiftung, die NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur, die Stadt Moers und als örtlicher Partner die Kulturoffensive Moers. Projektleiter Konrad Göke zeigt sich davon überzeugt, dass "Last Exit Moers" (der Titel ist in Anlehnung an die letzte Moerser Ausfahrt der A 42 zu lesen, über die man von auswärts die Pattberg-Maschinenhalle am besten erreicht) auch in den kommenden Jahren das Kulturleben in Moers bereichern kann. "Wir haben von so vielen Seiten große Unterstützung erfahren. Wenn das Publikum das Festival annimmt, kann es weiter gehen", betont Konrad Göke.

Der Moerser, der seit 1981 in der Grafenstadt lebt, versteht sein ehrenamtliches Engagement in diesem Projekt als ein neues großes Abenteuer, das aber gut vorbereitet sei. Das Programm vom 9. bis zum 25. September sei ein bisschen wie eine Wundertüte, biete von allem etwas, sagt der künstlerische Leiter Frederik Göke, während sich sein Vater vor allem über die Zusammenarbeit mit Markus Reinhardt freut. Er ist der Neffe von Django Reinhardt, dem berühmten Musiker, der viele seiner Verwandten in Konzentrationslagern verlor. Der Abend mit Markus Reinhardt steht unter dem Titel ,Die Zigeuner sind da'. Aus der Begegnung mit Markus Reinhardt habe sich noch eine weitere Zusammenarbeit fürs Festival entwickelt: Der Künstler hat mit Stella Göke ein Operetten-Programm mit Melodien aus "Der Zigeunerbaron" und "Gräfin Mariza" zusammengestellt.

Das komplette Programm vom 9. bis zum 25. September, das von Klassik bis Comedy reicht, ist im Internet unter www.lastexitmoers.de zu finden. Einen Vorgeschmack auf das Festival gibt's an diesem Wochenende, 27. und 28. August. Die Veranstalter laden zur Landpartie ein. Zum Landesgeburtstag 70 Jahre NRW macht die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur zum ersten Mal die Türen zur Maschinenhalle Pattberg auf. www.lastexitmoers.de

Quelle: RP
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