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Moers
Bewegende Erinnerungen an Hanns Dieter Hüsch

Moers. Ein Klavier, ein Stuhl, ein Tisch: Die Bühne im Moerser Schlosstheater war lakonisch gestaltet. Nahezu edel wirkte der Zweispitz auf der Büste aus Gips. Doch umso lebendiger wirkten die Geschichten und Gespräche aus dem Leben von Hanns Dieter Hüsch. Mit dem Bühnenstück "Und sie bewegt dich noch!" führten unter anderem Jürgen Kessler, Leiter des Deutschen Kabarettarchivs, und Holk Freytag, Gründer des Schlosstheaters, in die Welt des vor genau zehn Jahren verstorbenen Kabarettisten. Von Julia Zuew

Der Name - ein Pendant zu Hüschs Programm "Und sie bewegt mich doch!" aus dem Jahr 1984, das er selbst als sein bestes philosophisches und kabarettistisches Stück bezeichnete. Mit Anekdoten aus dem Leben, Höhen und Tiefen und mit viel Gefühl. Und natürlich, mit Erzählungen vom Niederrhein zu Hüschs Zeiten. "Mein kleines Moers", seufzte Freytag melancholisch, als er in Hüschs Rolle von der Heimat sprach. "Es ist noch da, dein kleines Moers", erwiderte Kessler. "Zwar nicht schöner, aber größer." Ein leises Lachen rauschte durch die Sitzreihen.

Irmgard Haub sorgte im Schlosstheater mit klarer, samtiger Stimme für die lyrische Ader im Bühnenstück. Vom Klavier begleitet, sang die gebürtige Mainzerin von Landschaften und Episoden aus Hüschs Leben. Mit Expeditionen zu den höchsten Bergen und tiefsten Tälern verglichen Freytag und Haub das Leben von Hüsch. Zwischen Dialogen, Zitaten und Einblicken in die sprachlichen Momentaufnahmen aus seinem Leben war die Biografie des Kabarettisten verstrickt. "Das Fußleiden wurde zum Rettungsring", sagte Freytag in den ersten Minuten des Stücks. Ein Thema, dass Hüsch selbst zu Lebzeiten mit Selbstironie betrachtete, wie in dem Lied "Warum bin ich so unmuskulös". Durch eine Missbildung an den Füßen blieb ihm einst der Dienst im Zweiten Weltkrieg erspart. Er begann zu schreiben. Dies war der Anfang von Hüschs Laufbahn in der Welt der Literatur, des Kabaretts, der Kunst der Sprache.

Von Gesprächen bei Wein bis zehn Uhr morgens, von Fahrten nach Mainz und Köln, Abenteuern auf und hinter der Bühne handelten die Erzählungen. Die Schauspieler erzählten von der Liebe zu seiner Frau, Marianne - und von der Trauer nach ihrem Tod. Freytag und Kessler, die mit Hüsch befreundet waren, überzeugten. Auch wenn die Zuschauerreihen noch viel Platz boten, für Liebhaber von Hüschs Person und Lebenswerk war es ein bewegender Abend.

Quelle: RP
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