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Moers
Bewegendes am Bahnsteig des Lebens

Moers: Bewegendes am Bahnsteig des Lebens
Die Schauspieler spielen mit Leib und Seele die Figuren, die sie sich selbst erdacht haben und reißen damit auch das Publikum mit. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Beim Projekt "Chance Kultur" des Jobcenters bringen junge Menschen ein selbstentwickeltes Stück auf die Bühne. Von Ulrike Rauhut

Erste Szene: Koffer stehen auf der Bühne. Große, kleine, bunte, schwarze, schicke und kaputte. Koffer an einem Bahnsteig. Sie werden gepackt, gezogen, gestapelt, geknautscht. Manchmal auch getreten oder vergessen. Wenn diese Koffer sprechen könnten ... Sie hätten viel zu erzählen, genau wie ihre Besitzer. Die Schauspieler mit dem Rücken zum Publikum leihen den Koffern ihre Stimme. Sie sprechen von Ängsten und Hoffnungen. Plötzlich sind alle weg, bis auf einen Koffer.

Zweite Szene: Ein einzelner Koffer mitten auf dem Bahnsteig? Dazu ein Zettel mit arabischer Schrift? Was, wenn das Leben jetzt zu Ende ist? "Ich hatte doch noch so viel vor!"

In dem frisch eingerichteten Mini-Theater im ehemaligen Schlecker-Laden im Wallzentrum stehen am Montagabend 13 junge Leute auf der Bühne. Sie spielen mit Leib und Seele und reißen das begeisterte Publikum mit. Es wird geschrien und geflüstert, gelacht und geweint. Der Bahnsteig ist dabei die Metapher für das Leben. Die Geschichten handeln vom Aufbruch, vom Warten, von der Enttäuschung.

Die Collage von Szenen an der Bahnsteigkante haben sie zusammen mit Theaterpädagogin Gisela Feldhaus erarbeitet. Weitere Gruppenmitglieder haben Filmszenen gedreht, andere waren am Bau der Bühne und den technischen Aufbauten beteiligt. Auch galt es, Einladungen und Plakate zu entwerfen.

Die 18- bis 25-Jährigen sind Teilnehmer einer Maßnahme für junge Leute mit "Vermittlungshemmnissen". Doch sie überzeugen wie echte Schauspieler, spielen sie doch buchstäblich um ihr Leben, um ihre Zukunft und ihren Platz in dieser Gesellschaft. Denn das Projekt "Chance Kultur" bietet mittels Theater-, Medien- und Sozialpädagogik die Möglichkeit, sich intensiv mit der eigenen Biographie und Lebensplanung auseinanderzusetzen.

Das Projekt wurde durch das JobCenter Kreis Wesel finanziert und initiiert und vom SCI Moers gemeinsam mit dem Verein Culture for Development durchgeführt. Die jungen Leute sind seit Ende Juli in der Maßnahme und werden über ein Jahr lang intensiv gecoacht und begleitet. Von einer "einmaligen Chance, sich zu präsentieren" spricht Ralf Berensmeier, Kreisdirektor des Kreises Wesel. Er drücke allen Teilnehmern die Daumen, dass es bald mit einem Ausbildungsplatz klappe.

Christian Apel fühlt sich nach der Premiere "einfach wunderbar". Durch das Theater habe er ganz neue Seiten an sich kennen gelernt. Der 20-Jährige möchte gerne Erzieher werden und ist zuversichtlich, dass sein Wunsch bald Wirklichkeit wird.

Quelle: RP
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