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Moers
Biotonne: Außen proper, drinnen pfui

Moers: Biotonne: Außen proper, drinnen pfui
Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn kaum Gartenabfälle anfallen, ist in den Biotonnen viel Platz übrig. Der wird gern zum Entsorgen von Hausmüll genutzt. Das macht die Gebühren für alle teurer. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Moers. Die Enni und die Stadt Neukirchen-Vluyn bitten die Bürger dringend, ihre Biotonnen nicht mit Hausmüll zu befüllen. Das koste zusätzliche Gebühren, welche die Allgemeinheit tragen muss. Verbreitet ist auch die Befüllung fremder Tonnen. Von Stefan Gilsbach

Die Biotonne ist das Symbol deutschen Umweltbewusstseins. Zumindest von außen. Was drinnen vor sich hin gammelt, gehört in vielen Fällen gar nicht hinein - darauf verweisen die Enni Stadt & Service Niederrhein und die Stadt Neukirchen-Vluyn.

"Bei der ersten Sammeltour der Bioabfälle im neuen Jahr musste leider wie schon so oft in den Vorjahren festgestellt werden, dass Restmüll über die Biotonne entsorgt wurde. An den beiden Abfuhrtagen mussten die Mitarbeiter der Abfallentsorgungsanlage Asdonkshof neun LKW-Ladungen Bioabfälle zu Restmüll umdeklarieren", heißt es in einer Mitteilung aus dem Neukirchen-Vluyner Rathaus. Jede Menge Plastiktüten mit Restmüll kämen beim Prüfen des Tonneninhalts zum Vorschein. Dadurch entstünden rund 9800 Euro zusätzliche Gebühren an den Kreis Wesel - und die müssten alle Gebührenzahler in Neukirchen-Vluyn mit bezahlen, egal, wie vorbildlich sie ihre Biotonnen befüllen.

Die Enni spricht das gleiche Problem an. "Gleich mehrere Lkw-Ladungen aus Moers, die eigentlich als Biomüll deklariert waren, wurden am Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof in Kamp-Lintfort wegen zu hoher Anteile von Hausmüll nicht der Kompostierung, sondern der Abfallverbrennung zugeführt. Das verursacht doppelte Kosten", erklärt Enni-Abteilungsleiter Ulrich Kempken. Gerade im Winter lande viel Hausmüll in den Biotonnen, die dann naturgemäß leerer als sonst sind. Manche Bürger wüssten vielleicht gar nicht, dass sie etwas falsch machten, vermutet er. Die Enni zählt daher noch einmal auf, was in die Biotonne gehört: Küchenabfälle wie Gemüse-, Salat- und Brotreste sowie Gartenabfälle. Auch kompostierbare Stoffe wie Haare, Federn, Holzwolle, Küchenkrepp und Sägemehl gehören hinein - nicht aber Fleischreste, Tierstreu, Glas oder Kunststoffe. In der kalten Jahreszeit haben die Enni-Mitarbeiter oft Mühle, festgefrorene Küchenabfälle aus den Tonnen zu entfernen, daher bittet das Unternehmen die Bürger, die Küchenabfälle in Zeitungspapier einzuschlagen. Immerhin: In den rund 13.000 Gefäßen der Enni Stadt & Service landen jährlich mehr als 7500 Tonnen Küchen- und Gartenabfälle.

Ein Problem ist aber nicht nur die Fehlbefüllung durch manche Nutzer der Biotonne. Laut der Reaktion in den sozialen Netzwerken scheint es mittlerweile ein Volkssport zu sein, Müll in fremden Tonnen zu entsorgen und somit seine Mitmenschen damit zu belasten.

Eine ganze Reihe von Bürgern beschwert sich über diese Unsitte auf der Facebook-Seite der Stadt Neukirchen-Vluyn. Ein Nutzer schreibt: "Statt also lediglich wiederholt an die Müllsortierer zu appellieren, sollte die Stadt auch einmal darüber nachdenken, dass die Plastiktüten nicht unbedingt von den Biotonnenhaltern selber, sondern von unbelehrbaren Dritten eingeworfen werden." Bei manchen Diskussionsteilnehmern wurde der Wunsch nach einem Schloss für die Biotonne geäußert. Tatsächlich können die Bürger ein solches Schloss beim Entsorgungsunternehmen Schönmackers beantragen.

Dieses Schloss ist so konstruiert, dass es sich bei der Entleerung am Entsorgungsfahrzeug automatisch öffnet. Einen entsprechenden Antrag zum Ausfüllen finden Interessierte auf der Internetseite der Stadt Neukirchen-Vluyn. Allerdings kostet der Einbau eines solchen Schlosses bei einer Tonne mit dem Volumen von 60 bis 240 Litern 60 Euro. Mit dem Schloss werden zwei Schlüssel geliefert.

Quelle: RP
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